Weißer Teller mit ca. 8 Walnüssen und 21 Haselnüssen, daneben Nussschalen und ein Nussknacker
Bildrechte: BR / Ursula Klement

So viel Nüsse sollte man täglich essen: 50 Gramm heimische Wal- und Haselnüsse

Per Mail sharen
Artikel mit Audio-InhaltenAudiobeitrag

Bayern statt Kalifornien: Einheimische Nüsse sind Mangelware

Alleskönner Nüsse: Sie sind gesund, nachhaltig und sie wachsen bei uns. Trotzdem gibt es gegenwärtig viel zu wenig Nüsse aus heimischem Anbau. Dabei pflanzen immer mehr Landwirte Haselnusssträucher und Walnussbäume. Schaffen wir so die Nusswende?

Über dieses Thema berichtete Notizbuch am .

15 Gramm Nüsse pro Kopf und Tag. Der Durchschnittsverzehr an Nüssen in Deutschland ist zu niedrig. Das sagen Ernährungsphysiologen und Ökologen. Denn mehr Nüsse zu essen, sei gesund und nachhaltig. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt täglich 35 Gramm Nüsse. Die sogenannte "Planetary Health Diet", also einem klima- und ressourcenschonenden Speiseplan, legt noch eine Schippe drauf und sieht 50 Gramm Nüsse pro Kopf und Tag vor. Doch woher kriegen wir doppelt bzw. drei Mal so viel Nüsse?

Viele Nüsse aus Übersee

Die Erdnüsse haben die Nase vorn, der Durchschnittsbürger isst 1,4 Kilogramm davon im Jahr. Dann folgen Mandeln (1 Kilogramm), Haselnüsse (500 Gramm), Pistazien und Walnüsse (400 Gramm). Die Erdnüsse kommen vor allem aus Argentinien, die Mandeln und Walnüsse aus den USA und die Haselnüsse aus der Türkei. Deutschland hat im Wirtschaftsjahr 2020/2021 über 400.000 Tonnen Schalenfrüchte importiert. Schalenfrüchte – nicht Nüsse?

Weil zum Beispiel Mandeln, Pistazien, Paranüsse und Cashewkerne aus botanischer Sicht gar nicht zu den Nüssen zählen, sondern zu den Stein- bzw. Kapselfrüchten, wird das, was man gemeinhin Nüsse nennt, auch als Schalenfrüchte bezeichnet.

Nuss-Import schlecht für die Umwelt

Mandeln und Walnüsse aus Kalifornien, Erdnüsse aus Südamerika und Cashew-Kerne von der Elfenbeinküste meinen die Nachhaltigkeitsexperten sicher nicht, wenn sie raten, mehr Nüsse auf den Speiseplan zu setzen. Denn der Nussanbau in Kalifornien verschärft die verheerende Wasserknappheit dort drastisch und die Erdnüsse aus Südamerika und die Cashews aus Afrika haben zumindest einen langen Weg hinter sich, bis sie bei uns landen.

Innere Werte: Heimische Hasel- und Walnüsse können mithalten

Hierzulande wachsen Wal- und Haselnüsse. Wenn die Nüsse aus der Region kommen, sind die Transportwege kurz und die Lieferketten robust. Doch können die einheimischen Nüsse ernährungsphysiologisch mit Erdnüssen, Mandeln, Cashew und Pekannüssen mithalten? "Auf alle Fälle" meint Rita Kranefeld vom Kompetenzzentrum Ernährung in Kulmbach. Hat die Haselnuss doch den höchsten Gehalt an Calcium, Walnüsse sind Spitzenreiter bei den ungesättigten Fettsäuren.

Der Verzehr von Wal- und Haselnüssen senkt Untersuchungen zufolge wahrscheinlich das Risiko für coronare Herzkrankheiten. Alle Nüsse enthalten relativ viel Eiweiß und wertvolle Fette. Das Vitamin E in Walnüssen wirkt gegen Arterienverkalkung und die Walnuss-Fettsäuren haben im Tierversuch das Gedächtnis von alternden Ratten positiv beeinflusst.

Mangelware Nüsse aus der Region

Auch wenn wir derzeit nur halb so viel Nüsse essen wie empfohlen wird – Nüsse aus einheimischem Anbau sind jetzt schon knapp. Annika Kuen von der Allgäuer Ölmühle in Kempten zum Beispiel sucht bisher vergeblich Bio-Nüsse aus heimischem Anbau. "Unser Wunschtraum wäre, dass man das aus Deutschland oder sogar aus Bayern herkriegt."

Immer mehr neue Nussbäume

In den letzten Jahren sind etliche bayerische Landwirte in den Nussanbau eingestiegen. Inzwischen wachsen auf über 300 Hektar Haselnüsse und auf knapp 100 Hektar Walnüsse. Doch gerade bei den Walnüssen sind erst wenige Bäume so weit, dass sie schon tragen. Matthias Maile aus Greding im Landkreis Roth gehört zu den Nuss-Pionieren. Er hat heuer die ersten sage und schreibe zwei Walnüsse geerntet – insgesamt 300 Walnussbäume hat er in den letzten Jahren gepflanzt. Außerdem zum Beispiel Königsnüsse und Herznüsse, lauter Walnussverwandte und auch Pekannüsse, die vergleichsweise viel Wasser brauchen.

Nussanbau auch wirtschaftlich nachhaltig?

Ob die unter bayerischen Bedingungen, womöglich sogar noch in naturnahen Streuobstbeständen, erzeugten Walnüsse preislich mit kalifornischen oder den französischen Bionüssen mithalten können? "Das wird sich zeigen". Denn, so Nebenerwerbslandwirt Matthias Maile: Die in den letzten Jahren gepflanzten Nussbäume tragen erst in ein paar Jahren. Und noch weiß niemand, welchen Preis die Landwirte dann für ihre Nüsse bekommen werden. Ob größere Verarbeiter Nüsse aus Deutschland auch zu einem Preis kaufen, der den Erzeugern ein ausreichendes Einkommen ermöglichen wird.

Wanzen, Frost und Dürre: Nussanbau ist eine harte Nuss

"Als wir angefangen haben, hieß es immer, mach Dir Gedanken um die Vermarktung, bevor Du die Nüsse anpflanzt." erzählt Biolandwirt Martin Stiegler. Er baut in Gonnersdorf bei Cadolzburg im Landkreis Fürth seit 15 Jahren Haselnüsse an. Doch die Vermarktung läuft wie geschmiert, Stieglers könnten viel mehr Haselnüsse verkaufen als sie ernten. Der Anbau selbst stellt die Landwirte allerdings vor immer neue Probleme. Heuer haben Wanzen die Haselnüsse befallen und den Ertrag beeinträchtigt, vor fünf Jahren hat der Frost zu großen Schäden geführt. Martin Stiegler hat den Eindruck, dass die Haselnusssträucher zu wenig vital sind: "Im Zeichen des Klimawandels hat sich in den letzten drei, vier fünf Jahren so viel massiv verschoben, dass wir mittlerweile Probleme beim Anbau haben, die man vor 15 Jahren noch gar nicht auf dem Schirm gehabt hat". Deswegen sollten staatliche Stellen Forschungsprojekte fördern und in die Beratung intensivieren, so das Fazit des Haselnussbauern aus Cadolzburg.

Winterhäuser Nussknacker

Bis der erwerbsmäßige Anbau läuft wie geschmiert, könnte man die bisher ungenutzten Nussquellen erschließen. Und sich ein Beispiel nehmen an den Winterhäuser Nussknackern. In Winterhausen im Landkreis Würzburg sammeln und knacken Ehrenamtliche seit zehn Jahren Walnüsse. Die Nüsse werden auf dem Weihnachtsmarkt unter anderem als Öl, Pesto oder pur verkauft – für einen guten Zweck. Und mit hohen Qualitätsansprüchen. Die Nüsse werden täglich gesammelt, sofort getrocknet und dann noch nach dem 4-Augen-Prinzip auf Schimmel kontrolliert. Anne-Marie Kleinschnitz, eine der Winterhäuser Walnussknackerinnen sagt, sie lässt beim Sammeln die schmutzigen und schwarzen Nüsse liegen oder sortiert sie gleich weg, "weil wir uns halt hinterher die Arbeit damit erleichtern".

Nussknacken als Breitensport

20 und mehr Knacker treffen sich von Mitte Oktober bis Ende November bis zu drei Mal in der Woche – jeder mit seinem Werkzeug. Und am Schluss wird gewogen: 100 bis 170 Kilo Walnusskerne knacken die Winterhäuserinnen und Winterhäuser jedes Jahr. Maria Maack hat die Geschichte vor zehn Jahren ins Rollen gebracht hat. "Wir haben die Idee, dass einfach viele Leute viele Nüsse knacken können, das funktioniert sicher auch in anderen Dörfern". Zusammen Nussknacken fördere die Gemeinschaft und hinterher sehe man jedes Mal einen Erfolg.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!