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Baderegeln: Sicher Schwimmen und Plantschen im Wasser

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Badeunfälle vermeiden: So kommen Sie sicher durch die Badesaison

Sommer, Hitze, Baden - klingt nach einem perfekten Tag draußen. Doch gerade das Schwimmen und Plantschen im Fluss, See, Weiher oder Meer kann gefährlich sein. Diese einfachen Baderegeln sollten Sie kennen.

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Von
  • Marlene Riederer

Jeden Sommer wird das Badevergnügen getrübt - von den Meldungen über tödliche Badeunfälle. Viele verbringen ihre Freizeit gerne draußen und am Wasser - an Seen, Weihern, Flüssen oder am Meer. Dass das Schwimmen und Plantschen manchmal tödlich endet, dahinter können ganz verschiedene Ursachen stecken - zum Beispiel missachtete Baderegeln, ignorierte Gefahren, schlechte Schwimmfertigkeit, gesundheitliche Probleme, oft kommen Alkohol, Leichtsinn und Selbstüberschätzung dazu.

So viele Badeunfälle gab es 2020 in Deutschland

Im vergangenen Jahr sind laut der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in Deutschland mindestens 378 Menschen ertrunken. Davon kamen mindestens 335 Personen, rund 88 Prozent der Opfer, in Binnengewässern um. "Flüsse und Seen sind nach wie vor die größten Gefahrenquellen. Nur vergleichsweise wenige Gewässerstellen werden von Rettungsschwimmern bewacht. Das Risiko, dort zu ertrinken, ist deshalb um ein Vielfaches höher als an Küsten oder in Schwimmbädern", erklärt Achim Haag, DLRG-Präsident. Am häufigsten (79 Menschen) kamen Menschen beim Baden in Bayern ums Leben: "In Bayern gibt es sehr schöne Seen, viele Seen und aufgrund der schönen Landschaft auch viele Touristen. Die Seen in Bayern sind oft nicht bewacht und dort gibt es viele Ertrinkungstote", erklärt DLRG-Sprecher Armin Wiese.

Kinder lernen nicht mehr Schwimmen

Betroffen sind immer wieder Kinder und junge Menschen. 2020 starben in Deutschland 18 Kinder im Vorschul- und fünf Kinder im Grundschulalter im Wasser. "Kinder haben heute nicht mehr überall und flächendeckend die Möglichkeit, schwimmen zu lernen", sagt DLRG-Präsident Achim Haag. "Viele Grundschulen haben Wege bis zum nächsten Schwimmbad, die mit keiner Unterrichtsplanung zu vereinbaren sind". Außerdem würden Bäder aus Kostengründen geschlossen. Während der Corona-Pandemie blieben generell viele Schwimmbäder zu, Schwimmkurse und Schwimmunterricht vielen häufig aus. "Der Nichtschwimmeranteil in Deutschland wird dadurch erheblich vergrößert", sagt DLRG-Sprecher Wiese. "Das Jahr 2020 war für die Schwimmausbildung ein verlorenes Jahr", beklagt auch DLRG-Präsident Haag.

Nach Schätzungen der Lebensretter konnten im vergangenen Jahr in Deutschland eine Million Kinder nicht zu sicheren Schwimmern ausgebildet werden. Als sicherer Schwimmer gilt, wer das Schwimmabzeichen in Bronze abgelegt hat. Mehr als jeder zweite Grundschulabsolvent sei inzwischen kein sicherer Schwimmer mehr. Ende der 1980er-Jahre erreichten noch mehr als 90 Prozent der Kinder bis zum Abschluss der vierten Klasse das Jugendschwimmabzeichen in Bronze.

Bei kleinen Kindern Aufsichtspflicht nicht vernachlässigen

Kleine Kinder sind noch nicht in der Lage, die gesamte Tragweite ihres Handelns zu überdenken und können schon in einer Pfütze ertrinken. Kinder verunglücken oft dann, wenn die Eltern nicht hinschauen. "Die Gefahren für Kinder und insbesondere solche ohne jegliche Schwimmfertigkeiten werden leider viel zu oft unterschätzt. Es genügen wenige Sekunden der Unaufmerksamkeit, die verheerende Folgen haben können. Das haben uns in den vergangenen Jahren einige - allzu oft - tragische Ereignisse leider bestätigt", sagt DLRG-Pressesprecher Achim Wiese. Die Lebensretter appellieren an die Aufmerksamkeit und Aufsichtspflicht der Eltern: "Bleiben Sie bei Ihrem Kind! Das Handy kann warten."

Schwimmhilfen sind kein zuverlässiger Schutz

Eltern sind am Wasser jede Sekunde gefordert und zu 100 Prozent verantwortlich - übrigens auch im Schwimmbad, in dem es Aufsichtspersonal gibt, oder am bewachten Meeresstrand. Schwimmhilfen wie Schwimmflügel oder Schwimmgürtel bieten keinen Schutz vor dem Ertrinken, sie können zum Beispiel undicht sein und Luft verlieren. Nichtschwimmer sollten deshalb immer in Armreichweite beaufsichtigt werden, auch beim Tragen von Auftriebshilfen. Kinder sollten möglichst früh mit Wasser vertraut werden. Die DLRG weist darauf hin, dass Kinder ab fünf Jahren schwimmen lernen können, aber schon vorher damit vertraut werden sollten, wie sie sich am und im Wasser sicher verhalten. Auch Kinder müssen bereits wissen, was beim Baden und Plantschen erlaubt und verboten ist.

Wann Kinder wassersicher sind

Die DLRG weist darauf hin, dass Kinder erst dann richtig wassersicher sind, wenn sie ...

  • sich unter Wasser genauso gut zurecht finden wie über Wasser,
  • fünfzehn Minuten ohne Halt und Hilfen in tiefem Wasser schwimmen können,
  • auf dem Rücken genauso gut schwimmen wie auf dem Bauch,
  • mehrere Sprünge beherrschen,
  • Wasser schlucken und deswegen nicht anhalten müssen.

Besondere Vorsicht gilt in Binnengewässern!

Die Unfallschwerpunkte liegen in den Binnengewässern - in Flüssen, Seen, Weihern, Teichen und Kanälen. Dort gibt es oft keine Rettungsschwimmer. Wer dort baden geht, muss mehr auf sich selbst aufpassen als im Schwimmbad. Deshalb sollte man, falls vorhanden, die Badestellen Beflaggung beachten und sich an ein paar einfache Baderegeln halten:

Schwimmen in Flüssen

In Flüssen sollte nur schwimmen, wer fit und gesund ist, denn dort lauern viele Gefahren: überraschende Untiefen und Brückenpfeiler, die die Strömung verändern und dadurch Sogwirkungen auslösen können. In Flüssen muss man auch immer wieder mit Treibgut wie Ästen rechnen und Unterwasserhindernissen wie entsorgten Fahrrädern. In Flüssen mit Gezeitenströmung verstärkt diese die ohnehin bestehenden Flussströmungen noch zusätzlich. Bleiben Sie außerdem nicht zu lange im Wasser, denn Flüsse erwärmen sich nie so stark wie Seen.

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Video: Noch immer gibt es in Bayern deutlich mehr Badeunfälle als im Bundesdurchschnitt. Häufigster Ort sind Weiher und Seen, aber auch in Flüssen ertrinken viele Menschen. Darf in jedem Fluss gebadet werden? Welche Gefahren lauern dort?

Schwimmen im Meer

Wenn Sie die Möglichkeit haben, suchen sie sich einen Platz aus, der von Rettungsschwimmern überwacht wird. Unbewachte Badestellen im Meer bergen ein erhöhtes Unfall-Risiko.

Wer überhitzt am Meer ankommt, sollte sich erst einmal ausruhen, bevor er sich in die Fluten stürzt. Beachten Sie die Beschilderung vor Ort oder erkundigen Sie sich bei Rettungsschwimmern, Einheimischen, dem Hotelpersonal oder dem Reiseleiter, welche Gefahren am Strand zu erwarten sind.

Baderegeln retten Leben

Baderegeln muss man befolgen, denn tut man es nicht, kann es schnell lebensbedrohlich werden. Wer bei Gewitter schwimmt, schwebt in Lebensgefahr: Ein Blitz sucht sich für einen Einschlag immer den höchsten Punkt - und das ist in einem Schwimmbecken oder im See zweifelsohne der Kopf eines Schwimmers.

Auch wenn Schwimmer mit vollem Magen ins Wasser gehen, kann das böse enden. Im günstigsten Fall ruft das Schwimmen mit gefülltem Bauch Unwohlsein und Seitenstechen hervor, im schlimmsten aber führt es zu Erbrechen und einem Kreislaufzusammenbruch. Im Wasser kann Bewusstlosigkeit, wenn kein Helfer in der Nähe ist, den Tod durch Ertrinken bedeuten. Auch wer erhitzt ins kalte Wasser springt, mutet seinem Körper starken Stress durch den Temperaturunterschied zu - die Folge können erhebliche Kreislaufschwierigkeiten sein. Die Baderegel "vor dem Schwimmen abkühlen" ist also durchaus sinnvoll.

Allgemeine Baderegeln

  • Kühlen Sie sich ab, bevor Sie ins Wasser gehen.
  • Verlassen Sie das Wasser sofort, wenn Sie frieren.
  • Gehen Sie nur zum Baden, wenn Sie sich wohl fühlen.
  • Springen Sie nur ins Wasser, wenn es tief genug und frei ist.
  • Überschätzen Sie Ihre Kraft und Ihr Können nicht.
  • Rufen Sie nie um Hilfe, wenn Sie nicht wirklich in Gefahr sind, aber helfen Sie anderen, wenn sie Hilfe brauchen.
  • Luftmatratze, Autoschlauch und Gummitiere bieten keine Sicherheit.
  • Baden Sie nicht dort, wo Schiffe und Boote fahren.
  • Tauchen Sie andere nicht unter!
  • Bei Gewitter ist Baden lebensgefährlich. Verlassen Sie das Wasser sofort.
  • Gefährden Sie niemanden durch einen Sprung ins Wasser.
  • Gehen Sie niemals mit vollem oder ganz leerem Magen baden.
  • Halten Sie das Wasser und seine Umgebung sauber, Abfälle gehören in den Mülleimer.

Quelle: Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG)

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