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Vor 75 Jahren begann die Potsdamer Konferenz. Die USA, Großbritannien und die Sowjetunion vereinbarten darin kurz nach der Kapitulation der Nationalsozialisten die europäische Nachkriegsordnung. Das Ereignis markiert den Beginn des Kalten Krieges.

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75 Jahre Potsdamer Konferenz: Ringen um die Nachkriegsordnung

Vor 75 Jahren begann die Potsdamer Konferenz. Die USA, Großbritannien und die Sowjetunion vereinbarten darin kurz nach der Kapitulation der Nationalsozialisten die europäische Nachkriegsordnung. Das Ereignis markiert den Beginn des Kalten Krieges.

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Von
  • Julio Segador

Manchmal macht sogar ein Blumenbeet Politik. Wer heute das Potsdamer Schloss Cecilienhof besucht, dessen Blick fällt im Innenhof erst einmal auf einen riesigen roten Stern aus Geranien – der Sowjetstern. Gärtner hatten ihn vor 75 Jahren zum Beginn der Potsdamer Konferenz angelegt. Es war der floristische Gruß des sowjetischen Diktators Josef Stalin an den britischen Premierminister Winston Churchill und US-Präsident Harry S. Truman. Damit verbunden die klare Botschaft an beide, wer der Hausherr war.

Stalin als Hausherr in Schloss Cecilienhof

Weil Berlin in Trümmern lag, wählten die Sowjets das Potsdamer Schloss – das in ihrer Besatzungszone lag – als Tagungsort aus. In Rekordtempo wurde es von deutschen Zwangsarbeitern auf Hochglanz gebracht. Das Foto, das die "Großen Drei" Truman, Churchill und Stalin vor Beginn der Konferenz beim "Handshake" zeigte, sollte Optimismus vermitteln, doch ganz so harmonisch verlief das Ringen um einen dauerhaften Frieden nicht. Die Interessen der drei Siegermächte lagen weit auseinander.

Deutschlands Ostgrenze als Zankapfel

Die USA strebten als Nachkriegsordnung eine globale Friedensordnung an, die Briten hatten vorrangig ein Gleichgewicht der Kräfte auf europäischem Boden im Blick, Stalin wollte möglichst viel Sicherheit für die Sowjetunion. Das hieß für ihn: die Ausweitung des eigenen Einflussbereiches. Konkret die Festschreibung der Grenzen aus dem sogenannten Hitler-Stalin-Pakt. So kam es auch: Königsberg und Teile Ostpreußens wurden unter sowjetische Verwaltung gestellt. Die Gebiete östlich der sogenannten Oder-Neiße-Linie landeten unter polnischer Verwaltung, was US-Präsident Harry Truman als vorläufige Regelung betrachtete:

"Die endgültige Festlegung der Grenzen wurde nicht in Berlin getroffen. Das soll in einem Friedensvertrag geregelt werden." US Präsident Harry S. Truman am 9.8.1945 in seiner Radioansprache zur Potsdamer Konferenz

Der Friedensvertrag sollte aber noch lange auf sich warten lassen. Völkerrechtlich verbindlich anerkannt wurde die deutsche Ostgrenze erst 1990 nach den Zwei-Plus-Vier-Verhandlungen.

Winston Churchill wird mitten in der Konferenz durch Clement Attlee ersetzt

Gut zwei Wochen zogen sich die Verhandlungen im Potsdamer Schloss hin, die Stimmung wurde täglich schlechter. Churchill misstraute Stalin. Doch der britische Premier musste noch während der Konferenz abreisen. Er hatte die Unterhauswahlen verloren. Clement Attlee ersetzte ihn.

In der Potsdamer Erklärung einigten sich die Siegermächte darauf, Deutschland in vier Besatzungszonen aufzuteilen. Die Ostgrenze wurde festgelegt. Dazu sollte das Land entnazifiziert, demilitarisiert und demokratisiert werden, wenngleich die USA und die Briten darunter etwas Anderes verstanden als die Sowjets. Ähnlich war es beim Thema Reparationen, also den Entschädigungen für die Kriegsfolgen.

Der spätere SPD-Politiker Egon Bahr arbeitete unmittelbar nach dem Krieg bei der Berliner Zeitung. Für ihn war wichtig, dass die geplante Zerschlagung Deutschlands - wie sie noch zuvor diskutiert wurde - vom Tisch war.

"Wir haben in der Redaktion überhaupt nichts mitbekommen; und wir haben nur das Ergebnis gelesen. Und ich weiß genau, wie ich darauf reagiert habe. Nämlich erleichtert, dass wir nie wieder Krieg machen dürfen, keine Wehrmacht haben dürfen, keine Waffen produzieren dürfen. Aber das Wichtigste war: Deutschland wird als Einheit behandelt." Egon Bahr

Die Potsdamer Konferenz als Keim des Kalten Krieges

Doch die Absicht der Siegermächte, Deutschland als Einheit zu behandeln – wirtschaftlich und politisch – scheiterte. Die Potsdamer Erklärung sah zwar nicht die Teilung Deutschlands vor. Sie trug aber bereits deren Keim - meint der Historiker Professor Hermann Wentker von der Universität Potsdam: "Das Problem war nur, dass die Vereinbarungen über Deutschland unterschiedliche Entwicklungen in den westlichen und in der sowjetischen Besatzungszone einleiten. Und hinzu kam dann der ab 1946/47 sich entfaltende Kalte Krieg, der in Deutschland ja dann die Entstehung der Bundesrepublik und der DDR zur Folge hatte."

Nach den zwei Wochen auf Schloss Cecilienhof trennten sich die Wege der "Großen Drei". Zu einer gemeinsamen Besatzungspolitik von Briten, Amerikanern und Sowjets kam es nicht, ebenso wenig zu einer europäischen Friedensordnung. Die deutsche Teilung nahm ihren Lauf. Dennoch haben wesentliche Beschlüsse der Potsdamer Konferenz bis heute gehalten: Die Grenzen von damals sind heute völkerrechtlich verbürgt. Und auch die Veränderung der politischen Kultur in Deutschland ist ein Erfolg, der ohne die Potsdamer Konferenz vermutlich nicht möglich gewesen wäre.

Die Potsdamer Konferenz als Start des Atomzeitalters

Hinter den Kulissen bestimmte noch ein anderes Thema die Potsdamer Konferenz. Einen Tag vor Beginn der Verhandlungen erhielt US-Präsident Truman Nachricht über den erfolgreichen Test einer Atombombe. Vermutlich noch im Laufe des Treffens auf Schloss Cecilienhof gab Truman grünes Licht für den Einsatz der Bombe in Japan. Am 6. August 1945 – nur vier Tage nach dem Ende der Potsdamer Konferenz – traf die erste Atombombe Hiroshima. Drei Tage später verwüstete ein zweite nukleare Bombe Nagasaki. Daraufhin kapitulierte Japan. Der Zweite Weltkrieg war endgültig Geschichte.

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© BR/Yvonne Maier
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Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg? Darüber berieten im Sommer 1945 die Siegermächte USA, Großbritannien und Sowjetunion in Potsdam. Die Konferenz stand im Zeichen wachsender Spannungen zwischen Ost und West.