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Bewohnbare Venus? Planeten-Atmosphäre enthält Phosphan | BR24

© picture alliance/blickwinkel

Forscher haben auf der Venus Phosphorverbindungen gefunden, eine der Voraussetzungen für Leben auf einem Planeten.

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    Bewohnbare Venus? Planeten-Atmosphäre enthält Phosphan

    Ein Forscherteam hat Phosporverbindungen in Wolken auf der Venus gefunden. Das kam für die Forscher unerwartet und ist spannend: Der Nachweis des Gases Monophosphan (PH3) wird als Zeichen für Leben auf einem Planeten gehandelt.

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    Unser nächster Nachbar- und Zwillingsplanet, die Venus, ist ein erdähnlicher Gesteinsplanet, der drittkleinste Planet im Sonnensystem und gilt als unwirtliche Region: Es gibt kein flüssiges Wasser weit und breit, die Atmosphäre besteht überwiegend aus Kohlendioxid, ist übersäuert sowie oxidiert, die Durchschnittstemperatur beträgt rund 437 Grad und der Druck ist 90-mal höher als auf der Erde. Die Venus ist zudem durch eine dichte, nie aufreißende Wolkenschicht umhüllt. Und die hat es in sich, wie ein Forscherteam aus Großbritannien, den USA und Japan herausgefunden hat. An der Wolkenoberseite, also der oberen Schicht der Atmosphäre der Venus, wurde die Phosphorverbindung PH3 nachgewiesen, in Form ihrer sogenannten Spektralsignatur. Das ist eine anormale, bisher nicht erklärbare chemische Eigenschaft auf unserem Zwillingsplaneten.

    Über den Wolken der Venus

    Der Nachweis von PH3 auf der Venus öffnet den Raum für Spekulationen: Sind in der Atmosphäre der Venus foto- oder geochemische Prozesse am Werke, die wir noch nicht verstehen oder besteht die Möglichkeit, dass es anaerobe biologische Quellen, also Leben, auf oder eher über der Venus gibt? Und Leben heißt hier wohlgemerkt nicht Mensch, sondern eher Mikrobe. Oder ist die Venus-Atmosphäre nur potenziell bewohnbar?

    Das Forscherteam weist darauf hin, dass ihre Entdeckung kein Nachweis von Leben in der Venus-Atmosphäre ist und weitere Untersuchungen nötig sind. Eins steht jedoch fest: Das Klima über den Wolken der Venus ist lebensfreundlicher als auf dem Planeten selbst: Die Wolken können zwar Schwefelsäuretröpfchen enthalten und sind übersäuert, aber im Gegensatz zur Planetenoberfläche mit etwa 30 Grad gemäßigt temperiert. Der Druck beträgt hier 0,5 bar.

    Phosphan auf der Venus - Arbeiten im Ausschlussverfahren

    Die Forscher haben sich der Venus mit zwei Teleskopen genähert, im Juni 2017 mit dem James Clerk Maxwell Telescope (JCMT) und im März 2019 mit dem Atacama Large Millimetre/submillimetre Array (ALMA). Im Ausschlussverfahren wurde untersucht, woher die Phosphorverbindungen über der Venus stammen könnten. Ausgeschlossen werden konnten übliche Verdächtige wie Wasserstoffquellen, aktive vulkanische Hotspots, Blitze, Meteoriten oder der Einschlag eines mächtigen Asteroiden. Auch mögliche Phosphor-Einträge der sowjetischen Forschungsmissionen Vega 1 (1984) und 2 (1986) können nicht der Grund für die gefundene Menge an 20 Teilen pro Milliarde Phosphan in der Venus-Atmosphäre sein. Der Blick zur Venus bleibt also spannend. Die Studie wurde am 14. September 2020 im Fachmagazin "Nature Astronomy" veröffentlicht.

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