Zurück zur Startseite
Wissen
Zurück zur Startseite
Wissen

Auch bei Tieren gibt es Bauch- und Seitenschläfer | BR24

© colourbox.com

Kühe liegen immer auf der Brust. Sonst könnten sie nicht verdauen.

Per Mail sharen
Teilen

    Auch bei Tieren gibt es Bauch- und Seitenschläfer

    Wie ruhen eigentlich Tiere? Warum sieht man Kühe nie auf der Seite oder auf dem Rücken liegen? Forscher der Universität Zürich haben 250 Säugetiere in Zoos beim Ausruhen beobachtet und Muster in deren bevorzugten Ruhepositionen erkannt.

    Per Mail sharen
    Teilen

    Haben Sie schon einmal eine Kuh auf dem Rücken schlafen sehen? Eine Giraffe auf der Seite? Forscher der Universität Zürich haben 253 Säugetiere in Zoos beim Dösen und Schlafen in rund 30.000 Ruhephasen tagsüber und nachts beobachtet. Sie wollten herausfinden, welche Positionen bestimmte Tierarten dabei bevorzugt einnehmen - und weshalb.

    Grundsätzlich konnten die Wissenschaftler Folgendes beobachten:

    • Je größer ein Tier ist, desto seltener legt es sich überhaupt hin.
    • Große Tiere sind eher Seitenschläfer.
    • Kleine Tiere und Wiederkäuer sind eher Brustschläfer.

    Wiederkäuer wollen sich im Liegen nicht den Magen verdrehen

    Wiederkäuer liegen eigentlich immer in Brustlage, damit ihre Verdauung reibungslos ablaufen kann. Bei Kühen, Schafen, Antilopen, Hirschen oder Giraffen zum Beispiel werden im Magen die Futteranteile, die noch einmal gekaut werden sollen, anhand der Schwerkraft aussortiert. Im Stehen wie im Liegen muss der Magen deshalb die gleiche Ausrichtung zur Schwerkraft haben. Deshalb sieht man Kühe nach dem Grasen auf der Weide auf dem Bauch und so gut wie nie auf der Seite liegend. Die Wissenschaftler aus Zürich wollten überprüfen, ob sich Tiere, die nicht auf die gleiche Art verdauen, dann eher auf die Seite legen.

    © picture alliance/imageBROKER

    Giraffen sind Wiederkäuer. Sie ruhen in Brustlage, um ihre Verdauung nicht zu blockieren.

    Kleine Kurzbeiner ruhen bequem in Brustlage

    Sie stellten fest: Nein. Denn neben dem Verdauungstyp und etlichen andere Faktoren beeinflusst die Körpergröße die Ruheposition der Tiere erheblich. Kleine Tiere mit kurzen Beinen verweilen zum Beispiel viel in Brustlage. Hierfür ist ihre Körperform einfach ideal. Auf der Brust zu liegen ist für sie am bequemsten - und macht das Aufstehen am einfachsten. Die Klippschliefer aus Afrika, die an Meerschweinchen erinnern, machen das zum Beispiel so.

    © Christian Schiffmann, Universität Zürich

    Die Klippschliefer mit ihrem niedrigen Körperbau verweilen gerne in Brustlage.

    Kleine Tiere legen sich häufiger hin als große Tiere

    Generell haben die Forscher beobachtet, dass sich kleine Tiere lieber ablegen als große: "Je kürzer der Abstand der Körpermitte zum Boden ist, desto eher legen sich die Tiere hin", sagt Marcus Clauss von der Klinik für Zoo-, Heim- und Wildtiere der Universität Zürich.

    © colourbox.com

    Bestes Beispiel für ein kleines Tier, das gerne im Liegen schläft: die Katze.

    Große, schwere Tiere liegen lieber auf der Seite

    Je größer die Tiere sind, desto häufiger legen sie sich auf die Seite - wenn sie sich denn überhaupt hinlegen. Bei massigen Tieren ist die Seitenlage bequemer und gelenkschonender für die Beine.

    © colourbox.com

    Ein ermatteter Eisbär ruht sich gerne auf der Seite liegend aus.

    Pferde tricksen im Stehen

    Aber natürlich haben die Forscher aus Zürich auch Ausnahmen beobachtet: Viele große Tiere ruhen auch gern im Stehen. Pferde zum Beispiel dösen noch häufiger aufrecht als ihre nächsten Verwandten, die Tapire oder Nashörner. Dabei fixieren sie im Stand mit ihrer Kniescheibe eines ihrer Hinterbeine, ohne dafür die Muskeln anspannen zu müssen. Einen Bein-Trick für kräftesparendes Schlafen beherrschen übrigens auch Flamingos.

    © picture alliance / blickwinkel

    Pferde ruhen im Liegen - beherrschen aber auch das Dösen im Stehen.

    Ein schlappes Dromedar schlummert auch gern in Seitenlage

    Und obwohl Lamas oder Dromedare wie die Wiederkäuer einen Teil ihres Mageninhalts wieder hochwürgen, ruhen sie - anders als Kühe - auch manchmal auf der Seite. Ihr Verdauungsmechanismus wird dann einfach kurzzeitig unterbrochen.

    © picture alliance/imageBROKER

    Ausnahmen bestätigen die Regel: Manchmal liegen Dromedare auch auf der Seite.

    Ältere Elefanten brauchen Hilfe bei der Seitenlage

    Von allen Pflanzenfressern liegen Elefanten am häufigsten in Seitenlage. Tun sie das nicht, handelt es sich dabei wahrscheinlich um ältere Tiere. Weil sie nicht mehr so gut aufstehen können, vermeiden sie das Ablegen ganz und lehnen sich eher an Wänden, Pfosten oder Baumstämmen an. "Darum ist es wichtig, Elefanten im Zoo Hügel aus Sand zur Verfügung zu stellen. Wenn sie leicht schräg liegen, kommen auch alte Tiere viel leichter wieder hoch", erklärt Christian Schiffmann, der ebenfalls an der Studie beteiligt war.

    © Christian Schiffmann, Universität Zürich

    Elefanten liegen am liebsten auf der Seite. Mit zunehmendem Alter fällt ihnen das Aufstehen schwerer.

    Flusspferde sind auch im Alter noch Seitenschläfer

    Anders als Elefanten scheinen die massigen Flusspferde bis ins hohe Alter beweglich zu sein: Sie legen sich auch dann noch gern auf die Seite.

    © Christian Schiffmann, Universität Zürich

    Flusspferde liegen gern auf der Seite - aber auch die Brustlage macht ihnen nichts aus.

    Nager können sich auch im Sitzen gut ausruhen

    Nagetiere, wie zum Beispiel der Große Pampashase, der zur Familie der Meerschweinchen gehört, machen aufgrund ihres Körperbaus auch gerne einmal sitzend Pause.

    © picture alliance / Arco Images GmbH

    Große Pampashasen (auch: Große Maras) ruhen gerne mal im Sitzen.

    Riesenkängurus sind Meister im Schlafen auf dem Rücken

    Unter den Pflanzenfressern, die die Forscher untersucht haben, haben sie nur eine Art entdeckt, die sich auch gern auf dem Rücken lang macht: Riesenkängurus.

    © picture alliance / blickwinkel

    Ein Riesenkänguruh schläft gern auf dem Rücken.