BR24 Logo
BR24 Logo
Wirtschaft

Zwickau: VW verabschiedet sich vom Verbrennungsmotor | BR24

© BR

Eine Ära geht zu Ende: Volkswagen baut sein Werk am Rande des Erzgebirges zum Vorzeigestandort für die Produktion von Elektro-Fahrzeugen um. Eine Reportage von Alexandra Gerlach.

6
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Zwickau: VW verabschiedet sich vom Verbrennungsmotor

Eine Ära geht zu Ende: Volkswagen baut sein Werk am Rande des Erzgebirges zum Vorzeigestandort für die Produktion von Elektro-Fahrzeugen um. Hier wird jetzt mit dem Stromer ID.3 das erste voll-elektrische deutsche Auto in Serie gefertigt.

6
Per Mail sharen
Teilen

VW-Mitarbeiter Ronny Zapf hat im Cockpit des nagelneuen ID3 Platz genommen. Der Innenraum des Wagens ist überraschend geräumig. Konzentriert schaut Zapf auf den iPad-großen Bildschirm rechts vom Steuer.

"Hier kann man die Fahrmodi einstellen, also auf eco, comfort oder sport, also nachdem, wie das Auto dann reagieren soll. Ob er mehr sportlich anfahren soll oder eher Stromsparen, halt eco." Ronny Zapf, VW-Mitarbeiter

Es ist der 4. November 2019. Ein historischer Tag für VW.

Ein neues Kapitel der Automobilgeschichte von Zwickau

An diesem Tag beginnt ein neues Kapitel in der mehr als 100-jährigen Automobilgeschichte des Standortes Zwickau. Von der Geburtsstunde des Horch und des Audi über den Trabant zu DDR-Zeiten und jetzt das erste voll-elektrische deutsche Auto in Serie. Mit einer großen Eröffnungsshow feiert VW die Serienfertigung des neuen Stromers ID.3, der von der Größe in etwa einem VW-Golf entspricht und weniger als 30.000 Euro kosten soll. In Halle 26 auf dem Werksgelände begrüßt der VW-Chef Herbert Diess, die Festgäste.

Elektroantrieb als neues Herzstück der Fahrzeuge

Die Dieselgate-Affäre hat den VW-Konzern wie ein Erdbeben durchgeschüttelt und zu einer kompletten Neuausrichtung geführt. Konzern-Chef Herbert Diess hat verstanden und die Hebel drastisch umgelegt. Um die neuen Elektrofahrzeuge für die Kunden bezahlbar zu machen, hat VW einen neuen Konzern-eigenen, modularen E-Antriebs-Baukasten – kurz MEB entwickelt. Herzstück ist eine flache Hochvolt-Batterie, die fest in den Unterboden der Fahrzeuge eingebaut ist. Diese Innovation ist ein Alleinstellungsmerkmal von VW und sorgt für größere Reichweiten. Von 330 bis zu 550 Kilometern je nach Batteriegröße.

Zwickau - Flaggschiff des Wandels

Zum Festakt hat die Bundeskanzlerin kurzfristig Ihr Kommen angesagt. Ihr Erscheinen und Ihr Interesse machen deutlich, wie wichtig dieses Werk und die Transformation für die Bundesrepublik sind.

"Ich freue mich auch ganz persönlich, als jemand, der aus der ehemaligen DDR kommt, dass Zwickau das Flaggschiff dieses Wandels in der Mobilität ist. Den Sachsen traue ich das zu, sie werden das mit viel Fantasie, mit viel Kreativität, mit viel Elan machen." Bundeskanzlerin Angela Merkel

Roboter als Montagehelfer in der Produktion

Halle Nummer 5. Hier wird montiert. Lautlos bewegen sich die parallel angeordneten Produktionsbänder, darüber transportieren die hängenden Transportsysteme Karosserieteile zu den Monteuren, die gruppenweise an oder auf dem Band stehen. Meterhohe orangefarbene Roboter mit unterschiedlich langen Armen arbeiten ihnen zu, helfen größere Teile ein- oder anzusetzen - Hand in Hand sozusagen und noch sehr langsam. Das sei nötig, um die Mitarbeiter an die neuen Handgriffe und die engere Zusammenarbeit mit den Robotern zu gewöhnen, erklärt Holger Hollmann, der verantwortliche Montageleiter für Halle 5.

"Die Hinterachse komplett mit Motor, einem kleinen Verteiler-Getriebe ist entsprechend auch ein recht schweres Bauteil, sodass der Kollege sich hier an dieser Stelle auch recht gut macht und die schweren Arbeitsgänge übernimmt." Holger Hollmann, Leiter Montagehalle 5

Herausforderung und Chance für Zwickau

Der Festakt nähert sich seinem Ende, die ersten Gäste verlassen die Halle, die Gläser sind fast abgeräumt. Auch Jens Rothe macht sich auf den Heimweg. Der 49-jährige Betriebsratsvorsitzende von VW in Zwickau fühlt sich sehr an die Umbruchszeit nach dem Mauerfall erinnert. Den neuen Kurs bewertet er positiv.

"Ja, es ist eine Riesenchance. Das ist eine große Herausforderung, aber mit der langen automobilen Tradition hier am Standort Zwickau glaube ich sind wir bestens darauf eingestellt." Jens Rothe, VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Sachsen