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Ein autonomes Fahrzeug trägt die Verantwortung für Insassen und andere Verkehrsteilnehmer.
© picture alliance / Hauke-Christian Dittrich
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Ein autonomes Fahrzeug trägt die Verantwortung für Insassen und andere Verkehrsteilnehmer.

Die Internet-Umfrage mit dem Titel "Moral Machine" konfrontierte die Teilnehmer mit Fallbeispielen wie diesem: Bei einem autonomen Fahrzeug versagen die Bremsen. Die Befragten mussten sich entscheiden, ob drei ältere Menschen, die bei Rot über die Straße gehen, überfahren werden sollen, oder ob der Wagen gegen eine Betonwand gelenkt werden soll. Dies hätte den Tod der Insassen, darunter ein Junge, zur Folge. Insgesamt mussten die Teilnehmer neun Entscheidungen in unterschiedlichen Situationen treffen, darunter: Fahrzeuginsassen oder Fußgänger, Männer oder Frauen, Jüngere oder Ältere, Sportliche oder Unsportliche, Menschen mit höherem oder niedrigerem sozialen Status. Die Befragten standen also vor einem Dilemma, einer Zwickmühle, bei der beide Wahlmöglichkeiten zu einem negativen Ergebnis führen.

Akzeptanz autonomer Fahrzeuge

Die Umfrage war Teil einer Studie von Forschern um Iyad Rahwan vom Massachusetts Institute of Technology in den USA. Sie begründen ihre Untersuchung damit, dass die gestellten Fragen bedeutsam für die Akzeptanz autonomer Fahrzeuge in der Bevölkerung seien.

"Selbst wenn sich die Ethiker einig wären, wie autonome Fahrzeuge moralische Dilemmata lösen sollten, wäre ihre Arbeit nutzlos, wenn die Bürger ihrer Lösung nicht zustimmen würden." Iyad Rahwan, Massachusetts Institute of Technology

Viele Menschen in aller Welt beteiligten sich an der Umfrage. Die Forscher konnten daher fast 40 Millionen Entscheidungen in Dilemma-Situationen analysieren. Die Auswertung ergab, dass die Mehrheit eher Kinder als Ältere verschonen würde sowie eher Menschen als Tieren ausweichen. Das Ergebnis weist allerdings größere kulturelle Unterschiede auf. Das schreiben die Forscher in einem Artikel, der im Oktober 2018 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurde.

Asiaten entscheiden weniger nach Alter

Bei der Auswertung nach Ländern ergaben sich drei große Gruppen, sogenannte Cluster: ein westliches, ein östliches und ein südliches. Die Entscheidungen in vielen asiatischen Ländern, die zum östlichen Cluster zählen, weichen von den anderen Gruppen ab: Sie würden nicht die jüngeren Menschen verschonen. Stattdessen gilt in diesen Ländern der Respekt vor den älteren Mitgliedern der Gemeinschaft. Das südliche Cluster (Mittel- und Südamerika) unterscheidet sich vom westlichen Cluster (Europa, Nordamerika) unter anderem dadurch, dass die Mittel- und Südamerikaner sehr viel öfter eingreifen würden als auf das Lenken zu verzichten.

Ethik-Kommission hat andere Werte

Die Ergebnisse der "Moral Machine"-Umfrage weichen teilweise von den Regeln ab, die die deutsche Ethik-Kommission in ihrem Bericht "Autonomes und vernetztes Fahren" im Juni 2017 niedergelegt hat. Dort heißt es etwa in Regel neun: "Bei unausweichlichen Unfallsituationen ist jede Qualifizierung nach persönlichen Merkmalen (Alter, Geschlecht, körperliche oder geistige Konstitution) strikt untersagt. (…) Die an der Erzeugung von Mobilitätsrisiken Beteiligten dürfen Unbeteiligte nicht opfern." Den Ergebnissen der Studie zufolge hat jedoch ein Großteil der Befragten weltweit andere moralische Vorstellungen.

Dilemma-Situationen gab es schon früher

Die Rechtswissenschaftlerin Silja Vöneky von der Universität Freiburg findet das Ziel der Autoren grundsätzlich richtig, eine Debatte über die "ethische Programmierung" von selbstfahrenden Autos anzustoßen, bevor diese auf den Straßen fahren.

"Wir sollten aber nicht glauben, dass wir alle Normen und Prinzipien neu erfinden oder ändern müssen, nur weil es um eine neue Technik geht." Silja Vöneky, Professorin für Völkerrecht, Rechtsethik und Rechtsvergleichung

Dilemma-Situationen habe es schon vorher gegeben und mit den Menschenrechten existierten bereits rechtlich bindende ethische Prinzipien. Armin Grunwald vom Karlsruher Institut für Technologie warnt darüber hinaus vor den Schlussfolgerungen der Studie.

"Weder aus Spielen noch aus Umfragen kann etwas über die ethische Zulässigkeit von Normen gelernt werden. Ansonsten könnte nach jedem schweren Verbrechen eine Umfrage gemacht werden, die mit ziemlicher Sicherheit für die Einführung der Todesstrafe ausgehen würde." Armin Grunwald, Karlsruher Institut für Technologie

Autonomes Fahren

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