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Bessere Luft dank Corona-Ausgangsbeschränkungen? | BR24

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Seit 21. März sollen wir wenn möglich zuhause bleiben - entsprechend weniger Verkehr ist auf den Straßen. Also sollte doch auch die Luft viel sauberer sein? Die Messungen der letzten Wochen sind aber gar nicht so eindeutig.

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Bessere Luft dank Corona-Ausgangsbeschränkungen?

Seit 21. März 2020 sollen die Menschen in Bayern wenn möglich zuhause bleiben. Entsprechend weniger Verkehr ist auf den Straßen. Daher sollte eigentlich auch die Luft viel sauberer sein. Die Messungen der letzten Wochen sind aber nicht eindeutig.

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Von
  • Renate Ell

Wir sollen zuhause bleiben - also sind weniger Autos auf den Straßen unterwegs, also ist die Luft besser - sollte man meinen. Aber wenn man die Daten von Messstationen an stark befahrenen Straßen in München und Nürnberg sieht, ist die Sache nicht mehr ganz so eindeutig.

Rückgang in der ersten Woche

Die Stickoxid-Konzentration in der Luft ist am ersten Wochenende mit Ausgangsbeschränkungen plötzlich stark gesunken, und auch in der ersten Woche blieben die Werte niedrig. Aber danach sieht es nicht viel anders aus als vor einem Jahr. Viel auf und ab von Tag zu Tag gibt es immer. Noch fehlt der große Überblick, sagt Claus Kumutat, Präsident des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU). Seine Behörde wertet die Daten der Messstationen aus.

"Es ist zunächst zurückgegangen, aber wir trauen uns erst eine echte Aussage, wie stark wir einen rückläufigen Trend haben, wenn wir das ganze Jahr betrachtet haben." Claus Kumutat, Bayerisches Landesamt für Umwelt

Erhebungen fehlen noch

Außerdem müssen auch die Daten aus Verkehrszählungen vorliegen, die zeigen, wie viele Pkw oder Lkw an der Messstelle vorbeigefahren sind.

"Was die niemals sagen werden, ob jetzt mehr E-Fahrzeuge gefahren sind oder mehr Dieselfahrzeuge, alte Dieselfahrzeuge oder neue Dieselfahrzeuge. Aber so eine generelle Richtung kriegen wir zumindest mit: War es mehr Pkw-Verkehr, war es Lkw-Verkehr und vor allem auch die Anzahl der Fahrzeuge." Claus Kumutat, Bayerisches Landesamt für Umwelt

Feinstaub kommt nicht nur vom Straßenverkehr

Dann wird sich auch zeigen, ob die Stickoxide in den Innenstädten vielleicht von Lieferdiensten oder Lkw mit Supermarkt-Nachschub stammen. Weitab vom dichten Stadtverkehr, an der Messstation im oberbayerischen Andechs, hat sich ohnehin nichts geändert: Die Stickoxid-Konzentration ist unverändert niedrig. Anders sieht es beim Feinstaub aus: Da bewegen sich Stadt- und Land-Messkurven im selben Muster. Zum Feinstaub trägt allerdings der Straßenverkehr auch an stark befahrenen Straßen maximal 30 Prozent bei, denn Feinstaub hat viele Quellen.

"(Das sind) gerade in bewohnten Gebieten die Holzheizungen, auch zunehmend in städtischen Regionen. Dazu kommen ganz allgemein Verbrennungsprozesse in Kraftwerken. Dann haben wir verschiedene Industrieprozesse. Dazu zählt zum Beispiel auch ganz maßgeblich, wenn Erde, Schotter und ähnliche Dinge bewegt werden. Da wird relativ viel Feinstaub freigesetzt." Marcel Langner, Leiter des Fachgebiets 'Grundsatzfragen der Luftreinhaltung' am Umweltbundesamt.

Außerdem gibt es auch Feinstaub, der erst in der Atmosphäre entsteht. Zum Beispiel aus winzigen Ammoniak-Tröpfchen, die zu 95 Prozent aus der Landwirtschaft kommen, oder auch aus Pflanzenfasern oder Pollenkörnern, die zerbrechen. Auch das Wetter spielt eine große Rolle.

"Trockenes Wetter bedeutet in der Regel immer höhere Feinstaubbelastung, weil durch Regen sehr viel Feinstaub aus der Atmosphäre ausgewaschen wird." Marcel Langner, Umweltbundesamt

Zusammensetzung des Feinstaubs hat sich geändert

Ende März wurde auch noch Saharastaub nach Deutschland geblasen. Das ist ist in den Messkurven als deutlicher Ausschlag nach oben erkennbar. Ausgangsbeschränkungen haben also auf die meisten Feinstaub-Quellen keinen Einfluss. Andererseits lohnt es sich, gerade beim Verkehr genauer hinzuschauen. Bei den üblichen Messungen wird nämlich nur das Gesamtgewicht des Staubs pro Kubikmeter Luft bestimmt. Untersuchungen zum Effekt von Umweltzonen in Großstädten zeigen allerdings, dass sich der Staub anders zusammensetzt, wenn weniger Autos und Lkw unterwegs sind.

"Beim Ruß hatte man durchaus noch einen Effekt gesehen. Das war bei den so genannten Ultrafeinpartikeln, die so klein sind, dass sie bei der Massen-Bestimmungen eigentlich im wahrsten Sinne des Wortes nicht ins Gewicht fallen. Sie haben aber dennoch unter Umständen eine sehr hohe Toxizität, weil sie sehr tief die Lunge eindringen können. Auf der anderen Seite ist gerade der Ruß ein Bestandteil des Feinstaubes, der wahrscheinlich besonders gesundheitsschädigend ist." Marcel Langner, Umweltbundesamt

Für Ruß und Ultrafeinpartikel ist der Straßenverkehr die wesentliche Quelle. Das bedeutet: Auch wenn die schiere Masse des Feinstaubs vielleicht nicht so stark zurückgegangen ist, seine Zusammensetzung dürfte weniger gesundheitsschädlich sein. Ob die Luft hierzulande tatsächlich durch einen Corona-Effekt sauberer wird und wie sich das vielleicht auch auf unsere Gesundheit auswirkt, wird sich erst zeigen, wenn alle Daten über einen längeren Zeitraum vorliegen. Entsprechende Studien werden schon vorbereitet.

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