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Aids: Zweiter HIV-Patient nach Stammzell-Behandlung virenfrei | BR24

© MEV/Bernd Müller

Mikrokryocontainer für biologische Proben

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    Aids: Zweiter HIV-Patient nach Stammzell-Behandlung virenfrei

    Zum zweiten Mal weltweit ist ein Fall bekannt geworden, nachdem ein HIV-Patient nach einer Stammzellen-Transplantation virenfrei ist. Bei dem Patienten wurden seit 19 Monaten keine HI-Viren mehr nachgewiesen, so das Fachmagazin Nature.

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    Zum zweiten Mal weltweit ist ein HIV-Patient nach einer Stammzellen-Transplantation virenfrei. Dem auch an Blutkrebs erkrankten Mann waren demnach Stammzellen eines Knochenmark-Spenders mit einer seltenen genetischen Veränderung transplantiert worden. Bei dem "Londoner Patienten" gebe es nun seit fast 19 Monaten kein Anzeichen des Aids-Virus.

    Erster erfolgreicher Fall: Der „Berliner Patient“

    Einen ähnlichen Fall hatte es vor 12 Jahren gegeben. Timothy Ray Brown gilt seit 2008 als der erste und bisher einzige von einer HIV-Infektion geheilte Mensch. Besser bekannt als "Berliner Patient", hatten ihn damals Ärzte an der Berliner Charité behandelt.

    Londoner Ärzte nutzten gleiche Methode wie in Berlin

    Die Londoner Ärzte behandelten den jetzt beschriebenen Patienten nach dem gleichen Prinzip wie damals die Berliner Kollegen. Sie wollen jedoch nicht vorzeitig von einer dauerhaften Heilung sprechen, weil die Studienlage noch sehr dünn sei. Zudem wurden die Stammzellen-Transplantationen eigentlich durchgeführt, um zusätzliche Krebserkrankungen bei dem Patienten zu bekämpfen.

    Stammzellen des Spenders sind resistent gegen HIV-Vieren

    Der HIV-Patient des aktuellen Fallberichts war an einem Lymphdrüsenkrebs, dem Hodgin-Lymphom, erkrankt, für dessen Therapie die Ärzte Knochenmark transplantierten. Der ausgewählte Spender der Stammzellen trug eine genetische Veränderung in sich, die ihn resistent gegen eine HIV-Infektion macht. Auch deutsche Wissenschaftler betonten am Dienstag, der neue Bericht habe eine große Bedeutung, mahnten aber zur Vorsicht. "Wiederholbarkeit ist ein entscheidendes Kriterium wissenschaftlicher Evidenz", sagte der Direktor der Abteilung Virologie am Universitätsklinikum Heidelberg, Hans-Georg Kräusslich.

    Transplantation kann keinen grundsätzliche HIV-Therapie werden

    Auch zukünftig werde aber die Transplantation mit Stammzellen keine Option für die Heilung der HIV-Infektion darstellen, wenn die Transplantation nicht durch andere Grunderkrankungen erforderlich sei. Es handele sich um einen massiven Eingriff, der "angesichts einer in der Regel gut verträglichen und langfristig wirksamen antiviralen Therapie nicht vertretbar wäre, wenn er nicht aus anderen medizinischen Gründen indiziert wäre".

    Berliner Modell: HIV-Patienten nach 2008 leider gestorben

    Gero Hütter, 2008 behandelnder Arzt des "Berliner Patienten", verwies darauf, dass seit der erfolgreichen Transplantation bei Timothy Ray Brown versucht werde, diesen Fall zu reproduzieren. "Leider sind einige der Patienten, die die gleiche Behandlung erhalten hatten, früh an Komplikationen oder Rückfällen ihrer Krebserkrankung verstorben.

    Endgültige Methode gegen HIV noch völlig unklar

    "Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI), Gerd Fätkenheuer, erklärte, der Bericht zeige, dass die Heilung des Berliner Patienten kein singuläres Ereignis gewesen, sondern prinzipiell wiederholbar sei. Er gebe den Wissenschaftlern Auftrieb, die nach Wegen zu einer Heilung von HIV suchten. "Allerdings ist noch völlig unklar, welche Methoden hier am Ende erfolgreich sein können."

    UN: Weltweit 37 Millionen Menschen mit HIV infiziert

    Weltweit leben nach Angaben der UN-Organisation UNAIDS fast 37 Millionen Menschen mit HIV, davon mehr als zwei Millionen, die unter 15 Jahre alt sind. Fast zwei Drittel der HIV-Infizierten leben in Afrika südlich der Sahara. Knapp die Hälfte von ihnen werden mit antiretroviralen Medikamenten behandelt, um das Virus im Blut zu unterdrücken. UN-Experten zufolge wissen 25 Prozent aller Infizierten nicht, dass sie HIV-positiv sind. Das sind 9,4 Millionen Menschen weltweit.

    HIV und Aids nehmen in Osteuropa und Asien zu

    Sorgen bereitet den Experten die Entwicklung in Osteuropa und Teilen Asiens, wo die Fälle von HIV und Aids zunehmen. Hier wurde eine Zunahme von 120.000 im Jahr 2010 auf rund 190.000 HIV-Fälle im Jahr 2016 verzeichnet. In Russland hat sich mehr als 0,5 Prozent der Bevölkerung mit HIV angesteckt. Das sind knapp eine Million Russinnen und Russen.