BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Zahl der Privatinsolvenzen in Bayern deutlich gestiegen | BR24

© BR
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Alexander Heinl

Im Vergleich zum Vorjahresmonat Februar 2020 hat sich die Zahl der Verbraucherinsolvenzen in Bayern fast verdoppelt. Dieser Anstieg ist für einen Nürnberger Schuldnerberater aber nicht ungewöhnlich.

4
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Zahl der Privatinsolvenzen in Bayern deutlich gestiegen

Im Vergleich zum Vorjahresmonat Februar 2020 hat sich die Zahl der Verbraucherinsolvenzen in Bayern fast verdoppelt. Das hat das Landesamt für Statistik bekanntgegeben. Dieser Anstieg ist für einen Nürnberger Schuldnerberater aber nicht ungewöhnlich.

4
Per Mail sharen
Von
  • Tanja Oppelt
  • Nicolas Eberlein

Die Zahl der Privatinsolvenzen in Bayern ist im Februar deutlich angestiegen. Nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Statistik in Fürth wurden im Februar 821 Verbraucherinsolvenzen angemeldet. Das ist im Vergleich zum Januar ein Anstieg um zwei Drittel (plus 67,2 Prozent). Im Vergleich zum Februar vor einem Jahr hat sich die Zahl der Privatinsolvenzen fast verdoppelt (plus 93,2 Prozent).

Bundesgesetz zur Restschuldenbefreiung als Ursache

Laut Landesamt steigt die Zahl seit mehreren Monaten kontinuierlich an. Als möglichen Grund nannten die Statistiker ein Bundesgesetz zur Restschuldenbefreiung, das seit dem Jahreswechsel rückwirkend zum vergangenen Oktober gilt. Statt nach sechs Jahren können private Schuldner jetzt bereits nach drei Jahren die Befreiung von ihren Restschulden beantragen. Viele Insolvenzverfahren wurden vermutlich bis zum Inkrafttreten des Gesetzes zurückgehalten, so das Landesamt für Statistik.

Das bestätigte auch der Leiter der Nürnberger Schuldner- und Insolvenzberatung ISKA, Michael Weinhold, auf Nachfrage des Bayerischen Rundfunks. In weniger dringenden Fällen hätten Schuldnerberatungen ihren Klienten daher im Vorfeld empfohlen, diese Änderung abzuwarten. Demnach sei die Corona-Pandemie nur kaum oder höchstens indirekt der Grund für diesen Anstieg.

Pandemie beschleunigt Einführung des Gesetzes

"Für mich ist der Anstieg nicht ungewöhnlich", sagt Weinhold. Ursprünglich sei geplant gewesen, die Restschuldenbefreiung bis Juli 2022 auf drei Jahre zu verkürzen. Pandemiebedingt sei das vorgezogen worden. Aufgrund der Bearbeitungszeit des mehrstufigen Antragsverfahrens ist es dann zu der aktuellen Ballung der Anträge gekommen, meint der Nürnberger Schuldnerberater. "Das hat also nichts mit der gesellschaftlichen Insolvenzentwicklung zu tun", so Weinhold weiter.

Der Schuldnerberater geht aber davon aus, dass die unmittelbar von der Coronakrise verursachte Verbraucherinsolvenzwelle noch kommt. Seiner Einschätzung zufolge entweder später im laufenden Jahr oder spätestens im kommenden.

Weniger Unternehmensinsolvenzen als im Vorjahreszeitraum

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen bleibt dagegen auf einem außergewöhnlich niedrigen Niveau. Im Februar wurden laut Landesamt 156 Verfahren angemeldet, ein Viertel weniger als im Vorjahreszeitraum. Bereits im März vor einem Jahr wurde vom Gesetzgeber die Insolvenzantragsflicht für Unternehmen ausgesetzt, um die Folgen der Corona-Pandemie besser zu bewältigen. Seitdem seien die Unternehmensinsolvenzen im Vorjahresvergleich stetig zurückgegangen, so das Landesamt für Statistik.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!