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Bienen bepackt mit Pollen und Pflanzengift
© dpa/ZB
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Bienen bepackt mit Pollen und Pflanzengift

Das umstrittene Pflanzengift Glyphosat ist eine Ursache für das weltweite Bienensterben. Was bislang wissenschaftlich nicht eindeutig belegt war, bestätigt eine neue Studie: Glyphosat beeinträchtigt die Darmflora der Honigbiene und schwächt dadurch ihr Immunsystem.

Die Studie zeigt erstmals den Zusammenhang des Herbizids und dessen Wirkung auf die Darmflora der Bienen auf. Denn genau die Bakterien, die Bienen für ihre Immunabwehr benötigen, werden durch das Gift vernichtet. Ein fataler Effekt, denn dadurch sind die Bienen weniger widerstandsfähig und anfälliger für Infektionen.

Feldversuch mit Glyphosat

Die Biologen Erick V. S. Motta, Kasie Raymanna und Nancy A. Morana von der University of Texas in Austin, überprüften ihre Vermutungen in einem Feldversuch. Sie fütterten Arbeiterinnen eines Bienenstocks mit einer glyphosathaltigen Zuckerlösung und eine Vergleichsgruppe mit einer Lösung ohne Pflanzengift. Die Konzentration entsprach der Menge, der Bienen generell bei ihren Ausflügen ausgeliefert sind. Mit farblichen Markierungen konnten sie die Bienen unterscheiden und beobachten. In einem weiteren Test wurden Arbeiterinnen aus beiden Gruppen zusätzlich mit einem Erreger infiziert, um herauszufinden, wie sich das Pflanzengift auswirkt. Die Forscher konnten dadurch nachweisen, dass gerade die wichtigen Darmbakterien, die für eine Immunabwehr notwendig sind, bei den "Glyhosat - gefütterten" Arbeiterinnen nicht mehr vorhanden waren. Mit der Folge, dass 90 Prozent der Bienen nicht überlebten, weil sie zu schwach waren und nicht gegen den Erreger ankamen.

Glyphosat schädigt die Darmflora indirekt

Die Studie beweist damit, dass Glyphosat selbst in kleinen Mengen Insekten beeinträchtigt. Obwohl bislang davon ausgegangen wurde, dass es nur schädlich für Pflanzen sei. Für Bienen, die jedoch denselben Stoffwechselweg gehen, ist das Unkrautvernichtungsmittel gefährlicher als vermutet. Glyphosat soll Unkraut vernichten, indem es das Enzym EPSPS blockiert. Nun zeigte sich, dass dieses Enzym in Bakterien der Darmflora der Biene vorkommt. Nimmt die Biene Glyphosat auf, kommt es indirekt zu einer Schädigung ihrer Darmflora.

Glyphosat-Einsatz neu überdenken

Versuche Glyphosat weltweit zu verbieten sind gescheitert. Die neue Studie könnte nun Gründe liefern, die Nebenwirkungen neu zu bedenken. Die Forscher betonen jedoch, dass Glyphosat nicht die einzige Ursache für das Bienensterben ist. Demnach müssen weitere Faktoren, welche die Gesundheit unserer Bestäuber beeinträchtigen, untersucht werden.

Die Studie "Glyphosate perturbs the gut microbiota of honey bees" von Erick V. S. Motta, Kasie Raymanna und Nancy A. Morana von der University of Texas in Austin wurde im September 2018 im Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)" veröffentlicht.