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Amazonas-Regenwald: Mehr Waldbrände als im Katastrophenjahr 2019 | BR24

© picture alliance/Diegobaravelli

Ein Feuerwehrmann versucht, einen Waldbrand in Jaragua zu löschen.

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Amazonas-Regenwald: Mehr Waldbrände als im Katastrophenjahr 2019

Mehr als 6.800 Feuer im Juli: Umweltschützer befürchten, dass 2020 das zerstörerischste Jahr für den größten Regenwald der Erde werden könnte – doch die weltweite Empörung bleibt momentan aus.

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Die Zahl der Waldbrände ist im brasilianischen Amazonasgebiet dramatisch gestiegen: 6.803 Feuer registrierten die Satelliten des staatlichen Klimainstituts Inpe im Juli – und damit 28 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, im Katastrophenjahr 2019. Allein am 30. Juli habe es mehr als tausend Waldbrände gegeben, erklärte Inpe. Es handele sich um die höchste Zahl an Feuern an nur einem Tag im Juli seit 15 Jahren. Nur das weltweite Interesse an der Umweltkatastrophe scheint diesmal wegen der Corona-Pandemie gering zu sein.

Auslöser der Waldbrände sind häufig illegale Rodungen. Bereits für den Juni dieses Jahres hatte Inpe eine Rekord-Entwaldung gemeldet. Im Juni beginnt in der Amazonas-Region die Trockenzeit, in der viele Brände ausbrechen. Umweltschützer warnen schon länger, dass 2020 das zerstörerischste Jahr für den größten Regenwald der Erde werden könnte. Sie machen dafür direkt die Politik des rechtsextremen Staatschefs Jair Bolsonaro verantwortlich, dem sie die Begünstigung illegaler Rodungen vorwerfen.

Bolsonaro zweifelt die Verantwortung des Menschen für den Klimawandel an. Der Staatschef hat die finanziellen und personellen Ressourcen für den Umweltschutz bereits drastisch gekürzt. Nach Angaben der Umweltorganisation Greenpeace stieg die Zahl der Waldbrände auf dem Gebiet indigener Volksgruppen um 77 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. In Naturschutzgebieten gab es demnach einen Anstieg um 50 Prozent.

2019 hatten die Feuer noch weltweite Empörung hervorgerufen

Im Sommer 2019 hatten die wachsende Abholzung und die Waldbrände am Amazonas für internationales Aufsehen und diplomatische Krisen zwischen Brasilien und westlichen Ländern geführt.

Mitte Juli dieses Jahres hatten zwar Umweltminister Ricardo Salles und Präsident Bolsonaro das Abbrennen von Flächen im Amazonas-Gebiet und im Pantanal, dem größten Sumpfgebiet der Welt, für 120 Tage verboten, doch Umweltschützer überzeugt das nicht. "Das Dekret, das die Brände auf dem Papier verbietet, funktioniert nicht, wenn es im Feld nicht auch mehr Überwachung gibt", sagte Greenpeace-Aktivist Rômulo Batista.

Um eine Wiederholung der Zerstörungen zu verhindern, sind derzeit mehr als 3.000 Soldaten vor Ort im Einsatz. Umweltschützer kritisieren jedoch, dass die Soldaten unerfahren im Kampf gegen illegale Holzfäller, Landräuber und Goldsucher seien. Aus Kreisen der staatlichen Umweltbehörden ist zudem zu vernehmen, dass die Regierung den Kampf gegen die Zerstörung nicht ernst nehme.

Abholzung und Brände sind direkt miteinander verknüpft

Um Weideflächen für Vieh oder Platz für Pflanzungen zu schaffen, wird der Wald zuerst mit Motorsägen oder mit von Traktoren gezogenen Eisenketten zerstört. In der Trockenzeit wird das Holz dann entzündet. Laut dem Klimainstitut Inpe gibt es derzeit noch über 4.500 Quadratkilometer niedergerissenen Waldes, der vermutlich demnächst abgebrannt wird.

Auch im angrenzenden Pantanal-Sumpfgebiet wüten derzeit Waldbrände. Ende Juli registrierte Inpe dort die höchsten Werte seit 1998. Im Vergleich zu 2019 betrug die Steigerung demnach sogar 189 Prozent. In den vergangenen zwei Wochen wurden im Pantanal 60.000 Hektar Wald durch Brände zerstört. Seit mehr als zwei Monaten hat es in der Region nicht mehr geregnet.

Präsident Bolsonaro zweifelt die Zahlen des regierungseigenen Inpe weiter an. Es handele sich um eine "böse Kampagne" gegen ihn und die Agrarwirtschaft. Umweltminister Salles hatte im April seine Kabinettskollegen ermahnt, die Corona-Pandemie zu nutzen, um die Umweltstandards zu schwächen. Die Presse sei von Covid-19 abgelenkt.

© BR

Der Dschungel braucht Hilfe! Denn die Menschheit zerstört das einzigartige Ökosystem und seine enorme Artenvielfalt. Durch illegale Abholzung, Minen- und Staudammbau, Plantagen- und Weidewirtschaft.

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