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Aerosole in Räumen: Helfen Nano-Luftfilter gegen Corona? | BR24

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Etwa beim Sprechen oder Singen ausgestoßene Aerosole gelten als ein Treiber von Corona-Infektionen.

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Aerosole in Räumen: Helfen Nano-Luftfilter gegen Corona?

Aerosole gelten als Problem bei der Corona-Verbreitung. Die Tröpfchen, die etwa beim Sprechen ausgestoßen werden, können andere anstecken. An der Münchner Bundeswehr-Universitäten wird nach technologischen Lösungen für geschlossene Räume gesucht.

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Von
  • Frank Bäumer

Mit Hochleistungslasern gefährlichen Tröpfchen auf der Spur. An der Universität der Bundeswehr in München erforschen Physiker, wie sich Tröpfchen, die den Covid-19-Erreger übertragen können, in der Luft verhalten. Tröpfchen, die eine mit dem Coronavirus infizierte Person beim Sprechen ausstößt, und möglicherweise auch kleinere Schwebeteilchen, die Aerosole, spielen bei der Verbreitung des Erregers eine zentrale Rolle.

So waren vermutlich auch mit Coronaviren belastete Aerosole verantwortlich für die Masseninfektionen in der fleischverarbeitenden Industrie. Doch möglicherweise lässt sich das Problem der kontaminierten Luft in geschlossen Räumen in den Griff bekommen: Mit Hightech-Luftfiltern.

Die Strömungsforscher der Bundeswehruniversität wollen in einer aktuellen Versuchsreihe mit einem neuen Hochleistungsfilter herausfinden, ob sich damit die Gefahr einer Covid-19-Infektion durch Schwebeteilchen in der Luft auf ein unbedenkliches Maß absenken lässt:

Also wir haben versucht, hier die Situation nachzustellen, die man auch in der Realität häufig vorfindet, also zum Beispiel in Restaurants, in der Schule, aber auch in der fleischverarbeitenden Industrie oder einfach in Supermärkten oder Baumärkten. Das heißt ein gewisser Raum, mit einer Größe, die kontaminiert ist mit Aerosolpartikeln, und wir stellen die Situation nach, dass wir eben sehr viele Aerosolpartikel in der Luft haben. Prof. Christian J. Kähler, Universität der Bundeswehr München

Die Wirkung der Luftfilter und die Verteilung der Schwebeteilchen in dem rund 80 Quadratmeter großen Versuchsraum wollen die Wissenschaftler mit Hilfe von Lasern genau beobachten. US-Forscher schätzen laut einer aktuellen Studie, dass eine infizierte Person beim normalen Sprechen pro Minute mindestens tausend virusbelastete Tröpfchen ausstößt, die in unbelüfteten Räumen danach mehr als acht Minuten in der Luft verbleiben. Die Messung beginnt.

Problematisch sind vor allen Dingen größere Tröpfchen mit mehreren Mikrometern Durchmesser. Sie enthalten deutlich mehr Viren, und verdunsten auch nicht so schnell, wie kleinere Aerosolpartikel.

Erste Testergebnisse belegen eine extrem gute Leistung:

Dieses Gerät schafft etwa 3500 Kubikmeter Luft zu filtern, in einer Stunde, das heißt, wenn wir eine Raumgröße haben, wie wir sie hier gerade betreten haben, dann schaffen sie ungefähr acht Luftwechsel problemlos. Prof. Christian J. Kähler, Universität der Bundeswehr München

Auch die Filterleistung ist sehr gut: Das Gerät wäscht weit über 99 % aller potentiell gefährlichen Partikel bis zu einer Größe von 0,1 Mikrometer aus der Luft, zudem werden die im Filter verblieben Keime durch Hitze abgetötet. Das Fazit der Forscher:

Die Grundlastabnahme oder die Virenlastabnahme am Beginn ist sehr, sehr stark, das heißt man kriegt sehr schnell eine Umgebungsbedingung hin, die wieder sicher ist. Und es gibt kleine Bereiche in den Ecken, da dauert es sehr lang, bis die die draußen ist, da sollte man nicht gerade die Spielecke für die Kinder hinsetzen. Prof. Christian J. Kähler, Universität der Bundeswehr München

Solche Hightech-Luftfilter können laut den Messergebnissen der Strömungsforscher Räume tatsächlich von einer gefährlichen Virenlast befreien. Trotzdem empfehlen sie aber auch, nicht auf Masken zu verzichten, wenn sich Menschen darin nahe beieinander aufhalten: Sie lenken den Luftstrom beim Ausatmen nach oben oder zur Seite, und verhindern so, dass anderen Personen der dabei entstehenden Aerosolwolke direkt ausgesetzt werden.

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