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270 Kilo Gemüse aus dem EDEN-ISS-Gewächshaus in der Antarktis | BR24

© DLR

Raumfahrtingenieur Paul Zabel vor dem EDEN-ISS-Gewächshaus in der Antarktis

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270 Kilo Gemüse aus dem EDEN-ISS-Gewächshaus in der Antarktis

Inmitten von Schnee und Eis haben Forscher binnen eines Jahres rund 270 Kilogramm Gemüse geerntet. Das EDEN-ISS-Gewächshaus in der Antarktis ist ein knackiger Erfolg - und Schrebergarten-Extremtest für künftige Weltraummissionen.

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Seit Anfang 2018 testet das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) den Schrebergarten der Zukunft in der Antarktis. Das Gewächshaus EDEN-ISS, ein Hightech-Container mit 13 Quadratmetern Anbaufläche, befindet sich rund 400 Meter entfernt von der vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) betriebenen Neumayer-Station III. Jetzt ist Raumfahrtingenieur Paul Zabel zurück in Deutschland und berichtet von seinen Erfahrungen und Erfolgen beim Gärtnern in der Antarktis.

Reichhaltige Ernte im EDEN-ISS-Gewächshaus in der Antarktis

Paul Zabel säte, hegte und pflegte die Pflanzen im EDEN-ISS-Gewächshaus während des ersten Projektjahres. Er kontrollierte, ob seine Zöglinge optimal versorgt wurden und nahm mikrobiologische Proben. Bei Sturm wurde das Gewächshaus automatisch vom Kontrollzentrum des DLR in Bremen überwacht und gesteuert. Selbst bei widrigen Außenbedingungen ging es den Pflanzen im Inneren des Gewächshauses dank der Fernüberwachung und -steuerung von Deutschland aus bestens: Bei konstanten 21 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 65 Prozent wurden sie alle fünf Minuten computergesteuert mit einer Nährstofflösung besprüht, sie bekamen eine Extraportion Licht und Kohlendioxid. Binnen eines Jahres konnten die Forscher der Antarktis so rund 270 Kilogramm Gemüse abtrotzen: 117 Kilo Salat, 67 Kilo Gurken, 46 Kilo Tomaten, 19 Kilo Kohlrabi, 15 Kilo Kräuter und 8 Kilo Radieschen.

"Das war deutlich mehr Gemüse als wir erwartet hatten. Davon sind selbst die besten Schätzungen nicht ausgegangen. Wir hatten wirklich jeden Tag eine große Salatschüssel für alle zehn Leute." Paul Zabel, Raumfahrtingenieur und zeitweise EDEN-ISS-Gärtner, DLR, am 9.1.2019 im Gespräch mit BR-Redakteurin Miriam Stumpfe für "IQ - Wissenschaft und Forschung"
© DLR

Blick ins Innere von EDEN-ISS, dem Gewächshaus in der Antarktis

Wissenschaftler beobachten das Gewächshaus von Bremen aus

Die Ernte fiel derart reichlich aus, dass das Gemüse im Kühlschrank gelagert und auf mehrere Tage aufgeteilt werden konnte. Normalerweise müssen die auf der Neumayer-Station III überwinternden Polarforscher monatelang von Vorräten leben. Jetzt konnten sie sich regelmäßig über frische Mahlzeiten freuen.

"Nach über einem Jahr in der Antarktis blicken wir auf eine erfolgreiche Überwinterung zurück. Die Arbeit in dem Gewächshaus und das frische Gemüse haben unsere Zeit an der Neumayer-Station III bereichert." Bernhard Gropp, AWI, Leiter der Neumayer-Station III

2019 wird EDEN-ISS in der Antarktis komplett ferngesteuert

Mitte Januar 2019 fliegen Projektleiter Daniel Schubert und sein Team in die Antarktis, um das Gewächshaus zu warten und auf den neuesten technischen Stand zu bringen: Es soll noch weiter automatisiert werden. Die Forscher säen dann zwar noch die Samen aus, die Pflanzen sollen dann aber komplett ferngesteuert vom Kontrollzentrum von Bremen aus versorgt werden. Wenn alles klappt, müssen die Polarforscher das Gewächshaus EDEN-ISS erst wieder für die Ernte betreten.

EDEN-ISS: Schrebergarten-Extremtest für die Raumfahrt

Das EDEN-ISS-Gewächshaus in der Antarktis ist schließlich nur ein Test: Das DLR tüftelt an einer Lösung, wie man die Teilnehmer künftiger Raumfahrtmissionen, etwa zum Mond oder Mars, mit frischen Lebensmitteln versorgen kann.

"Ein Weltraum-Gewächshaus für Mond oder Mars wird schon noch so 20 Jahre brauchen, bis das gut funktioniert und man es dort aufstellt. Wir können mit unserem Projekt aber schon eine gute Grundlage liefern, mit dem, was wir alles gelernt haben." Paul Zabel, Raumfahrtingenieur und zeitweise EDEN-ISS-Gärtner, DLR, am 9.1.2019 im Gespräch mit BR-Redakteurin Miriam Stumpfe für "IQ - Wissenschaft und Forschung"

Zwischen November 2019 und Januar 2020 möchte Paul Zabel dann auch noch einmal in die Antarktis reisen, um seinem Gewächshaus einen Besuch abzustatten - und um gegebenfalls doch noch Verbesserungen vor Ort durchzuführen.

Zum Nachhören: Raumfahrtingenieur Paul Zabel unterhält sich mit BR-Redakteurin Miriam Stumpfe über das Gärtnern in der Antarktis - und im All:

© BR/IQ - Wissenschaft und Forschung

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt testet in der Antarktis seit einem Jahr ein Gewächshaus. Raumfahrtingenieur Paul Zabel wurde für EDEN-ISS zum Gärtner - und berichtet jetzt IQ-Redakteurin Miriam Stumpfe von seinen Erfahrungen.