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Berberaffe (Macaca sylvanus) fletscht die Zähne.
© Dr. Martin Woike/OKAPIA
© Dr. Martin Woike/OKAPIA

Berberaffe (Macaca sylvanus) fletscht die Zähne.

Die Affen-Überreste sind die "ersten Fossilnachweise von Altweltaffen aus der Familie der Meerkatzenverwandten im Nordseegebiet", heißt es in der Pressemeldung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN). Ralf-Dietrich Kahlke von der SGN und zwei niederländische Kollegen haben die Funde untersucht und schätzen, dass das jüngste gefundene Fossil, ein Unterkieferfragment mit Weisheitszahn, aus der Eem-Warmzeit von vor 126.000 bis 115.000 Jahren stammt. Die beiden anderen Stücke seien aufgrund ihrer intensiven Mineralisation vermutlich noch deutlich älter, sagt Professor Jelle W.F. Reumer von der Universität Utrecht und Leiter des niederländisch-deutschen Wissenschaftlerteams. Die Ergebnisse wurden 2018 in der Revue de Paléobiologie veröffentlicht

Linker oberer Eckzahn der fossilen Makakenart vom Nordseegrund

Linker oberer Eckzahn der fossilen Makakenart vom Nordseegrund

Die Nordsee - Fernglas in Europas Vergangenheit

Im Nordseeboden wurden schon viele Skelettreste von Landsäugetieren gefunden: Fellnashörnern, Breitstirnelchen, Höhlenlöwen und Waldelefanten. Und auch mindestens 50.000 Mammut-Backenzähnen, schätzt Dick Mol, Natuurhistorisch Museum Rotterdam. Damit ist der Nordseeboden eine der bedeutendsten Fundstellen für die Rekonstruktion des Lebens im eiszeitlichen Europa. Die Funde zeigen auch, dass in der Eiszeit weite Teile der Nordsee immer wieder verlandeten. Die nun gefundenen Makaken-Knochen weisen zudem darauf hin, dass es nicht nur Festland, sondern auch Bäume statt Wasser gegeben haben muss. Felsen, wie sie Makaken heutzutage bevorzugen, gab es in der Urzeit noch nicht. Wie sich Land und Wasser in der Eiszeit abwechselten:

"Erst mit dem Abschmelzen der eiszeitlichen Gletscher wurde der Raum der heutigen Nordsee geflutet und der Ärmelkanal öffnete sich zu einem Meeresarm. Vor dieser Zeit wurde die Topographie Nordwest-Europas vor allem durch veränderliche Meeresspiegelstände gestaltet, die wiederum von den klimatischen Verhältnisse bestimmt wurden. Durch die Bindung immenser Wassermengen in den eiszeitlichen Gletschern sank der Meeresspiegel zur Zeit der Maximalvereisung der letzten Kaltzeit vor reichlich 20.000 Jahren um bis zu 120 Meter. Auch große Teile der heutigen Nordsee fielen trocken und konnten von der Festlandsfauna besiedelt werden. Deren Fossilien finden wir heute im Meeresboden. Ähnliche Ereignisse gab es auch in früheren Perioden." Ralf-Dietrich Kahlke, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung