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Alkohol in der Schwangerschaft: Fatale Folgen für Ungeborene | BR24

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Trinken Frauen in der Schwangerschaft Alkohol, kann das zu Behinderungen beim Kind führen. Laut einer Studie wurden die Folgen bisher unterschätzt. Weil sie Symptome erst später auftreten, ist die Zahl der Betroffenen unklar. Es sind wohl Tausende.

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Alkohol in der Schwangerschaft: Fatale Folgen für Ungeborene

Lukas ist 14 Jahre alt und auch wenn man es ihm nicht ansieht, er ist behindert. Er hat FASD. Das steht für Fetales Alkoholspektrum-Syndrom, eine Folge von Alkohol während der Schwangerschaft. Alkohol ist ein Zellgift, es wirkt mit schlimmen Folgen.

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Man sieht es ihm nicht an, aber Lukas ist behindert. Als Alf B. und seine Frau Christina ihn vor elf Jahren adoptieren, ahnen sie davon nichts. Lukas ist nicht sein richtiger Name, er will nicht erkannt werden. Er bewirbt sich gerade um ein Praktikum. Seine Einschränkungen sollen ihm nicht alle Chancen verbauen. Kurz nachdem Lukas zu seinen Eltern kommt, stellen sie fest, dass mit ihm etwas nicht stimmt. „Das war so ein diffuses Gefühl, was so nach und nach gekommen ist, so einfache Dinge. Man denkt, ok, das Kind hat jetzt was dazu gelernt, es hat es verinnerlicht, und am nächsten Tag, war’s weg. Oder man hat immer wegen der gleichen Sachen mit ihm geschimpft oder erklärt. Und er sagt, ‚ja, Mama, mach ich‘, und schon war‘s wieder weg“, erzählt Lukas Adoptiv-Mutter.

Viele unterschätzen die Gefahr von Alkohol in der Schwangerschaft

Lukas stürzt sich kopfüber die Treppe runter, räumt nachts den Kühlschrank leer, ist im Kindergarten verhaltensauffällig. Eine schwierige Zeit. Bis die Eltern erfahren: Lukas hat FASD, leidet also unter dem Fetalen Alkoholspektrum-Syndrom, eine Folge von Alkohol während der Schwangerschaft.

Kaum einer weiß, dass dies eine der häufigsten angeborenen Erkrankungen bei Kindern ist. Dr. Mirjam Landgraf von der Haunerschen Kinderklinik in München kämpft seit Jahren darum, dass die Wirkung von Alkohol während der Schwangerschaft nicht länger unterschätzt wird.

"Die Meisten denken, dass das Kind dann geschädigt wird, wenn die Mutter wirklich ein Alkoholproblem hat. Aber was ganz viele nicht wissen ist, dass man auch wenn man regelmäßig relativ wenig trinkt, also ein Glas Wein zum Abendessen, ein paarmal in der Woche, dass das genauso schädigend sein kann!" Dr. Mirjam Landgraf, Haunersche Kinderklinik München

Ungeborene Kinder bauen Alkohol zehnmal langsamer ab

Trinkt eine Mutter während der Schwangerschaft Alkohol, braucht das Kind in ihrem Bauch bis zu zehnmal länger als die Mutter, um den Alkohol wieder abzubauen. Alkohol ist ein Zellgift, es wirkt mit dramatischen Folgen. Denn es gibt keine Barriere im Mutterleib.

"Alkohol geht direkt vom mütterlichen Blut über den Mutterkuchen in das ungeborene Kind, und kann dann dort die Zellen schädigen. Ganz besonders gefährlich ist das eben für das Gehirn, weil das in seiner Entwicklung sehr, sehr empfindlich ist." Dr. Mirjam Landgraf, Haunersche Kinderklinik München

Viele FASD Kinder brauchen ständige Begleitung

Wie viele Kinder mit FASD ist Lukas nicht minder intelligent, im Gegenteil. Er ist fleißig, macht gut mit. Aber vieles vergisst er einfach wieder. Und er hat große Probleme, den Alltag zu bewältigen. Ohne Schulbegleitung kommt er nicht zurecht. Außerdem kann Lukas ohne Begleitung nicht von der Schule nach Hause gehen. Er würde den Weg nicht finden und verloren gehen – trotz seiner 14 Jahre. "Das heißt, wenn er im Bus fahren würde, der Bus eine Umleitung fährt, und er sieht, ich fahre nicht meinen normalen Weg, könnte er direkt an der nächsten Station aussteigen und sich nicht mehr auskennen", sagt Alf B, Lukas Vater.

FASD Kompetenzzentrum soll Aufklärung bringen

Oft ist die Versorgung von Kindern mit FASD unzureichend, deshalb hat Dr. Mirjam Landgraf ein Kompetenzzentrum gegründet. Vor allem Fachkräfte in Kindergärten und Schulen sollen im Umgang mit den Kindern sensibilisiert werden. Denn diese brauchen ein Leben lang Betreuung, sagt Dr. Landgraf.

"Diese Gehirnschädigung an sich, die geht ja nicht weg. Die kann man nicht reparieren. Es ist so, dass es ein Leben lang bleibt." Dr. Mirjam Landgraf, Haunersche Kinderklinik München

Lukas weiß jetzt schon, was er werden will

Lukas ist jetzt 14 Jahre alt und ein super Sportler. Er hat sogar schon einen konkreten Berufswunsch. "Ich will mal Schreiner werden. Und da warte ich jetzt gerade auf eine Bestätigung für mein Praktikum." Seine Adoptiveltern hoffen jetzt, dass das klappt. "Er braucht einfach das Glück, das er bisher hatte weiterhin, damit er zum Beispiel eine Firma und einen Lehrherrn findet, die mit dem Problem auch klar kommt und ihn so akzeptiert, wie er ist. Wenn das klappt, kann ich mir vorstellen, ist er ein super Mitarbeiter.", glaubt Alf B.

Seit seine Adoptiveltern von der Behinderung wissen, engagieren sie sich für FASD-Kinder. FASD ist eine schwerwiegende Behinderung. Aber sie ist einfach zu verhindern: Kein Alkohol während der Schwangerschaft!