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Angstzustände, Depressionen: Corona verstärkt psychische Leiden | BR24

© pa/dpa/Christin Klose

Eine Frau in Homeoffice.

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    Angstzustände, Depressionen: Corona verstärkt psychische Leiden

    Abstandhalten schützt vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Es kann aber auch die Psyche extrem belasten. Psychische Auffälligkeiten haben zugenommen. Es gibt aber auch ein paar Maßnahmen, die die Psyche in der Corona-Zeit schützen können.

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    Freunde und Familien, die sich über Wochen und Monate nicht mehr sehen, Existenzängste, weil der Job plötzlich in Frage steht oder zusätzliche Arbeit, weil die Kinder nicht zur Schule können. Die Corona-Krise birgt ganz neue Herausforderungen – und hat dadurch die Symptome psychisch Kranker verstärkt.

    Allein im ersten Halbjahr haben sich in Bayern elf Prozent mehr Menschen als im vergleichbaren Zeitraum im Vorjahr wegen psychischer Leiden krankschreiben lassen. Das meldet die DAK unter Berufung auf ihren Gesundheitsreport.

    "Social Distancing", aber trotzdem Kontakt

    Anlässlich der diesjährigen Woche der seelischen Gesundheit warnt der Präsident der Psychotherapeutenkammer Bayern, Dr. Nikolaus Melcop, davor, dass sich entsprechende Symptome mit der Dauer der Krise noch verschlechtern können.

    Wichtig sei, soziale Kontakte trotzdem zu pflegen. Selbst wenn der direkte Kontakt nicht möglich sei, sei der Kontakt über "moderne Medien" oder das "klassische Telefon" wichtig.

    Menschen, die in Homeoffice arbeiten, empfiehlt er, Arbeit und Freizeit strikt zu trennen. Auch, wer sich in Kurzarbeit befinde oder arbeitslos sei, brauche strukturierte Aufgaben.

    Sein Rat: "Sport, trotz eingeschränkter Bewegungsmöglichkeiten und bewusst etwas Angenehmes tun, etwa ein gutes Buch lesen oder einen guten Film schauen, sich nicht negativen Gedanken hingeben."

    Psyche von Kindern ist besonders betroffen

    Auch Kinder brauchten Aufgaben und Strukturen. Bei ihnen stieg das Risiko für psychische Auffälligkeiten ebenso an. Vor den Corona-Einschränkungen lag es bei etwa 18 Prozent. Während der Krise erhöhte es sich auf 31 Prozent. Das geht aus einer deutschlandweiten Befragung von Forschern des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf hervor.

    Sozialpsychiatrische Dienste der Caritas und Diakonie in Bayern berichten von einzelnen Fällen, die hingegen von einer zunehmenden Zurückgezogenheit profitieren. "Einige Klientinnen und Klienten waren froh um die Isolierung, die endlich gesellschaftsfähig wurde", schreibt etwa der Caritas-Landesverband Bayern.

    Psychotherapeuten fordern mehr Personal

    Trotzdem sei es wichtig, auch das Kontaktbedürfnis gefährdeter Menschen im Auge zu behalten. Der Präsident der Psychotherapeutenkammer Bayern Melcop fordert dafür von der Staatsregierung mehr Personal. "Es wird in Pflegeheimen zusätzliche Kapazitäten brauchen, für Schulen und Kindergärten. Es kann nicht sein, dass Kinder einfach nach Hause geschickt werden, sondern da muss es Möglichkeiten in kleinen Gruppen geben. Und dafür braucht es zusätzliche Ressourcen und auch Ressourcen für behinderte Menschen."

    Auf die Belange psychisch Kranker macht jedes Jahr um den 10. Oktober auch das "Aktionsbündnis Seelische Gesundheit" aufmerksam. Bundesweit finden dazu bis 20. Oktober Veranstaltungen statt, auf denen für einen offenen Umgang mit Menschen mit psychischen Erkrankungen geworben wird.

    Krisendienste und Anlaufstellen

    Telefon-Seelsorge (24 Stunden erreichbar): 0800 -110111 und 0800-1110222

    Kinder- und Jugendtelefon: 0800 -16111

    Elterntelefon: 0800-1110550

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