Zurück zur Startseite
Wissen
Zurück zur Startseite
Wissen

Forscher präsentieren erstes Bild von einem Schwarzen Loch | BR24

© ALMA (ESO/NAOJ/NRAO)/B. Tafreshi (twanight.org)

Die Antennenschüsseln des ALMA-Radioteleskops in den chilenischen Anden gehören zum Netzwerk des Event Horizon Telescope EHT

Per Mail sharen

    Forscher präsentieren erstes Bild von einem Schwarzen Loch

    Eine bahnbrechende Entdeckung wollen Astronomen heute um 15:00 Uhr verkünden, zeitgleich an sechs Orten rund um den Erdball. Vermutlich präsentieren die Forscher des Teleskopnetzwerks Event Horizon das erste Foto von einem Schwarzen Loch.

    Per Mail sharen

    Weltweit warten Astronomen gespannt auf das erste Bild eines Schwarzen Lochs. Es finden sechs Pressekonferenzen gleichzeitig statt, unter anderem in Washington, Brüssel und Santiago de Chile.

    Albert Einstein sagte Schwarze Löcher voraus

    Schwarze Löcher sind die wohl rätselhaftesten Objekte im Kosmos. Sie haben keine Ausdehnung, aber dennoch eine immense Masse, manchmal Millionen oder Milliarden Sonnenmassen. Albert Einstein hat Schwarze Löcher schon vor mehr als hundert Jahren in seiner Allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagt. Nachweisen lassen sie sich aber bisher nur indirekt.

    Foto: Schwarzer Schatten in heller Umgebung?

    Eine direkte Aufnahme ist unmöglich, denn Schwarze Löcher haben wegen ihrer gewaltigen Masse eine ebenso große Schwerkraft. Sie verschlucken alles, was in ihre Nähe kommt, selbst das Licht. Schwarze Löcher heizen jedoch die Materie auf, die sie umkreist, und bringen sie zum Strahlen.

    Daher wird eine Aufnahme von einem Schwarzen Loch vermutlich einen Schatten in heller Umgebung zeigen. Der Schatten ist allerdings nicht das Schwarze Loch selbst, sondern "nur" sein Ereignishorizont. Er umgibt das Schwarze Loch und ist die Grenze, hinter der alles auf Nimmerwiedersehen verschwindet.

    Blick ins Zentrum der Milchstraße

    Für ein Bild von einem Schwarzen Loch haben Astronomen weltweit zwei kosmische Objekte ins Visier genommen. Das eine ist Sagittarius A*, ein supermassereiches Schwarzes Loch, das sich vermutlich im Zentrum der Milchstraße befindet. Es hat vier Millionen Sonnenmassen und ist rund 26.000 Lichtjahre von der Erde entfernt.

    Mit einem herkömmlichen Teleskop lässt es sich nicht erspähen. Das für den Menschen sichtbare Licht muss durch die halbe Milchstraße reisen, bis es die Erde erreicht. Unterwegs wird es von kosmischem Staub so stark gedämpft, dass selbst auf den Aufnahmen des Weltraumteleskops Hubble nichts zu erkennen ist.

    Astronomen blicken deshalb mit Radioteleskopen ins Zentrum der Milchstraße. Um die Bildqualität zu verbessern, haben sie Radioteleskope auf Hawaii, in Arizona, Spanien, Mexiko, Chile und am Südpol zu einem weltweiten Netz zusammengeschlossen, dem Event Horizon Telescope EHT. An dem Projekt beteiligt ist auch die Europäische Südsternwarte ESO, die ihren Sitz in Garching bei München hat.

    Schwarzes Loch in ferner Galaxie

    Mit dem EHT haben die Astronomen auch eine weitere Region im Weltraum untersucht: In der Mitte der Riesengalaxie M87 (Messier 87) soll ein Schwarzes Loch sein, das die 1.500-fache Masse von Sagittarius A* hat. Es ist zwar rund 55 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt, seine gigantische Größe macht es aber zu einem vergleichbar guten Beobachtungsobjekt. Von einem der beiden Schwarzen Löcher werden die EHT-Astronomen heute wohl eine Aufnahme präsentieren. An der Pressekonferenz in Brüssel nimmt auch der EU-Kommissar für Forschung und Wissenschaft Carlos Moedas teil.

    Beleg für Relativitätstheorie

    Ein Schwarzes Loch saugt mit seiner Gravitation Materie an, deshalb ist es vermutlich von einem Ring aus Gas und Staub umgeben, so ähnlich wie der Saturn von seinen Ringen. Darüber hinaus beugt es auch das Licht in seiner Nähe. Die Staubscheibe um das Schwarze Loch könnte daher eher wie eine deformierte Hutkrempe aussehen. Es kommt aber gar nicht darauf an, ob die Aufnahme einen spektakulären Anblick bietet. Sollte es tatsächlich gelungen sein, ein Bild von einem Schwarzes Loch, beziehungsweise von seinem Ereignishorizont, zu machen, wäre das eine wissenschaftliche Sensation und ein weiterer Beleg dafür, dass Schwarze Löcher tatsächlich existieren und Einsteins Relativitätstheorie gültig ist.