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ARD-Themenwoche: Erleben wir unsere Freizeit nur noch virtuell? | BR24

© picture alliance / YONHAPNEWS AGENCY

Durch die Corona-Pandemie findet die Freizeit bei vielen zum Großteil in der Virtual Reality statt.

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    ARD-Themenwoche: Erleben wir unsere Freizeit nur noch virtuell?

    Die Corona-Pandemie hat auch unsere Freizeitgestaltung durcheinandergewirbelt. Hobbys wie Reisen, Sport und Kochen erleben wir per "Virtual Reality". Freunde und Familie treffen wir mehr digital als real. Sieht so unsere Freizeit der Zukunft aus?

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    Auf den Mond fliegen, durch das Guggenheim Museum in New York schlendern oder Shawn Mendes aus der ersten Reihe auf der Bühne sehen: Coole Events, und die Teilnahme ist an allen Orten möglich – zumindest virtuell.

    Laut des aktuellen Freizeit-Monitors der Stiftung für Zukunftsfragen nutzen 96 Prozent der Deutschen in ihrer Freizeitgestaltung regelmäßig das grenzenlose Angebot im Netz. Die Tendenz: es wird zukünftig noch mehr, aber das Bedürfnis nach realem Erleben von Hobbys und Aktivitäten wird bleiben.

    Das Internet als Info- und Unterhaltungsplattform

    Was waren das für Freizeiten vor Corona: Spontan Freunde treffen und umarmen, ins Restaurant gehen, unbekümmert ins Fitnessstudio, Basketball, Volleyball oder Eishockey spielen oder sorglos gemeinsam Koch- oder Nähkurse machen: Das alles seit Monaten vorbei. Stattdessen verbringen der Deutsche und damit auch der Bayer wesentlich mehr Zeit im Internet, auch oder gerade wenn es um die Freizeit geht. Der VHS-Sprachkurs wird online verfolgt, mit Oma wird via Skype gechattet und statt Kino geht es zum Filme gucken auf die Couch.

    "Corona hat einen Prozess beschleunigt, der ohnehin schon lief", sagt Freizeitforscher Ulrich Reinhardt von der Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg. "Die Freizeit wird immer mehr digital, immer medialer. Die Erholung, der Ursprung der Freizeit, leidet aber immer mehr, genauso wie die sozialen Beziehungen. Das ist ja das, was wir gerade vermissen."

    Forscher: Erleben unsere Freizeit seit Corona bewusster

    Wer kennt das nicht: Vor Corona ist manch einer in der Freizeit gerne von Highlight zu Highlight gesprungen, hatte Angst, etwas zu verpassen. Ganz wichtig war, Kollegen nach dem Wochenende zu berichten, was man Aufregendes erlebt hat. Der ein oder andere geriet sogar in einen regelrechten "Freizeit-Stress". Das ist nun seit Corona vorbei. Die Deutschen bleiben zwangsläufig mehr zu Hause.

    Viele haben laut Freizeit-Monitor 2020 alte Hobbys neu entdeckt, werkeln am Haus oder im Garten herum oder nutzen die Zeit für "liebsame Dinge" wie Steuererklärung oder Ablage sortieren. Die Freizeit ist seit Ausbruch der Pandemie privat, pragmatisch und produktiv, so das Fazit der Hamburger Freizeitforscher.

    Eine weitere Erkenntnis: Die Freizeit erleben die Menschen seit Corona bewusster. Das hat Freizeitforscher Reinhardt analysiert. Und die Menschen merken: nicht alles ist gerade möglich, aber auch nicht alles ist nötig. Doch Hobbys nur noch virtuell erleben? "Soweit wird es nicht kommen", gibt Reinhardt Entwarnung. "Virtuelle und digitale Freizeitgestaltung werden kein Ersatz, sondern eher eine Ergänzung sein. Auch zukünftig bleibt immer das Grundbedürfnis, soziale Kontakte zu haben, in den Verein, aufs Konzert, ins Kino oder Theater zu gehen. Das wird sicherlich auch nach Corona wieder da sein."

    Urlaub bleibt Freizeit-Highlight der Deutschen

    Der Urlaub ist und bleibt das Highlight des Jahres für uns, stellt Reinhardt fest. Wir werden auch zukünftig unsere Koffer packen. Nur noch virtuell unterwegs zu sein, das sei auch gar nicht gut für den Menschen, sagt Theologin und Therapeutin Sybille Loew von der "Münchner Insel". "Uns geht dann etwas verloren: das Erleben mit allen Sinnen. In dem Moment, wo ich Dinge mit allen fünf Sinnen aktiv wahrnehme, geht mein Körper in eine ganz andere Wahrnehmungs- und Aufnahmesituation." Es ist also ein Unterschied, ob man sich einen schönen Naturfilm anschaut oder selbst in der Natur spazieren geht und dann sieht, riecht, hört, schmeckt und fühlt.

    "Freizeit fasziniert uns und dient der Erholung"

    Bei allen Vorteilen der digitalen Freizeitgestaltung raten Experten, zukünftig Hobbys - und anderen Freuden draußen - unter Menschen nachzugehen. Das tut Körper und Seele gut. "Freizeit wird uns immer faszinieren", sagt Zukunftswissenschaftler Ulrich Reinhardt. "Grundsätzlich sollten wir uns aber überlegen, wie wir nach Corona leben und unsere Freizeit verbringen wollen."

    Die Prognose des Freizeitforschers: Sollte es irgendwann eine Zeit nach Corona geben, also ohne Maske und Abstand halten, "bleibt wohl alles anders": Der Mensch wird seine Freizeit vermutlich in einem Mix gestalten: virtuell und so richtig real. Und die Freizeit wird zukünftig bewusster erlebt.

    Zu den aktuellen Freizeitaktivitäten der Deutschen hat die Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg ihren Freizeit-Monitor 2020 erstellt. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg hat im Auftrag der Stiftung eine repräsentative Umfrage durchgeführt.

    "#WIELEBEN - BLEIBT ALLES ANDERS" - das ist bis Samstag das Motto der ARD-Themenwoche. In diesem Jahr voller einschneidender Erfahrungen durch die Corona-Pandemie steht dabei die Frage im Mittelpunkt: "Wie wollen wir leben?"

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