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Astro Alex - ein Astronaut mit Haltung | BR24

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Astro Alex - ein Astronaut mit Haltung

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Astro Alex - ein Astronaut mit Haltung

Der deutsche Astronaut Alexander Gerst kehrt zurück zur Erde, nach über einem halben Jahr auf der Internationalen Raumstation ISS. In dieser Zeit ist Astro-Alex auf der Erde fast schon zu einer Art Popstar geworden. Wie hat er das geschafft?

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Mancher Naturwissenschaftler schafft es nicht, fachliche Dinge einfach zu erklären. So, dass jeder sie versteht. Geophysiker und Astronaut Alexander Gerst ist das glatte Gegenteil davon.

"Diese Erde, die so unendlich groß erschien, die ist wirklich nicht so groß. Das ist wirklich ein kleines Ding", stellte der 42-Jährige locker und simpel fest, kurz vor seinem Start am 8. Juni zur Internationalen Raumstation. Natürlich wusste Gerst genau, wovon er sprach. Schließlich war er 2014 schon mal auf der ISS und hatte die Erde von oben gesehen.

Alexander Gerst: locker und nahbar

Diesmal sollte er als Co-Pilot an Bord der Sojus-Kapsel arbeiten. Das heißt: bei Problemen binnen Sekunden das Steuer übernehmen. Mancher Wissenschaftler würde jetzt über die unzähligen Knöpfe und Hebelchen über dem Kopf schwadronieren. Gerst sagt dazu:

"Hoppla, ich lerne gerade, wie man ein Raumschiff fliegt, oder wie ein Raumschiff aufgebaut ist. Das ist eine Wahnsinns-Vorstellung, das macht mir riesig Spaß." Alexander Gerst, Astronaut

Es ist diese Lockerheit, diese Nahbarkeit und auch die Begeisterung für seine Arbeit, die Alexander Gerst so populär gemacht haben. Als er im Juni nach zweieinhalb Tagen Flug auf der ISS ankommt, schickt er ein - wie soll es anders sein - lockeres Grußwort an die Erde.

"Ich kann nur sagen, ich fühl mich fantastisch. Ich bin hier auf der Raumstation angekommen, natürlich von meinen Freunden und Mannschaftskollegen hier begrüßt worden, und es hat sich wirklich so angefühlt, als ob ich nicht weggewesen wäre. Also selbst das Schweben klappt, mir ist nicht schlecht geworden, keine Weltraumkrankheit. Und tatsächlich haben wir direkt angefangen mit den ersten Versuchen." Alexander Gerst, Astronaut

Mit der Maus um die Erde

Alexander Gerst lässt die Maus aus der Sendung mit der Maus in einem kleinen Raumanzug durch die Schwerelosigkeit fliegen - Kinder durften sich vor dem Start Experimente wünschen, die Gerst neben den rund 80 Materialtests, medizinischen Versuchen und Tierbeobachtungen durchführt.

Dass Gerst auf der Erde zu einer Art Popstar geworden ist, liegt nicht daran, dass er im Oktober als erster Deutscher das Kommando auf der ISS übernommen hat, sondern vor allem daran, dass er sich für keinen Spaß zu schade ist. Im Juli schaltet er sich live aus dem Weltall zu einem Konzert der Band Kraftwerk zu und spielt auf einem Tablet mit.

Klimabotschafter im All

Seinen eigentlichen Verdienst sehen viele auf der Erde aber darin, dass Gerst mindestens einmal täglich Fotos der Erde knipst und nach unten twittert, als "Astro-Alex". Ästhetische Landschafts- und Wolkenformationen sind dabei, aber auch Erschreckendes: Gerst führt uns von oben vor Augen, wie weit der Mensch den brasilianischen Regenwald schon abgeholzt hat; er zeigt, wie verheerend die Waldbrände in Kalifornien aus dem All aussehen, und die Dürre in Europa diesen Sommer.

Zum Start der Weltklimakonferenz in Kattowitz Anfang Dezember schickt er eine Videobotschaft zur Erde: "Von hier oben sehe ich die Schönheit der Welt, ihre Verletzlichkeit und die Spuren, die der Mensch hinterlässt. Von hier oben aus ist es ganz klar: Auf dieser kleinen blauen Kugel im schwarzen Weltraum ist alles endlich. Wir haben nur diesen einen Planeten. Lasst uns nicht vergessen: Heute haben wir es in der Hand, wie unsere Erde in der Zukunft aussehen wird. Alles Gute aus dem Weltall."

Über 1,2 Millionen Menschen folgen Alexander Gerst auf Twitter, und auch auf Instagram und Facebook diskutieren Hunderttausende über seine Botschaften. Mancher wünschte sich, sie hätten mehr Konsequenzen.