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Geologe Raimund Albersdörfer zeigt im Dinosaurier-Freilichtmuseum den Abdruck eines rund 153 Millionen Jahre alten Urvogels Archaeopteryx.
© dpa-Bildfunk/Andreas Gebert

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Georgia Tscharke
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Geologe Raimund Albersdörfer zeigt im Dinosaurier-Freilichtmuseum den Abdruck eines rund 153 Millionen Jahre alten Urvogels Archaeopteryx.

1997 wurde in Daiting im schwäbischen Landkreis Donau-Ries ein Exemplar des Archaeopteryx gefunden, von dem lange nur sehr wenig bekannt war. Es handelt sich um ein Fragment, von dem bisher nur ein Abguss zu sehen war. Allerdings wusste man weder, wer das Original besitzt, noch, wo es aufbewahrt wurde. Der Geologe und Fossilienhändler Raimund Albersdörfer machte den Besitzer schließlich ausfindig, kaufte ihm das Exemplar ab und stellte es der Forschung zur Verfügung.

"Daiting-Exemplar" - mehr Vogel als Dino

Der Urvogel, der sowohl Merkmale von Vögeln wie von Dinosauriern besitzt, ist ein Bindeglied der Evolution. Der 150 Millionen Jahre alte Archaeopteryx konnte wohl schon fliegen, auch wenn man nicht weiß, wie gut und wie lange. Gleichzeitig besaß er aber auch Zähne, Klauen und einen langen Schwanz – wie es für Dinosaurier typisch ist.

Der Urvogel im Computertomographen

Wissenschaftler treibt schon länger die Frage um, ob die rund ein Dutzend in Bayern gefundenen Exemplare zu einer einzigen Art gehören oder nicht. Deshalb haben Martin Kundrát von der slowakischen Universität Pavol Jozef Šafárik und Kollegen von der Universität Uppsala in Schweden das Daiting-Exemplar im Synchrotron-Mikrotomographen in Grenoble untersucht. Dieses Computertomographie-Verfahren schaut sich mithilfe von Röntgenstrahlung die Knochen und Zähne des Archaeopteryx von allen Seiten an und enthüllt ihre innere Struktur. Auch datierten und analysierten Kundrát und sein Team das Kalkgestein im Steinbruch Mörnsheim im Altmühltal, in das das Fossil eingebettet war. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler am 24. Oktober 2018 im Fachjournal "Historical Biology".

Jüngster und vogelähnlichster Archaeopteryx

Das Ergebnis: Der Fund aus Daiting im schwäbischen Landkreis Donau-Ries gilt als Besonderheit, weil er rund 400.000 Jahre jünger als die anderen Archaeopteryx-Exemplare ist. Und er besitzt gegenüber seinen Verwandten einige anatomische Fortschritte: Er hat weniger Zähne und stärker verschmolzene Schädelknochen, außerdem hat er eine größere Ansatzstelle für die Flugmuskeln als die älteren Urvögel. Er könnte demnach kräftigere Flugmuskeln besessen haben. Hinzu kommt, dass seine Knochen mehr Hohlräume enthalten, sie sind damit den leichten Knochen der heutigen Vögel ähnlicher, berichten die Forscher.

Fossil entpuppt sich als eigene Art

Da diese Ergebnisse belegen würden, dass dieser Archaeopteryx schon mehr Merkmale mit den modernen Vögeln gemeinsam hat, sind sich die Forscher sicher, dass es sich bei ihrem Exemplar um eine eigene Art handelt und benannten ihn nach seinem Käufer "Archaeopteryx albersdoerferi".

Zweifel bei Münchner Forscherkollegen

Ob es sich bei dem Archaeopteryx albersdoerferi tatsächlich um eine neue Art handelt, wie Martin Kundrát und sein Team behaupten, bezweifelt Oliver Rauhut von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie in München. Das Datinger-Exemplar sei mit einem extrem hochauflösenden Verfahren untersucht worden. Um vergleichbare Daten zu erhalten, müssten auch die anderen Archaeopteryx-Exemplare auf diese Weise untersucht werden, so Rauhut.