| BR24

 
 

Bild

Der beim Silvesterfeuerwerk entstehende Feinstaub ist ein Problem für Menschen mit Atemwegserkrankungen.
© pa/dpa/Armin Weigel

Autoren

Andreas Wenleder
Uli Scherr
© pa/dpa/Armin Weigel

Der beim Silvesterfeuerwerk entstehende Feinstaub ist ein Problem für Menschen mit Atemwegserkrankungen.

Für den Lungenspezialisten Professor Christian Schulz vom Uniklinikum Regensburg kommt es nicht überraschend, dass seine Patienten ausgerechnet in der Silvesternacht Probleme bekommen. Er hört in den Tagen nach dem Jahreswechsel immer wieder die gleichen Klagen.

"Unsere Patienten berichten regelhaft, dass sie gerade in der Silvesternacht vermehrt Beschwerden haben: Die drei Hauptkriterien sind vermehrte Luftnot, vermehrter Husten, vermehrtes Engegefühl im Brustkorb." Professor Christian Schulz, Universität Regensburg

Der Grund für die Häufung solcher Beschwerden liegt für den Mediziner auf der Hand: das Silvester-Feuerwerk lässt den Feinstaubgehalt in der Luft explosionsartig ansteigen. In Regensburg z. B. war der Feinstaubgehalt der Luft an Silvester 2017 mehr als viermal so hoch wie an normalen Tagen.

Leidtragende sind Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma oder einer chronischen Bronchitis. In Regensburg treffen sich solche Patienten regelmäßig in einer Lungensportgruppe. Unter Anleitung der Physiotherapeutin Anke Seidl lernen sie hier, mit ihrer Krankheit besser zurechtzukommen. Auch die Therapeutin kann ihren Patienten keinen anderen Rat geben, als in der Silvesternacht drinnen zu bleiben.

"Da hilft dann kein Medikament und keine Atemtechnik. Da ist soviel Feinstaub in der Luft und das macht die Atemwege zu." Physiotherapeutin Anke Seidl

In der Bundesrepublik leiden nach Angaben der Deutschen Lungenstiftung heute schon mehr als zehn Prozent der Einwohner an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Obstruktiv bedeutet, dass die Atemwege verengt sind.

COPD - die neue Volkskrankheit

Die Weltgesundheitsorganisation WHO glaubt, dass COPD im Jahr 2030 die dritthäufigste aller Todesursachen sein wird. Bei Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen steigt durch eine hohe Feinstaubbelastung das Risiko von Entzündungen, außerdem leidet die Lungenfunktion.

In einer Nacht entstehen 5.000 Tonnen Feinstaub

In der Silvesternacht werden in der Bundesrepublik laut Deutscher Umwelthilfe durch Feuerwerkskörper in wenigen Stunden 5.000 Tonnen Feinstaub freigesetzt. Dies entspricht etwa 17 Prozent der jährlich im Straßenverkehr entstehenden Feinstaubmenge. Die Umwelthilfe plädiert deshalb sogar für ein generelles Verbot von Silvester-Feuerwerk in den Innenstädten.

Einige bayerische Städte verbieten Böller

Einige Kommunen in Bayern haben ein solches Böller-Verbot sogar schon realisiert, wie Straubing oder Freising. Dabei geht es aber nicht nur um Luftqualität und Gesundheitsvorsorge, sondern auch um den Brandschutz für die historischen Innenstädte.

Beim Silvesterfeuerwerk wie hier in Regensburg, werden große Mengen Feinstaub freigesetzt.

Beim Silvesterfeuerwerk wie hier in Regensburg, werden große Mengen Feinstaub freigesetzt.