Mastschweine auf Spaltenboden.
Bildrechte: BR/Rebecca Reinhard

Spaltenboden und 0,87 Quadratmeter pro Tier wird im neuen Tierhaltungskennzeichen die Stufe 1 bilden.

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Bauern und Tierschützer kritisieren das Tierhaltungskennzeichen

Nun kommt es doch: das staatliche Tierhaltungskennzeichen. Der Bundestag hat dem zugrundeliegenden Gesetz zugestimmt. Zufrieden mit dem Ergebnis sind die wenigsten. Bauern und Tierschützer sind einig in der Ablehnung.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Im Grunde wäre gar kein Kennzeichen besser als dieses. Das findet Wolfgang Teifelhart, Schweinemäster und Kreisobmann des Bauernverbandes im Landkreis Aichach-Friedberg.

Das Fleisch seiner Tiere wird künftig mit dem staatlichen Kennzeichen versehen. Und zwar mit der untersten Kategorie: Stallhaltung. Denn seine 2.500 Mastschweine stehen auf Spaltenboden. Platzangebot pro Tier: 0.87 Quadratmeter.

Doch die Tiere seien gesund und ihr Fleisch ein regionales Produkt – von der Ferkelaufzucht bis zur Vermarktung, sagt Teifelhart. Dieses Engagement sieht er mit dem neuen Kennzeichen von der Regierung nicht gewürdigt.

Darum geht es

Das vom Bundeslandwirtschaftminister Özdemir geplante Tierhaltungskennzeichen berücksichtigt tatsächlich nur die Haltungsform von Mastschweinen. Es gibt fünf Kategorien: Stall, Stall und Platz, Frischluftstall, Auslauf/Weide und Bio. Maßgeblich für die Kategorisierung ist hier vor allem das Platzangebot pro Tier im Vergleich zum gesetzlichen Mindeststandard – und ob die Tiere Zugang zu Frischluft haben.

Nicht berücksichtigt wird die Haltungsform von Ferkeln und Zuchtsauen. Aktuell sollen nur Frischfleischprodukte vom Schwein mit dem Kennzeichen versehen werden. Gastronomie, Wurstwaren und andere Tierarten wie Geflügel und Rind sollen noch in diesem Jahr folgen, sind aktuell aber von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen.

Das kritisiert der Bauernverband

Tierwohl rein auf die Haltungsform zu reduzieren sei ungerecht. Das meint Schweinemäster Wolfgang Teifelhart. Besser gefunden hätte er ein Kennzeichen, das anzeigt, von wo die Tiere kommen.

Das fordert auch der bayerische Bauernverband. Er kritisiert vor allem, dass verarbeitete Ware, zum Beispiel Wurst, und Ware aus dem Ausland generell nicht gekennzeichnet werden muss.

Dies habe einen Wettbewerbsnachteil für deutsche Schweinebauern zur Folge. Mehr noch: "Das, was aus Berlin kommt, ist der Abbau der Tierhaltung in Deutschland", so Teifelhart. Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, bezeichnete die Kennzeichnung in dieser Form auf Twitter als "nicht glaubwürdig".

Zusätzlich befürchten Bauern nun noch mehr Papierkram im Stall: Viele von ihnen nehmen bereits an freiwilligen Kennzeichnungen wie "Initiative Tierwohl" oder "Geprüfte Qualität Bayern" teil. Ein weiteres Kennzeichen stifte Verwirrung.

Das kritisieren Tierschutzorganisationen

Auch Tierschützer kritisieren das neue Gesetz. Der Deutsche Tierschutzbund spricht von "enormen Schwächen", etwa weil Transport und Schlachtung keine Rolle bei der Klassifizierung spielen. Außerdem werde lediglich der Status Quo festgehalten, indem das Kennzeichen transparent mache, wie ein Tier gehalten wurde. Was fehle, so der Tierschutzbund, sei ein verlässlicher Anreiz für Landwirte, auf höhere Tierwohlstufen umzusteigen. Der Tierschutz werde durch das Vorhaben also nicht verbessert, so Thomas Schröder, der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes im BR.

Zwar sollen in einem weiteren, auch heute beschlossenen Gesetz, Umbaumaßnahmen für Ställe vereinfacht werden. Doch ein schlüssiges Finanzierungskonzept zum Stallumbau fehle bisher.

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