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50 Jahre Kunstherz: Von der großen Maschine zur Minipumpe | BR24

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Viele Patienten warten vergeblich auf ein Spenderorgan. Technische Lösungen aus dem Labor könnten ein Ausweg sein: Künstliche Lunge und Kunstherz - mit möglichst geringen Risiken und Nebenwirkungen.

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50 Jahre Kunstherz: Von der großen Maschine zur Minipumpe

Viele Patienten warten vergeblich auf ein Spenderherz. Eine künstliche Pumpe ist zumindest für eine Überbrückungszeit ein Ausweg. Aber Forscher arbeiten längst an Kunstherzen, die viele Jahre lang funktionieren - leise, kabellos.

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Für viele Menschen ist die Vorstellung, mit einem künstlichen Herzen zu leben, befremdend und faszinierend zugleich. Technisch gesehen ist das menschliche Herz nicht viel mehr als eine Pumpe mit Zufluss und Abfluss, die den Blutkreislauf in Schwung hält. Aber noch gibt es kein System, das dem menschlichen Herzen wirklich gleichkäme, obwohl seit Jahrzehnten daran geforscht wird.

Die erste Kunstherz-Implantation am 4. April 1969

Die erste Kunstherz-Implantation fand am 4. April 1969 statt, am Texas Heart Institute in Houston, USA, vor genau fünfzig Jahren. Sie wurde von dem Herzchirurgen Denton A. Cooley vorgenommen. Für den 47-jährigen Patienten Haskell Karp stand zu diesem Zeitpunkt kein Spenderherz zur Verfügung. Cooley setzte ihm ein Kunstherz, eine künstliche Pumpe, ein, das nach 65 Stunden durch ein natürliches Herz ersetzt wurde. Kurz nach der Herztransplantation verstarb Karp an einer Infektion.

Das erste künstliche Herz - groß und laut wie ein Kühlschrank

Die Technik der ersten Entwicklungen war damals noch nicht ausgereift. Die Begleitgeräte, die das Kunstherz in der Brust antrieben, waren extrem laut und so groß wie ein Kühlschrank. Zwölf Jahre später, 1981, hatte der Tüftler Robert Jarvik schon ganz andere Vorstellungen von Kunstherzen. Er forschte an einem tragbaren Kunstherzen, das elektrisch angetrieben wird.

Schwierige Anfänge in der Kunstherztechnik

Am 2. Dezember 1982 pflanzte Chirurg William DeVries im Krankenhaus der University of Utah in Salt Lake City dem schwer herzkranken 62-jährigen Zahnarzt Barney Clark das weltweit erste dauerhafte Herzimplantat namens Jarvik-7 ein. Clark überlebte 112 Tage. Am 25. November 1984 wurde dem US-Amerikaner William J. Schroeder in Kentucky ein Kunstherz ebenfalls vom Typ Jarvik-7 implantiert, mit dem er 620 Tage überlebte. In Deutschland trieb der Herzchirurg und Wissenschaftler Emil Bücherl die Entwicklung voran: Seit den 1960er-Jahren tüftelte er am "Berliner Kunstherz", das er 1979 zum ersten Mal einem Menschen einsetzte. Es diente kurzfristig zur Unterstützung seines Blutkreislaufs.

Kunstherz - Alternative für ein Spenderherz auf Zeit

Mittlerweile werden in Deutschland etwa tausend Kunstherzen pro Jahr implantiert, Tendenz steigend, weil Organspenden fehlen. Heute dient das Kunstherz hauptsächlich als Ergänzung des natürlichen Herzens. Es wird vor allem als Überbrückungsmaßnahme eingesetzt, solange ein Patient auf ein Spenderherz wartet. Die handtellergroßen Kunstherzen sind aus Edelstahl, wiegen etwa 250 Gramm und sind somit leichter als ein menschliches Herz. Sie eignen sich inzwischen auch bei manchen Patienten für den Dauerbetrieb über mehrere Monate und sogar Jahre.

50 Jahre Kunstherz: Abendschau - Der Süden | 04.04.2019 um 17.30 Uhr

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Vor 50 Jahren wurde in Texas das weltweit erste Kunstherz implantiert. Damals noch als Überbrückung bis zum Einsetzen eines Spenderorgans gedacht, leben heute immer mehr Patienten dauerhaft damit. Einer hat uns seine Geschichte erzählt.