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Albatrosse jagen Wilderer: Wächter der Ozeane auf zwei Schwingen | BR24

© picture-alliance/Mary Evans Picture Library

Albatrosse jagen Fischerbooten hinterher und können, ausgestattet mit Sendern, so auf illegale Fischerei aufmerksam machen.

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Albatrosse jagen Wilderer: Wächter der Ozeane auf zwei Schwingen

Diese Vögel gieren nach Fisch: Albatrosse fliegen mit ihren riesigen Schwingen extreme Strecken übers Meer. Ausgestattet mit Sensoren und Sendern können sie helfen, illegale Fischerei zu bekämpfen. Und retten sich dabei selbst, wider Willen.

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Fischerboote ziehen den Albatros magisch an, er kann sie über 30 Kilometer Entfernung orten und folgt ihrem Kielwasser, in dem er reiche Beute macht: etwa den Beifang, der von Bord der Boote geworfen wird. Für dieses Festmahl legen Albatrosse unglaublich weite Strecken zurück.

Ein kleiner Rucksack für den Wander-Albatros

Genau das haben sich französische Forscher um Henri Weimerskirch vom Forschungszentrum CNRS an der Université de la Rochelle in Villiers en Bois (Frankreich) zu Nutzen gemacht: In einem ersten Versuch gaben sie 169 Albatrossen ein kleines Päckchen mit auf die Reise übers Wasser. Die Tiere wurden mit je einem GPS-Sender und einem Radardetektor ausgestattet. Diese Geräte wiegen etwa 65 Gramm. Für einen Wander-Albatros, der bis zu sieben Kilogramm schwer sein kann, ist das also etwa so viel wie für uns eine gut bestückte Handtasche.

💡 Albatros oder Albatross?

Es sind zwar die Albatrosse, doch ein einzelner heißt im Deutschen nur Albatros. Albatross ist die englische Schreibweise.

Geräte zum Aufspüren illegaler Fischerei

Der Radardetektor, der mit den Albatrossen unterwegs war, ist dabei der Clou an der Sache: Er kann Radarwellen feststellen - und Radar nutzen Schiffe zur Navigation. Der GPS-Sender liefert dann die genauen Koordinaten zu den entdeckten Radarwellen. Den Albatros locken dabei nur Fischerei-Boote oder -Schiffe, anderen Wasserfahrzeugen nähert er sich nicht. Und ob das entdeckte Schiff legal oder illegal fischt, verrät es meist selbst:

Wer legal fischt, meldet sich im automatischen Identifikationssystem AIS, an - einem System, das Wasserfahrzeuge für alle Nutzer sichtbar macht und dadaurch helfen soll, Zusammenstöße zu verhindern. Wer illegal fischt, schaltet sein AIS gerne mal ab, braucht aber weiterhin das Radar zur Navigation. Kamen also Albatros-Daten über ein Schiff, mussten die Forscher nur prüfen, ob an der gesendeten Position auch im AIS ein Fischer gemeldet war. Wenn nicht, handelte es sich wahrscheinlich um illegalen Fischfang.

© C. Matheron/TAAF

Keine 70 Gramm wiegt das Päckchen mit GPS-Sender und Radar-Messgerät, dass den Albatrossen auf den Rücken geschnallt wurde.

170 Tiere haben eine Fläche von der Größe Asiens im Blick

Ein halbes Jahr lang dauerte dieses Pilotprojekt, bis zum Mai 2019. In dieser Zeit lieferten die 169 Albatrosse Daten aus einem Gebiet von fast 50 Millionen Quadratkilometern Größe (mehr als die Fläche Asiens) im südlichen Indischen Ozean - zwischen der Antarktis, Südafrika und Indien.

© Weimerskirch et al./PNAS

Fast 50 Millionen Quadratkilometer im Indischen Ozean wurden mit Albatrossen "überwacht" und viele unidentifizierte Boote entdeckt (rot).

Über ein Drittel illegale Fischerei-Schiffe in internationalen Gewässern

Sie fanden viele Schiffe, die wohl illegal fischten: 37 Prozent der Fischerei-Fahrzeuge, die die Albatrosse in internationalen Gewässern entdeckten, waren nicht im Meldesystem AIS identifizierbar. In den zu den verschiedenen Ländern gehörenden Küstengewässern und der jeweiligen sogenannten Ausschließlichen Wirtschaftszone (bis 200 Seemeilen vor der Küste eines Landes) war der Anteil an nicht identifizierbaren Fischerei-Booten meist deutlich geringer.

Albatrosse als Ozean-Wächter schützen ihren eigenen Lebensraum

Die Albatrosse, unfreiwillige Helfer der Forscher, helfen dabei aber auch sich selbst: In Zeiten von Überfischung und strengen Fangquoten schützt die Jagd nach illegaler Fischerei ihren Lebensraum und ihr eigenes Hauptnahrungsmittel, den Fisch. Aber die Albatrosse werden selbst auch Opfer des illegalen Fischfangs: Sie schnappen sich oft den Köder der kilometerlangen Angelschnüre, die beim Langleinen-Fischfang zum Einsatz kommen, und haben den Köder samt Haken längst geschluckt, wenn die Schnüre in die Tiefe gezogen werden - samt Albatrossen.

© picture-alliance/All Canada Ph

Der Wander-Albatros (Diomedea exulans) erreicht eine Flügelspannweite von mehr als 3,5 Metern. Das ist die größte unter den flugfähige Vögeln.

© picture-alliance/OKAPIA KG, Ge

Er kann fast 120 Zentimeter lang werden und ist damit ähnlich groß wie der Kondor. Bis zu sieben Kilogramm wiegt ein ausgewachsener Vogel.

© picture-alliance/Photoshot

Der Wander-Albatros verbringt bis zu 90 Prozent seines Lebens auf dem offenen Meer. Nur alle zwei Jahre brütet er an Land seinen Nachwuchs aus.

© picture-alliance/Mary Evans Pi

Wander-Albatrosse sind monogam und brüten ihr Leben lang mit dem gleichen Partner. Bis zu 60 Jahre werden die Vögel alt.

© picture-alliance/Frans Lanting

Weltweit gibt es noch 20.000 Wander-Albatrosse (Stand 2020). Tendenz: abnehmend. Daher stehen sie als gefährdet auf der Roten Liste.

Viel über die Ozean-Wächter selbst gelernt

Auch über ihre unfreiwilligen Helfer haben die Wissenschaftler durch das Projekt hinzugelernt. Denn nicht alle Albatrosse eigneten sich gleich gut zum "Ocean Sentinel", zum Wächter des Ozeans. Junge Tiere wagen sich oft nicht nahe genug an die Boote heran, auch wenn der Radardetektor schon aus fünf Kilometern Entfernung "anschlägt". Alte Tiere dagegen bleiben, wenn sie gerade brüten, lieber in Küstennähe. Generell zeigte sich, dass insbesondere der Wander-Albatros zum Ozean-Wächter taugt, weil diese Art sehr weit fliegt und nahe an die Fischer herangeht.

Quelle:

© BR

Kein anderes Tier reist so schnell so weit wie ein Albatros. In wenigen Wochen umrundet er die Welt, fast ohne einen Flügelschlag. Muss er zum Brüten festen Boden suchen, dann oft auf Bird Island.