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Alte Liebe, neue Sorgen: DAV fordert mehr Schutz für die Alpen | BR24

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Die lange Geschichte des DAV spiegelt nicht nur die inhaltlichen Kontroversen ihrer Mitglieder wider, sondern ist auch eine Zeitgeschichte Deutschlands von der Staatsgründung bis heute.

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Alte Liebe, neue Sorgen: DAV fordert mehr Schutz für die Alpen

Für Bergsteiger wie Naturliebhaber sind sie die Gipfel des Glücks: die Alpen. Der Deutsche Alpenverein hegt und pflegt sie mit Liebe seit 150 Jahren. Doch der Zustand der Alpen macht dem DAV große Sorgen. Es muss gehandelt werden, fordert der Verein.

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Alt sind sie und sie haben schon viel unterschiedliches Klima erlebt: die Alpen. Vor Urzeiten erhoben sie sich aus einem tropischen Meer. In der Großen Eiszeit waren die Gipfel von einer dicken Eisschicht überzogen. Lange hat es gedauert, bis aus den Alpen das klimatisch eher freundliche Gebirge wurde, das wir kennen. Doch derzeit ändert sich das Klima in den Alpen schnell - schneller als anderswo.

Klima-Erwärmung in den Alpen doppelt so stark

Während der Klimawandel in Deutschland bislang für einen Temperaturanstieg um ein Grad gesorgt hat, ist es in den Alpen bereits doppelt so viel: Zwei Grad wärmer sind die Durchschnittstemperaturen in den Bergen im Vergleich zum Ende des 19. Jahrhunderts inzwischen.

Sensible Ökosysteme geraten ins Schwitzen

Berge bieten von ihrem Fuß im Tal bis zur höchsten Spitze ihrer Gipfel durch ihre verschiedenen Klimazonen ganz verschiedene Lebensräume - und die geraten durch den Klimawandel in Bewegung. Denn vielen, auf kühle Bergregionen spezialisierten Arten, wird es zu warm.

An Libellen ist das deutlich zu sehen, denn sie reagieren schneller auf steigende Temperaturen. Sie seien daher ein Indikator für Klimaveränderungen, erläutert Kai Frobel vom Bund Naturschutz.

Bergbewohner auf dem Weg nach oben

Steigt die Temperatur in den Bergen, hat das zur Folge, dass ein alpiner Lebensraum um etliche Höhenmeter nach oben wandert - etwa 200 Meter pro Grad. Viele seiner Bewohner müssen mit umziehen: Ganze Ökosysteme geraten so auf Wanderschaft.

Aber es wandern eben nicht alle gleich schnell. Der Steinbock kann vielleicht noch leicht umziehen. Aber sein Futter? Und die neue Wohnung in Hanglage hat vielleicht noch andere Nachteile. So ist die Humusschicht in höheren Alpenregionen beispielsweise nicht dick genug für einen winterfesten Bau der Murmeltiere. Insektenlarven, die in Bergquellen leben, haben irgendwann gar keine Umzugsmöglichkeiten mehr: Ab einer bestimmten Höhe gibt es einfach keine Quellen mehr.

Ab einer bestimmten Höhe gibt es auch kein weiter oben mehr: Die oberste Ökozone der Alpen geht gerade verloren, warnt Wolfgang Lucht vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

"Hochgebirge und Polkappen sind die Fieberthermometer der Erde." Wolfgang Lucht, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Arnika statt Enzian - neue Bewohner verdrängen manche Alpen-Arten

Das fällt einem bei der Bergtour nicht sofort auf, denn zunächst einmal werden es gerade mehr Arten in den Alpen: Sie werden attraktiv für Tiere und Pflanzen, die eigentlich eher im Mittelmeerraum heimisch sind, wie die Feuerlibelle beispielsweise. Oder Arnika. Eine Studie im vergangenen Jahr zeigte, das sich inzwischen neue Arten fünfmal so schnell in den Alpen ansiedeln als noch vor einem halben Jahrhundert.

Für Wissenschaftler ist das kein gutes Zeichen, denn zum einen zeigt das deutlich, wie groß die klimatische Veränderung in unseren Bergen ist. Zum anderen machen die neuen Arten den alten den Lebensraum auch streitig: Der Bayerische Enzian ist bereits nicht mehr so verbreitet wie früher, so die Studie.

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150 Jahre nach Gründung des Deutschen Alpenvereins ist Europas Hauptgebirge im Wandel: Gletscher und Dauerfrostböden tauen, Felsstürze nehmen zu. Tiere und Pflanzen müssen sich anpassen - und auch der Mensch. Autor: Georg Bayerle

Deutscher Alpenverein ruft zum Handeln auf

Die Veränderungen in den Alpen machen dem Deutschen Alpenverein (DAV) große Sorgen. Nicht nur Schneekanonen und Skilifte seien eine Gefahr für die Bergnatur, auch der Transitverkehr durch die Alpen und die Hotelburgen nähmen zu, warnt der DAV.

DAV-Vizepräsident Rudi Erlacher fordert klare Grenzen für den Ausbau von Energietechnologien und Verkehr in den Alpen. Wichtig seien die Entwicklung von nachhaltigem Tourismus und besserer Gewässerschutz. Besonders im Hinblick auf die Ressource Wasser ginge der Zustand der Alpen ganz Europa etwas an:

"Wie es den Alpen geht, ist für ganz Europa wichtig, schließlich wirkt sich ihr Zustand auf den gesamten Kontinent aus – und umgekehrt." Rudi Erlacher, Vizepräsident DAV

Die Alpen bergen im Eis der Gletscher gewaltige Reservoirs an Süßwasser. Doch auch die Gletscher schmelzen durch den Klimawandel immer schneller ab. Nach einer Studie von Schweizer Glaziologen könnten bis zum Ende dieses Jahrhunderts neunzig Prozent aller Alpengletscher verschwunden sein.

Kurz vor seinem 150. Geburtstag am 9. Mai riefder Deutsche Alpenverein in einer gemeinsamen Kampagne mit dem östereichischen und italienischen Alpenverein dazu auf, die Alpen als einmaligen Lebensraum zu schützen und zu erhalten.

"Die Alpen sind schön. Noch. Es lohnt sich, dafür zu kämpfen." DAV
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150 Jahre Deutscher Alpenverein: eine spannende Reise in die Geschichte des Bergsteigens, erzählt am Beispiel der Alpenvereinssektion Regensburg.