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Ablenkung im Straßenverkehr - eine oft unterschätzte Gefahr | BR24

© BR/Sylvia Bentele

Ablenkung am Steuer als Unfallursache

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    Ablenkung im Straßenverkehr - eine oft unterschätzte Gefahr

    Der tödliche Unfall, bei dem eine Frau aus dem fahrenden Auto gefallen ist, war sicher ein besonders tragisches und extrem seltenes Ereignis. Viele andere Unfälle dagegen wären vermeidbar, wenn die Fahrer nicht abgelenkt gewesen wären.

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    Die Polizei geht davon, dass es sich bei dem tödlichen Unfall auf der Autobahn München-Lindau nahe Schöffelding um einen Unfall handelt. Die 28-Jährige war von den Vordersitzen des Vans nach hinten geklettert, um nach dem Säugling zu sehen, der dort lag. Dabei dürfte sie an den Griff der Schiebetür gekommen sein. Dadurch öffnete sich die Tür, die Frau fiel auf die Fahrbahn. Sicherlich ein ebenso tragischer wie seltener Fall. Viel häufiger kommt es dagegen zu Unfällen wegen Ablenkung.

    Ablenkung statt Rasen oder Alkohol als Unfallursache

    Beim Autofahren sollte es selbstverständlich sein, dass der Fahrer seine volle Aufmerksamkeit dem Straßenverkehr widmet. Schließlich hängt sein Leben und das Leben anderer von seinem Verhalten ab. Leider sieht die Wirklichkeit anders aus.

    Waren bisher "zu schnelles Fahren" oder "Alkohol am Steuer" die hauptsächlichen Unfallursachen, ist es laut dem Automobilclub "Mobil in Deutschland" heute die Ablenkung, besonders durch das Smartphone. Und das mit stetig wachsendem Trend.

    Mobiltelefon als häufigste Ablenkung beim Autofahren

    Besonders junge Leute lassen sich durch ihr Mobiltelefon ablenken. Telefonieren, Lesen und Tippen auf dem Handy ist Alltag im Straßenverkehr. Bei einer Befragung der Allianz von 600 Autofahrern in Deutschland, Österreich und der Schweiz gaben 40 Prozent der jungen Fahrer (18 – 24 Jahre) an, während des Fahrens Textnachrichten und E-Mails zu lesen - insgesamt waren es 30 Prozent der Befragten. Und über 40 Prozent der Befragten gaben zu, während des Fahrens mit dem Handy zu telefonieren. (Studie der Allianz "Ablenkung im Straßenverkehr – Die unterschätzte Gefahr", 2011) Bei einer Online-Umfrage des Automobilclubs "Mobil in Deutschland" gaben 46,6 Prozent der Teilnehmer zu, dass sie ihr Handy nutzen.

    Dabei gehen Verkehrsforscher davon aus, dass das Unfallrisiko beim Telefonieren am Steuer um das Zwei- bis Fünffache steigt. Als weitere Gefahrenquellen benennen die Experten der Allianz Ablenkung durch Navigationsgeräte und Informationssysteme, optische und akustische Geräte und Medien.

    Ablenkung durch Kinder besonders schwierig zu vermeiden

    An Platz sechs sehen sie die Ablenkung durch Kinder. Diese sei aber besonders schwierig auszublenden, sagt Christoph Lauterwasser, Geschäftsführer im Allianzzentrum für Technik. Bei vielen Ablenkungsquellen sei es so, dass sie selbstbestimmt initiiert würden, zum Beispiel das Navi bedienen. Bei den Kindern passiere häufig etwas plötzlich und nicht selbstbestimmt, unabhängig von der Verkehrssituation. Dann gebe es gerade bei kleineren Kindern sehr viele Kontrollblicke, die natürlich auch die Aufmerksamkeit nach vorne reduzieren.

    "Kinder sind immer etwas sehr Emotionales, wenn die Kinder auf dem Rücksitz schreien, etwas verschütten oder sich ärgern, dann ist man schnell mental auch abgelenkt und ist spontan dazu geneigt zu reagieren, das heißt, sich abzuwenden vom Straßenverkehr, sich umzudrehen, auch in den Rückspiegel zu blicken. Das ist situativ eben nicht an die Verkehrssituation angepasst." Christoph Lauterwasser, Geschäftsführer im Allianzzentrum für Technik

    Wissenschaftler am CAR Center der Universität Duisburg Essen fanden heraus, dass sich Mütter und Väter im Schnitt einmal pro Minute zu ihren Kindern umdrehen und so viele Meter praktisch im Blindflug zurücklegen.

    Bei der Studie wertete der Wirtschaftspsychologe Stephan Pabst halbstündige Fahrten von rund 60 Fahrern mit und ohne Kind auf der Rückbank aus und befragte die Eltern. Er kam zum Schluss, dass die Ablenkung durch Kinder vergleichbar ist mit dem Aufmerksamkeitsverlust durch das Mobiltelefon. Häufig würden Autofahrer den Kindern etwas reichen, zum Beispiel etwas zu Essen. Nur fünf Prozent der Probanden hätten es geschafft, mit ihren Kindern zu reden ohne den Blick von der Straße zu nehmen. Dabei legt ein Auto bereits bei Tempo 50 in einer Sekunde fast 15 Meter zurück.

    Dringender Rat: Nur im Stand nach den Kindern schauen

    Pabst ist selbst Vater von drei Kinder. Um das Sicherheitsrisiko bei Autofahrten zu entschärfen schlägt er vor, die Fahrt vorher zu planen und für Essenspausen anzuhalten. Auch wenn ein Kontrollblick nötig ist, rät er Autofahrern dringend, dafür bei nächster Gelegenheit anzuhalten. Vor allem bei Kleinkindern würden sich Eltern oft grundlos umdrehen: "Eltern müssen sich klarmachen: Wenn das Kind ruhig ist, ist auch alles in Ordnung."