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250 Jahre Napoleon - Spurensuche in Regensburg | BR24

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Napoleon wird während der Schlacht um Regensburg verwundet: das zeitgenössische Gemälde von Claude Gautherot hängt heute in Versailles.

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250 Jahre Napoleon - Spurensuche in Regensburg

250 Jahre Napoleon: Er brachte Bayern Krieg und moderne Verwaltung, machte die Wittelsbacher zu Königen. Die Bayern haben ein gespaltenes Verhältnis zu Napoleon. Eine Spurensuche - unter anderem beim Urururenkel von Napoleons Regensburger Wundarzt.

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Regensburg am 23. April 1809: Es herrscht Krieg. Französische Truppen erstürmen die von Österreichern besetzte Stadt. Da läutet es plötzlich Sturm an der Türe des Wundarztes Johann Martin Pförringer im Weißgerbergraben. Ein ganz besonderer Patient braucht medizinische Hilfe: Napoleon ist angeschossen worden.

Nachfahre von Napoleons Arzt erzählt

Wolfgang Pförringer ist der Ur-Ur-Ur-Enkel des Wundarztes und selbst Orthopäde und Unfallchirurg in Regensburg. Der Arzt hat seine Praxis heute im gleichen Haus der Altstadt wie sein Ur-Ur-Ur-Großvater zu Napoleons Zeiten. Damals habe Napoleon eine Kugel in den Oberschenkel getroffen. Sein Vorfahre Johann Martin Pförringer habe das Projektil dann herausgeholt, erzählt er.

"Als Napoleon abzog kam ein reitender Bote und überbrachte eine Münze: Auf der einen Seite war das 'N' vom Napoleon. Und auf der anderen Seite ist handschriftlich graviert 'Merci'." Wolfgang Pförringer

Die Münze ist heute noch in Familienbesitz. Dabei hatte der Wundarzt eine Bezahlung zunächst abgelehnt: Von einem "Franzmann" nehme er kein Geld, soll er gesagt haben.

© BR/Bernd Kellermann

Eine Tafel erinnert an die Verwundung Napoleons

© BR/Bernd Kellermann

Nach Forschungen des Historikers Thomas Schuler wurde Napoleon an dieser Stelle verwundet, 200 Meter nördlich des Hauptbahnhofs Regensburg.

Regensburg war Napoleon-kritisch

Regensburg ist damals eigenständiges Fürstentum, regiert vom napoleonfreundlichen Grafen Dalberg. Aber jetzt sind die Regensburger nicht gut zu sprechen auf den französischen Kaiser. Kein Wunder: Der Sturm auf die Stadt kostet Hunderte das Leben. Ganze Stadtteile brennen ab.

© BR/Uli Scherr

Spuren Napoleons in Regensburg: Auf einer Anhöhe im Stadtsüden steht der "Napoleonstein". Von hier soll der Kaiser die Schlacht verfolgt haben.

© BR/Uli Scherr

Kaum zu entziffern: "Schreckenstage duch Napoleon". Vor zehn Jahren ließ die Stadt diese umstrittene Inschrift in Stadtamhof anbringen.

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Auf dem Dreifalitigkeitsberg wurden 1809 die gefallenen österreichischen Soldaten bestattet. Dieser Stein markiert die Grablege.

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Die Praxis der Ärzte-Dynastie Pförringer im Weißgerbergraben: Sie befand sich schon zu Napoleons Zeiten in diesem Haus.

Napoleons Schuld am Regensburger Leid umstritten

Heute stellt sich die Frage, ob Napoleon allein verantwortlich war für die Verwüstungen in Regensburg. Darüber streiten sich die Historiker, sagt Stadtheimatpfleger Werner Chrobak.

"In Stadtamhof steht eine Inschrift. 'Schreckenstage durch Napoleon. Zum Gedenken an die Opfer.' Das hat zu ziemlichen Kontroversen unter Historikern geführt, weil die kriegsbeteiligten Österreicher nicht in gleicher Weise genannt sind." Werner Chrobak

Außerdem ging es erst richtig bergab für Regensburg, nachdem Napoleon die Österreicher vertrieben hatte und selbst abgezogen war. Denn die Stadt verliert im Mai 1810 ihre Eigenständigkeit und wird endgültig dem Königreich Bayern einverleibt.

Regensburg im Dornröschenschlaf

In der Folge dämmert Regensburg gut 150 Jahre lang als verschlafenes Provinzstädtchen dahin. Erst die Gründung der Universität in den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts weckt die Stadt aus ihrem Dornröschenschlaf.

"Dieses Strukturelement Universität ist tatsächlich von Bayern her eine späte Wiedergutmachung an der Stadt Regensburg, nach all dem, was im 19. Jahrhundert passiert ist." Werner Chrobak

Wie steht Regensburg heute zu Napoleon? Man erinnert sich heute vor allem daran, dass der Feldherr hier im April 1809 seine angeblich einzige Kriegsverletzung erlitt - und vom Wundarzt Pförringer erfolgreich behandelt wurde.