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Corona-Test

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    Anstieg der Corona-Neuinfektionen vergleichbar mit Frühjahr?

    Die Zahl der Corona-Neuinfektionen ist seit dem Tiefststand im Juni wieder deutlich angestiegen. Die täglich gemeldeten 1.500 bis 2.000 Fälle erinnern an die Zahlen vom Frühjahr. Aber sind die aktuellen Daten mit den damaligen wirklich vergleichbar?

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    Von
    • Uwe Gradwohl

    2.000 neu registrierte Infektionen pro Tag: Diese Marke wurde im Verlauf der Pandemie bislang zwei Mal erreicht. Zum ersten Mal am 16. März. Zu dieser Zeit stieg die Zahl der registrierten Infektionen sprunghaft an. Der Verlauf der Fallzahlen-Kurve zeigte steil nach oben. Die täglichen Werte stiegen weit über die Marke von 2.000 hinaus. Als Spitzenwert wurden am 2. April 6.563 bestätigte Infektionen registriert.

    Kontaktbeschränkungen ließen die Zahlen sinken

    Mit den Ende März nach und nach eingeführten Kontaktbeschränkungen begann die Anzahl der gemeldeten Infektionen zu sinken. Die 2.000er-Marke wurde am 23. April erneut erreicht und dann nach unten durchbrochen. Die Anzahl der registrierten Fälle sank leicht, aber beständig weiter. Mitte Juni war der bisherige Tiefststand der Infektionen gemeldet und blieb für eine Weile, vom lokalen Ausbruch im Tönnies-Fleischwerk abgesehen, konstant. Doch seitdem steigen die Fallzahlen wieder. Demnächst könnte die 2.000 zum dritten Mal in den täglichen Meldestatistiken des Robert Koch-Instituts (RKI) auftauchen.

    Die Tests wurden mehr als verdoppelt

    Diesmal würde die Marke wieder von unten kommend geknackt - aber unter anderen Umständen als im Frühjahr. Aktuell wird in Deutschland deutlich mehr getestet als im April. Wie viele Tests genau durchgeführt werden, lässt sich nicht sagen, denn nicht alle Labore melden ihre Testzahlen an das Robert Koch-Institut. An der freiwilligen Übermittlung der Anzahl der durchgeführten Tests nehmen, von Woche zu Woche leicht schwankend, zwischen 150 bis 190 Labore Teil. Diese Datensammlung ist aber ausreichend repräsentativ, um sagen zu können, dass die Anzahl der in Deutschland durchgeführten Tests sich seit dem Frühjahr mehr als verdoppelt hat.

    Es gibt noch andere Ursachen für den Anstieg

    Das hat Folgen für die Anzahl der entdeckten Infektionsfälle. Mehr Tests fördern tendenziell auch mehr Infektionen zu Tage. Wie hoch dieser Effekt des Mehrtestens ist, lässt sich nicht exakt bestimmen. Er ist aber sicher nicht allein verantwortlich für den erneuten Anstieg der Kurve der bestätigten Covid-19-Fälle. Denn in einer bestimmten Bevölkerungsgruppe breitet sich das Virus derzeit tatsächlich stärker aus als es noch im Juni der Fall war: Es ist die reise- und kontaktfreudige Altersgruppe der unter 35-Jährigen. Wer die weitere Entwicklung im Blick behalten möchte: Das RKI veröffentlicht jeden Dienstag Daten zu den verschiedenen Altersgruppen.

    Auch das Infektionsgeschehen unter Reiserückkehrern wird bereits seit dem Frühjahr in Zahlen erfasst. Damals standen die Rückkehrer aus den Skigebieten in den Alpen im Mittelpunkt des Interesses. In der zweiten Märzwoche hatten sich 46 Prozent der bestätigten Infizierten ihren Infekt im Ausland zugezogen. Dieser hohe Wert wurde bislang nicht wieder erreicht, aber es fehlt nicht mehr viel dazu. In der vergangenen Woche lag die Rate bei 39 Prozent. Und auch in dieser Gruppe der Reiserückkehrer sind Männer und Frauen unter 35 stark vertreten. Das ähnelt dem Geschehen vom Frühjahr, als zunächst jüngere Reisende das Virus aus dem Skiurlaub mitbrachten.

    Mehr Fälle, aber weniger Tote

    Dass sich das Virus derzeit in dieser Gruppe ausbreitet, zeigt sich auch in den Todesfallzahlen. Bei jüngeren Menschen sind schwere oder gar tödliche Verläufe selten. Entsprechend verharren die täglich registrierten Todesfallzahlen seit Juni auf einem sehr niedrigen Niveau im meist einstelligen Bereich. Zum Vergleich: Im Frühjahr wurden täglich bis zu 250 Todesfälle durch oder mit Corona-Infektionen gemeldet. Sollte das Virus aber aus der Gruppe der Unter-35-Jährigen heraus wieder seinen Weg hin zu den Älteren finden, können auch die aktuell niedrigen Todesfallzahlen erneut ansteigen.

    Die Ansteckungsrate ist eine wichtige Größe

    Dass Sars-CoV-2 der Sprung zwischen den Altersgruppen diesmal vielleicht nicht so schnell gelingt, dafür spricht die Ansteckungsrate. Nach Schätzung des RKI steckte im April ein Covid-19-Infizierter im Durchschnitt vier weitere Personen an. Dieser Wert sank bis Juni auf Werte deutlich unter 1. Das bedeutet, dass damals die Zahl der Infizierten von Tag zu Tag abnahm.

    Seit Mitte Juli liegt die auch R-Wert genannte Ansteckungsrate wieder häufig über 1 und das bedeutet, dass sich der Pool an Infizierten wieder nach und nach vergrößert. Nicht so schnell wie im Frühjahr, aber je länger der leichte Anstieg andauert, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass doch wieder Fallzahlen deutlich oberhalb der 2.000er-Marke erreicht werden. Dann wird man einen weiteren Vergleich ziehen können - nämlich den, wie das Gesundheitssystem im Vergleich zum Frühjahr mit den hohen Fallzahlen zurechtkommt.

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