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28 Infizierte: Kölner Krankenhaus-Keim ist lebensbedrohlich | BR24

© picture alliance/BSIP

Pseudomonas aeruginosa ist als Krankenhauskeim bekannt und sorgt nun auch in einer ambulanten medizinischen Einrichtung in Köln für Aufruhr.

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    28 Infizierte: Kölner Krankenhaus-Keim ist lebensbedrohlich

    Der Erreger "Pseudomonas aeruginosa" ist als Krankenhauskeim bekannt. Jetzt haben sich offenbar in einer Kölner Radiologiepraxis 28 Patienten damit angesteckt. Ein Mann ist verstorben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

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    Die Ärzte der niedergelassenen radiologischen Praxis haben nach Angaben der Stadt Köln selbst die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Sie wollen klären, ob in ihrer Praxis der gefährliche Krankenhauskeim Pseudomonas aeruginosa übertragen wurde.

    Patienten erkranken an Hirnhautentzündung

    Zwischen Januar und März 2019 haben die Ärzte fast dreihundert Patienten mit Spritzen behandelt. Es war an sich eine harmlose Behandlung für Patienten, die mit Rückenproblemen kamen. Ihnen wurden via Nadel Schmerzmittel und Entzündungshemmer in die Nähe der Wirbelsäule gespritzt. 28 der Rückenpatienten erkrankten in der Folge an einer lebensgefährlichen Hirnhautentzündung. Ein 84-jähriger Mann musste nach der Behandlung notoperiert werden und starb kurze Zeit danach an Multiorganversagen.

    Keime könnten sich wegen Hygieneproblemen ausgebreitet haben

    Das Gesundheitsamt geht jetzt der Frage nach, ob alle betroffenen Patienten mit demselben Bakterienstamm infiziert sind und ob dieser wirklich in der Kölner Praxis übertragen wurde. Experten vermuten unter anderem, dass ein Hygieneproblem die Ursache ist. Der Erreger könnte sich in einer Injektionslösung vermehrt haben, die längere Zeit offen stand.

    "Dieser Verdacht liegt schon sehr nahe, weil es eben so viele Patienten sind, bei denen die gleiche Maßnahme durchgeführt worden ist. Das kann aus der Infusionslösung oder Injektionslösung kommen. Das kann auch von den benutzten Materialien kommen." Gerd Fätkenheuer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie

    Der Erreger Pseudomonas aeruginosa ist weit verbreitet

    Der Keim kommt überall vor, wo es nass ist: in feuchten Böden, Seen, Flüssen, im Spülschwamm und auch im Leitungswasser. Im Alltag stellt der Erreger keine große Bedrohung dar, weil unser Immunsystem mit den geringen Mengen, die in der Regel aufgenommen werden, gut zurechtkommt.

    Das Bakterium kann eitrige Infektionskrankheiten auslösen

    Pseudomonas aeruginosa ist ein Bakterium, das unter dem Mikroskop wie ein kleines Stäbchen aussieht. Aerugo ist lateinisch und bedeutet Grünspan. Der Name kommt von der blau-grünen Färbung des Eiters, der bei eitrigen Infektionskrankheiten entsteht. Der Erreger kann beispielsweise Harnwegs- und Wundinfektionen auslösen.

    Größere Mengen des Erregers in der Blutbahn können lebensgefährlich sein

    Gefährlich wird Pseudomonas aeruginosa, wenn es beispielsweise über einen Nadelstich in die Blutbahn gerät. Das geschieht in der Regel in Krankenhäusern. Der Erreger ist für etwa ein Zehntel aller Infektionen mit Krankenhauskeimen verantwortlich. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann er beispielsweise zu Lungenentzündungen führen. Im schlimmsten Fall kommt es auch zu einer sogenannten Blutstrominfektion. Diese Art von Blutvergiftung verläuft häufig tödlich.

    Pseudomonas aeruginosa lässt sich mit Antibiotika bekämpfen

    Da der Erreger weit verbreitet ist und sogar im Trinkwasser vorkommt, hat er schon einige Resistenzen gegen Antibiotika entwickelt. Trotzdem gibt es durchaus noch Antibiotika, die wirken.

    "Für die Behandlung sind eine frühzeitige Diagnose und der Einsatz effektiver Antibiotika von großer Bedeutung. Wenn keine Resistenzen bestehen, kommt zur Therapie von Pseudomonas-Infektionen eine Handvoll Antibiotika infrage. Beim vorliegenden Ausbruch wurden meines Wissens keine resistenten Bakterien gefunden, die Behandlungsmöglichkeiten sind damit grundsätzlich gut." Gerd Fätkenheuer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie

    Die Weltgesundheitsorganisation WHO ruft Regierungen und forschende Pharmaunternehmen dazu auf, weitere Medikamente gegen den Erreger Pseudomonas aeruginosa zu entwickeln.

    Angehörige der Erkrankten können sich nicht anstecken

    Für andere Personen, auch für Menschen, die in direktem Kontakt mit den Erkrankten stehen, besteht keine Gefahr, so die Experten. Infektionen mit dem Keim treten in Kliniken und Praxen in Europa immer wieder auf, allerdings sind meist nur wenige Personen betroffen.

    Genaue Kenntnis der Abläufe erleichtert künftig die Vorsorge

    Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene hat den Fall als "schwersten Ausbruch mit diesem Erreger in einer ambulanten medizinischen Einrichtung überhaupt" bezeichnet. Deshalb ist es wichtig, nun genau zu rekonstruieren, was in der Kölner Praxis passiert ist, um sich künftig besser vor gefährlichen Keimen schützen zu können.