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Auktionen: Mein Haus, mein Auto, mein Dinosaurier-Skelett? | BR24

© picture alliance/abaca

Juni 2018: Versteigerung eines Dinosaurier-Skeletts in Paris

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    Auktionen: Mein Haus, mein Auto, mein Dinosaurier-Skelett?

    In Paris sollte ein Dinosaurier-Skelett versteigert werden. Nicht die erste - misslungene - Auktion, bei der wissenschaftlich relevante Fossilien unter den Hammer kommen! Den Zuschlag erhalten meist reiche private Sammler statt Museen.

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    In den vergangenen Jahren machten wiederholt Versteigerungen von Dinosaurier-Skeletten Schlagzeilen. Trotz öffentlichen Protests der US-amerikanischen nicht-kommerziellen Gesellschaft für Wirbeltier-Paläontologie (Society of Vertebrate Paleontology, SVP) gingen die Dino-Skelette meist für Hunderttausende und Millionen-Beträge über den Auktionstisch.

    Leisten können sich so hohe Summen nur superreiche Sammler oder Besitzer von Hotelketten oder Einkaufszentren, wo die Dino-Skelette dann wie Kunst-Objekte ausgestellt werden. Oder laut US-Presse auch Hollywood-Schauspieler wie Leonardo die Caprio und Nicolas Cage. Bei Sammlern sind besonders Raubsaurier beliebt - wegen ihrer scharfen Zähne.

    Wissen über die Erdgeschichte geht verloren

    Museen und Universitätssammlungen haben meist das Nachsehen - und damit auch die Öffentlichkeit, denn oft genug verschwinden die Dino-Skelette hinter verschlossenen Türen. Auch Wissenschaftler kommen dann meist nicht mehr an die Knochen heran, um sie zu untersuchen oder Studienergebnisse zu überprüfen. So weiß T-Rex-Spezialist Thomas Carr, ein Paläontologe am Carthage College in Kenosha im Bundesstaat Wisconsin, dass es etwa 34 T-Rex-Exemplare in Privathand gibt, wissenschaftlich untersuchen kann er sie aber nicht und beklagt, dass seine Forschung lahmgelegt ist. Das kritisiert auch die SVP - und gieriges Verhalten zum Schaden der Menschheit: "[Das Dinosaurier-Skelett] in einer privaten Auktion anzubieten, die darauf ausgelegt ist, den größtmöglichen Preis zu erreichen, ist unserer Meinung nach unethisch."

    Halbseidene Angaben bei Dino-Auktionen

    Zwar gibt es nationale und internationale Vorgaben beim Verkauf von Fossilien, doch Recht schützt vor Missbrauch nicht. So wurden beispielsweise schon Dinosaurier-Skelette als neue Art zum Verkauf angeboten, obwohl der Fossilien-Fund nicht genau von Wissenschaftlern untersucht und die Neuartigkeit bestätigt werden konnte. In einer anderen Auktion wurde versprochen, dass man einer neuen Dinosaurier-Art nach dem Kauf einen Namen geben darf. Doch für die Benennung eines fossilen Fundes gibt es klare Vorgaben, sagt die SVP.

    Dinosaurier-Skelett bei ebay sorgt für Eklat

    Für einen Aufschrei sorgte im April 2019 das Angebot eines Baby-T-Rex auf ebay - für 2,6 Millionen Euro. Der private Besitzer hatte das Skelett Ende 2017 als Ausstellungsstück an das University of Kansas Natural History Museum verliehen und für Untersuchungen freigegeben. Im April 2019 stellte der Sammler das Dino-Skelett ohne Wissen des Museums auf ebay und bewarb das nicht-vollständige Dino-Skelett mit zerschmettertem Schädel als wertvolles Ausstellungsstück und Studienobjekt des Museums. Daraufhin gab das Museum das Dino-Skelett an den Sammler zurück und verklagte ihn. Um unlauteren Wettbewerb und Preistreiberei zu verhindern, rät die SVP ihren Mitgliedern, die Finger von Dino-Skeletten zu lassen, die noch nicht in der Hand von öffentlichen Stiftungen sind. Übrigens steht derzeit auch im Museum für Naturkunde Berlin ein T-Rex-Skelett eines privaten Sammlers.

    © picture alliance/AP Photo

    Bolortsetseg Minjin - Paläontologin und Fossilien-Detektivin aus der Mongolei

    Die Fossilien-Detektivin aus der Mongolei

    Der Handel mit Fossilien ist in Ländern wie den USA, Großbritannien und Frankreich unter bestimmten Bedingungen legal. Nicht so in China und der Mongolei. Dort ist die Ausfuhr von Fossilien verboten. Trotzdem herrscht weltweit ein reger Handel mit Dino-Skeletten und -schädeln vor allem aus der Mongolei. Die mongolische Paläontologin Bolortsetseg Minjin sorgte ab dem Jahr 2012 dafür, dass mehr als 30 Dinosaurier-Exemplare in die Mongolei zurückgebracht wurden. Auch der Schauspieler Nicolas Cage gab 2015 seinen mongolischen Tyrannosaurus bataar-Schädel zurück. Er hatte das Fossil 2007 bei einer Auktion erworben - und Leonardi di Caprio überboten.