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Alexander von Humboldt in neuem Licht | BR24

© picture alliance/CPA Media

Alexander von Humboldt als junger Mann

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    Alexander von Humboldt in neuem Licht

    War Alexander von Humboldt tatsächlich ein begnadeter und von Beginn an genialer Universalgelehrter? Die digitale Neuausgabe seiner Reiseberichte zeichnet ein anderes Bild des Forschers und Weltreisenden.

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    Im Jahr 1790 bereiste Alexander von Humboldt England. 19 Jahre war er damals alt. Die Erlebnisse dort gelten vielen Biografen heute als Initialzündung für dessen wissenschaftliche Karriere. Sein Reisetagebuch aber ist erstaunlich lückenhaft. Manchmal blieb es seitenweise einfach leer.

    Leere Seiten im Reisetagebuch

    Humboldt-Forscher Dominik Erdmann hat das Tagebuch für das Projekt "Alexander von Humboldt auf Reisen" der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften neu bearbeitet. Es ist die erste Ausgabe, die nicht nur in Buchform, sondern auch digital veröffentlicht wird. Ihr liegt erstmals das in Krakau lagernde Tagebuch-Original zugrunde. Für frühere Bearbeitungen standen nur Kopien zur Verfügung. In diesen waren aber die vielen Seiten, die Humboldt leer gelassen hatte, nicht mitkopiert worden. Doch gerade mit den umfangreichen Leerstellen begründet Literaturwissenschaftler Erdmann seine Neubewertung der Englandreise.

    "Wir haben es hier nicht mit dem genialen Forschungsreisenden zu tun, sondern mit einem jungen Mann, der eben das Schreiben erlernt." Dominik Erdmann, Projekt "Alexander von Humboldt auf Reisen"

    Mammutprojekt Humboldt

    Seit drei Jahren arbeiten Wissenschaftler an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften an der digitalen Edition der Reisemanuskripte von Alexander von Humboldt. Noch 15 Jahre soll es dauern, bis die Ausgabe komplett ist. Doch schon jetzt liefert die Digitalisierung der Texte neue Erkenntnisse.

    "Wir sehen (...) ein neues Humboldt-Bild, das in diesem Sinne eigentlich keinen Vorläufer hatte. Er ist eigentlich kein Universalgelehrter, sondern ein transdisziplinärer Forscher." Ottmar Ette, Projektleiter edition humboldt digital

    Dieses Zwischenfazit begründen Ette und sein Team auch mit den Tagebüchern der Amerikanischen Forschungsreise zwischen 1799 und 1804. Gerade haben sie deren ersten Band digital veröffentlicht. Darin ist nachzulesen, wie Humboldt seine Methoden während der Reise weiter entwickelte.

    "Zu Beginn der amerikanischen Forschungsreise ist er ein Lernender. Er muss erst die unterschiedlichen Geräte, Gerätschaften, Instrumente und so weiter ausprobieren und versucht dann, die Ergebnisse aufeinander zu beziehen. Dabei wird er zugleich auch vom Naturwissenschaftler zu einem, der kulturwissenschaftliche Fragestellungen sehr stark behandelt." Ottmar Ette

    Vernetztes Denken

    Humboldt dachte nach Überzeugung von Ette vor gut 200 Jahren bereits so vernetzt, als habe er das Internet schon im Kopf gehabt. Das zeige die humboldtsche Art zu Schreiben, wie sie auf den Scans der bis zum Rand beschriebenen Original-Blätter bestaunt werden kann - mit überbordenden Anmerkungen und wiederum Notizen zu diesen Anmerkungen.

    "Hätte Humboldt einen Laptop gehabt, hätte er natürlich auch ganz anders geschrieben. Aber seine Schreibweise ist eigentlich eine, die sich in das Netzzeitalter hervorragend einfügt. Es ist eine Schreibweise, die die Vernetzungen, Verlinkungen, das Hypertext-Verhältnis immer ins Zentrum rückt und dadurch eigentlich erst ein vernetztes Wissen erzeugt." Ottmar Ette