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Auch Mumien in den Anden hatten Arteriosklerose | BR24

© picture alliance/Uwe Anspach/dpa

Schon vor tausenden von Jahren litten Jäger und Sammler an Arteriosklerose.

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    Auch Mumien in den Anden hatten Arteriosklerose

    Bei Untersuchungen von Mumien aus verschiedenen Regionen der Welt entdeckten Forscher, dass bereits frühere Kulturen an Arteriosklerose gelitten hatten. Mit einer neuen Methode machten sie sogar frühe Anzeichen der Gefäßerkrankung sichtbar.

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    Schon vor 4.000 Jahren litten Jäger und Sammler an Arteriosklerose. Diese Erkenntnis ist nicht ganz neu, doch dass auch junge Menschen aus dieser Zeitperiode erste Anzeichen der Blutgefäßerkrankung hatten, war noch nicht bekannt. Entdeckt hat das der Mediziner Mohammed Madjid und sein Team von der University of Texas in Houston. Sie untersuchten vier Mumien aus Südamerika und eine aus dem Nahen Osten, darunter waren drei Männer und zwei Frauen im Alter von 18 und 60 Jahren. Die älteste Mumie stammte aus einer Zeit um 2.000 Jahre vor Christus und gehörte zu der Kultur der Chinchorro, die im heutigen Gebiet von Peru und Nordchile lebten. Die sogenannten Chinchorros waren einfache Fischer und ernährten sich hauptsächlich vom Fischfang und von Meeresfrüchte. Weil sie ihre Toten lange vor den Ägyptern mumifizierten, können wir einen Blick auf ihre Kultur und Lebensweise erhaschen.

    Erste Anzeichen von Gefäßablagerungen sichtbar machen

    Mit einer neuen Methode, der Nahinfrarot-Spektroskopie, konnten die Wissenschaftler von der University of Texas, Cholesterin in den Gefäßwänden sichtbar machen. Bisherige Untersuchungen mithilfe von Computertomographie lieferten bereits Hinweise auf Ablagerungen in den Arterien, doch damit waren nur Calciumanreicherungen erkennbar, die sich erst in einem späteren Stadium der Erkrankung bilden. Der Nachweis von Cholesterin deutet auf erste Anzeichen einer Gefäßerkrankung hin. Bei ihren Untersuchungen stellten die Forscher fest, dass bereits Arterien von jungen Menschen betroffen waren. Die Studie wurde im Oktober 2019 im Fachjournal "American Heart Journal" veröffentlicht.

    Arteriosklerose heute und in frühen Kulturen

    Arteriosklerose gilt heute als Zivilisationskrankheit. Schlechte Ernährung und wenig Bewegung fördern das Risiko an einer Gefäßverengung zu erkranken. Lagern sich Stoffe an den Blutgefäßen ein, verengen sich diese, was den Blutfluss in den Arterien behindern kann. Das kann zu einem Herzinfarkt führen. Obwohl unsere Vorfahren in den Anden nicht an mangelnder Bewegung litten und keine Fast Food aßen, hatten sie auch Arteriosklerose - und zwar unerwartet stark. So erging es auch den alten Ägyptern und der Gletschermumie Ötzi. Wissenschaftler vermuten deshalb, dass neben der genetischen Veranlagung oder Infektionen auch Ruß und Rauch aus Feuerstellen die Entstehung der Krankheit verursacht haben könnte. Um mehr Klarheit zu erlangen, sollen noch weitere Mumien untersucht werden.