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© Foto: Rizza Alee/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk ++
Bildrechte: Foto: Rizza Alee/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk ++

In langer Schlange klettern Bergsteiger am Seil auf einem Pfad unterhalb von Lager vier auf den Mount Everest. (Symbolbild)

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    Andrang am Mount Everest: Corona-Infektionen auch im Basislager

    Hochsaison am Mount Everest: Die ersten Expeditionen haben den Gipfel erreicht. 410 ausländische Bergsteiger wollen auf den höchsten Berg der Erde. Inzwischen gibt es auch im Basislager Corona-Patienten. In Nepal steigt die Zahl Erkrankter rasant.

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    Von
    • Andrea Zinnecker
    • Angela Braun

    Es herrscht Hauptsaison am höchsten Berg der Erde. Die ersten Expeditionen haben den 8.848 Meter hohen Mount Everest von Nepal aus erreicht. Über 400 Bergsteiger wollen mit kommerziellen Expeditionen in diesem Jahr auf den Gipfel. Doch auch in Nepal steigen die Corona-Infektionen und machen nicht halt vor dem Basislager.

    Die ersten Todesopfer der Saison

    Bei der Besteigung des höchsten Berges der Erde sind vergangene Woche am Mount Everest zwei Bergsteiger aus den USA und der Schweiz gestorben. Es sind die ersten Todesopfer dieser Saison, so der Expeditionsveranstalter Seven Summit Treks in Nepal. Der 40-jährige Schweizer sei in der Nähe des Gipfels ums Leben gekommen, nachdem er ihn bereits erreicht hatte. Der 55-jährige US-Amerikaner habe einen tödlichen Erschöpfungsanfall in einem der Zeltlager erlitten.

    Corona auch im Everest Base Camp

    In Indien wütet die Corona-Pandemie in ungeahntem Ausmaß. Jetzt ist auch das Nachbarland Nepal betroffen, weil die Grenze zu spät geschlossen wurde. Die Krankenhäuser sind voll, das Gesundheitssystem kollabiert und der Sauerstoff wird knapp. Die Infektionszahlen im zehntärmsten Land der Welt steigen in Folge der hochansteckenden indischen Mutante weiter.

    Betroffen ist nicht nur die Bevölkerung, sondern auch der Expeditions-Tourismus. Denn rechtzeitig zur Frühjahrssaison an den Achttausendern hatte Nepal bei zunächst niedrigen Infektionszahlen das Land geöffnet. Am Mount Everest sind 410 ausländische Bergsteiger vor Ort, mehr als 2019 im Jahr vor der Pandemie. Im Everest Base Camp gab es einen heftigen Corona-Ausbruch und die Situation im Land verschärft sich von Tag zu Tag.

    Lage in Nepal katastrophal

    Knapp 30 Millionen Einwohner, aber nur an die 1.600 Intensivbetten und 600 Beatmungsgeräte, dazu kaum Testmöglichkeiten und kein Impfstoff – in Nepal sei die Lage inzwischen schlimmer als in Indien, sagt Billi Bierling, die Leiterin der Himalayan Database in Kathmandu. Die Bergsteigerin aus Garmisch-Partenkirchen lebt sechs Monate im Jahr in Kathmandu und registriert jede Expedition. Mittlerweile sind es bis zu 12.000 Corona-Infektionen pro Tag. Gut die Hälfte aller durchgeführten Tests sind positiv, wobei die Testmöglichkeiten sehr beschränkt sind und die Dunkelziffer entsprechend hoch sein dürfte.

    Bergsteiger bringen rund 4,5 Millionen US-Dollar für Nepal

    Anfang März, als die Expeditionsteams ins Land kamen, sah die Lage noch sehr gut aus, doch es war eine trügerische Sicherheit. Aus ökonomischer Not heraus hat Nepal zum Beginn der Frühjahrssaison an den Achttausendern das Land touristisch geöffnet. Allein die Permits für die 410 Bergsteiger am Everest haben Nepal rund viereinhalb Millionen US-Dollar eingebracht – viel Geld für das zehntärmste Land der Welt. Deshalb hat die nepalesische Regierung die Expeditionen auch nicht gestoppt hat, als es vielleicht noch gut möglich und sinnvoll gewesen wäre.

    Ausbruch im Everest Base Camp

    Jetzt sei es schon zu spät und der Ausbruch im Everest Base Camp auf rund 5.600 Metern Höhe sowie im gesamten Khumbu-Gebiet vermutlich "out of control", sagt der Münchner Lungenfacharzt und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin Professor Dr. med. Rainald Fischer. PCR-Tests im Everest Base Camp sind nicht möglich, Schnelltests bei normaler Zelttemperatur schon, aber auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Dazu sei im Basislager eine Diagnostik schwierig, da sich kaum unterscheiden lässt, ob es sich bei Husten und Fieber um Covid-Symptome, um den typischen Khumbu-Cough, also höhenbedingten Husten, oder um ein Höhenlungenödem handelt, so der Bergmediziner.

    Abstand zwischen Everest-Bergsteigern aus China und Nepal

    Um Corona-Infektionen am höchsten Berg der Welt zu vermeiden, sollen nach Anweisung der nepalesischen Behörden die Everest-Aspiranten im Aufstieg und am Gipfel vier Meter Abstand halten. Außerdem fordert die chinesische Regierung eine Trennlinie am Gipfel, damit sich die Bergsteiger aus Nepal und China nicht vermischen. Völlig absurd, sagt Billi Bierling, die selbst schon auf dem Dach der Welt stand und als erste deutsche Bergsteigerin nicht nur den Aufstieg, sondern auch den Abstieg über die Südroute lebend bewältigt hat.

    Bei Unfall keine freien Betten in Krankenhäusern

    Billi Bierling verweist auf ein ganz anderes Problem, dessen sich die meisten Bergsteiger nicht bewusst sind: Sollte es zu einem Unfall durch Eisschlag oder zu Erfrierungen kommen, ist zwar der Rettungsflug nach Kathmandu möglich, dort aber kein Krankenhausbett mehr frei. Auch der Rückflug in die Heimat wird problematisch, da Nepal bis Ende Mai alle internationalen Flüge gestoppt hat und selbst Ambulanzflüge schwierig sind. Da bleibt wenig Luft im wahrsten Sinn des Wortes.

    Auch Trekking Touristen mit dem Coronavirus infiziert

    Trekking-Touristen sind in dieser Saison laut Billi Bierling zwar deutlich weniger unterwegs in Nepal. Doch einige Teilnehmer haben sich mit dem Coronavirus angesteckt. So wurde eine 20-köpfige Trekking-Gruppe aus Spanien im Khumbu-Gebiet komplett positiv getestet. Schweizer Piloten haben der gebürtigen Garmisch-Partenkirchenerin erklärt, dass sie täglich bis zu 10 Touristen, die positiv getestet wurden oder bereits Covid-Symptome haben, ausfliegen. Nach Ansicht der Fachleute ist in Nepal die Spitze der Welle noch nicht erreicht. Die Corona-Lage in dem Himalaya-Land spitzt sich weiter zu und Nepal wird vermutlich noch sehr lange darunter leiden.

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