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Die "Polarstern" vor dem Eisabbruch

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    "Polarstern"-Expedition erkundet abgebrochenen Riesen-Eisberg

    Vom Antarktischen Eisschild ist ein riesiger Eisberg abgebrochen. Das deutsche Forschungsschiff "Polarstern" ist nun in den Spalt zwischen Schelfeis und Eisberg gefahren. Sie sammelt dort Erkenntnisse zum Klimawandel und entdeckte vielfältiges Leben.

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    Von
    • BR24 Redaktion
    • Rüdiger Hennl

    Der riesige Eisberg namens A74, der am 26. Februar 2021 vom Brunt-Schelfeis in der Antarktis abbrach, ist mit 1.270 Quadratkilometern ist etwa doppelt so groß wie Berlin. Die "Polarstern" ist als einziges Forschungsschiff vor Ort und konnte die Gelegenheit nutzen, in den Spalt zwischen Schelfeiskante und Eisberg vorzudringen, um den jahrzehntelang unter hunderten Metern Eis verborgenen Meeresboden zu erkunden.

    Seltene Momentaufnahme

    Ziel der Forschung vor Ort ist es, die Prozesse zu verstehen, die ein massiver Eisbergabbruch nach sich zieht. Die "Polarstern"-Wissenschaftler hatten die Gelegenheit zu einer wichtigen Momentaufnahme, denn es gelingt nur sehr selten, vor Ort zu sein, wenn ein Gebiet erstmals eisfrei wird und mit Sonnenlicht in Kontakt kommt. So große Eisberge brechen in der Antarktis nur etwa alle zehn Jahre ab.

    Die Forscherinnen und Forscher des Alfred-Wegener-Instituts, des Helmholtz-Zentrums für Polar- und Meeresforschung (AWI) konnten einmalige Aufnahmen des Meeresbodens machen, Sedimentproben vom Meeresgrund und geochemische Messungen der darüber liegenden Wassersäule sorgten an Bord für Begeisterung.

    Eisberg-Abbrüche häufen sich

    Die "Polarstern"-Mission ist angesichts des Klimawandels besonders relevant, da dieser dafür sorgen dürfte, dass immer öfter Eisberge vom Eisschild der Antarktis losbrechen. Aktuell verliert die Antarktis schneller Eismasse als noch vor dem Jahr 2000 wie Forschende des AWI beobachten. Solche Veränderungen zögen dann grundlegende Veränderungen mit sich. Um dafür Modellrechnungen anstellen zu können, braucht es Daten aus den betroffenen Regionen, die auch die aktuelle Expedition sammelt.

    Wichtige Erkenntnisse über den Klimawandel

    "Es ist ein Glücksfall, dass wir flexibel reagieren und das Abbruchgeschehen am Brunt-Schelfeis aktuell so detailliert erforschen konnten", sagte Dr. Hartmut Hellmer, physikalischer Ozeanograph am AWI und Leiter der Expedition. Zudem sammeln die Forscher Daten ein, die von Aufzeichnungsgeräten im Abwesenheit der "Polarstern" gesammelt wurden. Dabei geht es um Temperatur, Salzgehalt, Strömungsrichtung und -geschwindigkeit.

    "Sie bilden die Grundlage für unsere Modellrechnungen darüber, wie die Eisschilde auf einen Klimawandel reagieren werden. So können wir mit größerer Sicherheit prognostizieren, wie schnell der Meeresspiegel zukünftig ansteigen wird – und Politik und Gesellschaft verlässliche Daten liefern, um notwendige Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel zu treffen." Dr. Hartmut Hellmer, Ozeanograph

    Vielfältiges Leben unter dem Eis

    Am Meeresboden war die Lebensvielfalt trotz der jahrelangen kontinuierlichen Eisbedeckung groß. Das Tiefsee-Forschungsteam beobachtete zahlreiche Tiere, die auf unterschiedlich großen Steinen festsitzen, umgeben von einer Schlammlandschaft. Die Steine stammen vom Antarktischen Kontinent und werden mit den Gletschern ins Meer transportiert. Ob sich die Tiere von Algenresten ernähren oder von organischen Partikeln, die mit dem Eis transportiert werden, muss noch erforscht werden.

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    Leben unter dem Eis

    Entdeckt wurden auch einige mobile Arten wie Seegurken, Seesterne, verschiedene Weichtiere sowie mindestens fünf Fischarten und zwei Tintenfischarten. Dieses überraschend artenreiche Ökosystem hat das Tiefsee-Team mit Hilfe eine Kameraplattform erstmals fotografiert und gefilmt. Zukünftig sollen neue Technologien wie autonome Unterwasserrobotik eingesetzt werden, um solche Lebensräume zu erforschen.

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