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Worauf man beim E-Bike-Kauf achten sollte | BR24

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Biker am Berg

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    Worauf man beim E-Bike-Kauf achten sollte

    Auch wegen Corona steigen immer mehr Menschen aufs Rad um. Zunehmend beliebt ist vor allem das E-Bike. Das Angebot ist hier schier unerschöpflich – umso wichtiger, sich vor dem Kauf Gedanken zu machen, wo die Reise hingehen soll.

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    Von
    • Gabriel Wirth

    Pedelecs erleben einen massiven Imagewandel. Besitzer von E-Bikes galten vor gar nicht allzu langer Zeit als tretfaul und schwach und wurden eher belächelt. Nun sind die Räder mit fast 39 Prozent das größte Segment beim Absatz. Und das Wachstum dürfte sich fortsetzen.

    Qual der Wahl beim E-Bike-Kauf

    Mittlerweile ist der Markt schon recht unübersichtlich geworden. Den meisten dürfte es schwerfallen, einen Überblick zu behalten. Die verschiedensten Hersteller bieten zahlreiche Modelle, egal ob im Urban-Style, für das Trekking, zum Mountain Biken oder mit einer großen Transportbox. Deshalb empfiehlt der Redaktionsleiter der Zeitschrift Elektrobike, Björn Gerteis, sich zuerst einmal zu überlegen, für welchen Zweck man das Rad braucht. für die Arbeit, für Touren am Wochenende oder für den Einkauf? Dadurch bekomme man ein etwas konkreteres Bild, was man eigentlich für ein Modell brauche, was für einen Motor, und welche Leistung der Akku haben müsse.

    Neuer Trend: SUV-Bikes

    Das schränkt die Auswahl schon einmal ein wenig ein, allerdings bleibt die Vielfalt groß. Es gibt Modelle von zahlreichen Firmen, von kleinen und großen. Selbst Autohersteller und Zulieferer mischen mit, mit verschiedenen Bikes, Motoren und Ausstattungen. Aufgrund der zahlreichen Modelle steigt die Wahrscheinlichkeit, etwas Passgenaues zu finden. Wer sich nicht entscheiden kann, für den hat die Branche etwas Neues entwickelt: Das SUV-Bike. Tobias Hempelmann, Mitglied im Vorstand des Branchenverbands VDZ, räumt ein, dass der Name ein bisschen negativ behaftet sei. Trotzdem sei es ein sehr universell einsetzbares Fahrrad, für die Straße und für den Feldweg. Das werde gerade sehr stark nachgefragt.

    E-Bikes - ein teurer Spaß

    SUV-Bikes kosten ab 3.000 Euro aufwärts. Günstig sind E-Bikes nicht, wenn man länger etwas von dem Rad haben will. Mindestens 2.000 Euro sollte man veranschlagen, meinen Experten. Nach oben gibt es kaum Grenzen, das hängt von der Ausstattung und dem Hersteller ab. Je teurer, desto besser, das gilt auch hier nicht. Und das zeigt auch der aktuellste Test der Stiftung Warentest aus dem vergangenen Jahr. Es wurden Pedelecs zwischen 2.000 und 3.500 Euro getestet. Die Teuersten seien nicht automatisch die Besseren gewesen, meint Anne Kliem von der Stiftung Warentest. Es sei schwierig, vom Preis auf die Qualität zu schließen.

    Experten empfehlen: Ausprobieren

    Wer viel Geld für ein Fahrrad ausgibt, sollte sich besonders gut informieren und vor allem testen. Eine Probefahrt sei unabdingbar, um die Fahreigenschaften des E-Bikes kennenzulernen, meint auch Kliem. Auch die Tester der Stiftung Warentest fahren mit den Rädern lange Strecken auf unterschiedlichsten Untergründen, schnell, langsam. Sie prüften das Bremsverhalten, die Beschleunigung am Berg, aber auch die Handhabung. Wie stabil fährt sich das Fahrrad? Das sind Faktoren, die man bei einer möglichst ausführlichen Probefahrt auch ausprobieren sollte.

    Große Unterschiede bei den Motoren

    Denn es gibt verschiedene Elektro-Motoren, von Bosch, Yamaha, Shimano, Brose oder Panasonic. Und es tobt zwischen Fans bestimmter Motoren fast schon ein Glaubenskrieg, welcher Antrieb denn nun der Beste ist. Diese Frage sei nicht einfach zu beantworten, meint Händler Hempelmann. Nach seiner Erfahrung nach fahren sich alle unterschiedlich. Das sei wie bei den Autos. Auch wenn sie die gleiche PS-Zahl hätten, so seien die Motoren doch sehr unterschiedlich, bezüglich der Charakteristik, der Bedienung und der Geräuschkulisse. Viele Kunden, die in den Laden kämen und einen bestimmten Motor wollten, gingen mit etwas anderem raus.

    Bei gebrauchten E-Bikes: auf den Zustand des Akkus achten

    Also unbedingt Probe fahren. Das spricht schließlich auch gegen einen Kauf im Internet. Wer sein Rad bei einem Händler vor Ort kauft, hat zudem hier auch in aller Regel einen direkten Ansprechpartner für den Service und die Wartung. Wer sparen will und nicht unbedingt das neueste Modell braucht, für den kommt ein gebrauchtes E-Bike in Frage. Der Redaktionsleiter der Zeitschrift Elektrobike, Gerteis rät, vor allem den Zustand des Akkus vorher ganz genau zu untersuchen. Der Akku sei bei einem E-Bike ein teures Bauteil. Es koste zwischen 600 und 800 Euro.

    Wie in der Autoindustrie gibt es einige Fahrradwerkstätten, die für die Batterien eigene Diagnosegeräte haben, mit denen Leistungsfähigkeit und Ladehäufigkeit gemessen werden können. Es gibt sogar bereits einige Händler, die sich auf gebrauchte E-Bikes spezialisiert haben, etwa Nemo Point mit Filialen in Bad Reichenhall und Rosenheim, die beiden Startups Greenstorm aus Österreich und Rebike Mobility aus München und viele mehr.

    Qualität im Laufe der Zeit besser geworden

    Abschließend lässt sich sagen, dass insgesamt die Qualität der E-Bikes besser geworden ist: Die Motoren sind leiser, die Akkus leistungsstärker und die Räder sind besser zu fahren. Das bestätigt auch Gerteis, der mit seinen Kollegen seit Jahren E-Bikes testet. "Als wir 2011 anfingen, da hatten wir Tiefeinsteiger mit dem Akku auf dem Gepäckträger. Da sind wir an der Kreuzung angefahren, haben brav die Hand zum Abbiegen rausgehalten und da hat der Lenker angefangen zu schlenkern." Das sei schon relativ gefährlich gewesen, weil die gesamte Last auf einmal hinten am Rad lag. Das merke man jetzt gar nicht mehr. In Sachen Sicherheit und Entwicklung sei sehr viel möglich gemacht worden.

    Allerdings sollte man auch sicher fahren können, und zwar umsichtig mit Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer. Viele E-Bike-Fahrer scheinen die Geschwindigkeit zu unterschätzen. Zur eigenen Sicherheit gehört die passende Ausrüstung. Und dazu zählt mindestens ein Helm.

    Preise dürften anziehen

    Aufgrund der hohen Nachfrage räumt man bei Händlerverbänden wie dem VDZ ein, dass Kunden derzeit nicht immer ihr Wunschmodell bekommen, es sei denn, sie sind bereit, sich auf längere Wartezeiten einzustellen. Auch in vielen Werkstätten war und ist der Andrang recht groß. Manche Geschäfte reparieren deshalb häufig nur Räder, die auch bei ihnen gekauft wurden. Zudem dürften die Preise hoch bleiben oder gar steigen, der Grund sind höhere Transportkosten. Denn viele Teile kommen nach wie vor aus Asien. So geht Hempelmann vom VDZ, der auch selbst Händler in Nordrhein-Westfalen ist, davon aus, dass in dieser Saison die Preise pro Rad um 100 Euro anziehen und im nächsten Jahr um nochmal dein gleichen Betrag.

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