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Klimaschutz ist eine "anstrengende Arbeit", aber enorm wichtig, findet die Aktivistin Sarah Hadj Ammar.

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Ausgebrannt: Wenn die Sorge um das Klima krank macht

Sarah ist Klimaaktivistin. Schon als Kind hat sie ihre Mutter mit auf Demos genommen. Mit elf Jahren hält sie selber schon Vorträge. Für den Umweltschutz brennt sie so sehr, dass sie dafür fast ihre Gesundheit aufs Spiel gesetzt hätte.

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Klimaschutz ist eine "anstrengende Arbeit", aber enorm wichtig, findet die Aktivistin Sarah Hadj Ammar.

Sich für "unseren Planeten engagieren", das ist Sarah Hadj Ammars Mission. Ihre Mutter hat sie bereits als Kind für "Plant-for-the-Planet“"begeistert. Dort können schon Kinder für den Klimaschutz aktiv sein und Sarah geht darin auf: Einmal organisiert sie eine eigene Pflanzaktion auf dem Feld eines Nachbarn: "Ich habe andere Kinder eingeladen und wir haben Bäume gepflanzt", erinnert sie sich. Doch mit ihrem Engagement stößt sie immer wieder an Grenzen: "Aus der Politik, aus der Wirtschaft, aber auch von Menschen aus meinem Umfeld, denen das nicht so wichtig ist", sagt Sarah Hadj Ammar. Klimaschutz ist eine "anstrengende Arbeit", aber enorm wichtig, findet sie.

Jesuitenpater klebt sich auf dem Asphalt fest

Auch der Jesuitenpater Jörg Alt brennt für den Klimaschutz. Bei einer Protestaktion in Nürnberg klebte er sich mit anderen Klimaschützern auf dem Asphalt fest. Neben seinem Aktivisten-Dasein ist er vor allem aber Seelsorger für Studenten an der Katholischen Hochschulgemeinde in Nürnberg. "Wenn junge Menschen so viel Radikalität und Entschiedenheit dort hineinlegen, dann ist das irgendwie komisch, wenn ich am Rand stehe, für sie bete und sie segne", findet Jörg Alt.

"Wenn mir irgendjemand etwas sagen kann, was besser wirkt und nicht schon 40 Jahre lang vergeblich versucht worden ist, dann mach ich das. Aber mir fällt eben nichts Besseres ein, um Gesellschaft, Politik und Kirche zu alarmieren, als mich mit zivilem Ungehorsam gegen das 'Fossile weiter so' zu stellen, und zu sagen: So kann es nicht weitergehen, weil wir krachen gegen die Wand." Jörg Alt, Jesuitenpater und Klimaaktivist

Klimaschutz bis zum Burnout

Aktivist sein, sich fürs Klima engagieren, kann für junge Menschen sehr anstrengend sein. Auch für Sarah gibt es lange kein anderes Thema als Klimaschutz. Sie ist Mitautorin eins Buches, ist ständig auf Vorträgen unterwegs. Im Sommer 2021 nimmt sie sich eine Auszeit bei ihrer Oma Renate Wacker. Die kann das Anliegen ihrer Enkelin gut verstehen: "Natürlich denke ich mir manchmal, sie steigert sich rein, wobei das Ziel ja äußerst wichtig ist, da kann man sich wahrscheinlich gar nicht genug hineinsteigern", so Renate Wacker. "Irgendwo bin ich ihr total dankbar, weil ich das nicht so könnte. Wenn es nicht Leute gibt wie die Sarah, wer treibt die Gesellschaft dann voran?" Die Gesellschaft für den Klimaschutz in die Verantwortung zu nehmen ist offenbar eine fordernde Aufgabe für einen jungen Menschen. Vielleicht auch zu groß. Sarah kommt an ihre Grenzen. Vieles deutet auf einen Burnout hin.

"Das war dann schon krass, ich habe Angst vor dem Telefon gehabt, ich habe Albträume gehabt, ich habe mich nicht mehr getraut, meine E-Mails aufzumachen. Und auf einmal habe ich Angst gehabt, auf der Bühne zu stehen, ich habe einfach Angst gehabt, vor so vielen Dingen. Weil ich mich so intensiv ohne Ausgleich mich mit diesen negativen Dingen der Welt auseinandergesetzt habe." Klimaaktivistin Sarah Hadj Ammar

Klimaschutz: Sich engagieren aber nicht ausbrennen

Sarah hat ihr Leben geändert. Sie arbeitet in Teilzeit bei Plant-for-the-Planet, der Stiftung, für den sie schon als Kind Bäume gepflanzt hat. Dauernd "mit der Nase gegen die Wand zu laufen", das passiere ihr jetzt nicht mehr. Stattdessen konzentriert sie sich nun darauf, Kindern Gehör zu verschaffen: "Das ist spannend, das ist schön und das erfüllt mich. "Ihr Leben ist nicht mehr nur auf Klimaschutz ausgerichtet. In Wien macht sie derzeit eine Ausbildung zur Rettungssanitäterin. Sie hat ihre Einstellung geändert:

"Was ich gemacht habe war, ein bisschen zurückschrauben. Mir klarmachen, dass ich nicht alleine für das Wohl dieses Planeten zuständig bin und dass es vielleicht okay ist, andere Leute vorzuschicken und jetzt eine Pause zu machen, mich auszuruhen." Klimaaktivistin Sarah Hadj Ammar

Sarah geht es inzwischen besser, sie meditiert viel, versucht "viele positive Gedanken rauszuschicken" und sich immer bewusst zu machen, wie schön es trotz ihrer Sorgen um das Klima auf der Welt ist.

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