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Besichtigungstermine für Wohnungen und Häuser haben schon früher oft für Ärger gesorgt. In Zeiten von Corona hat das Konfliktpotential eher zugenommen. Genaue Regeln, was Vermieter verlangen dürfen und wozu Mieter verpflichtet sind, gibt es nicht.

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Wohnungsbesichtigungen zu Corona-Zeiten: Was ist erlaubt?

Besichtigungstermine für Wohnungen und Häuser haben schon früher oft für Ärger gesorgt. In Zeiten von Corona hat das Konfliktpotential eher zugenommen. Genaue Regeln, was Vermieter verlangen dürfen und wozu Mieter verpflichtet sind, gibt es nicht.

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Von
  • Gabriele Uitz

Das Haus, in dem Luise wohnt, soll verkauft werden. Der Besitzer kümmert sich selbst darum und organisiert die Besichtigungen, erzählt Luise, deren Namen für diesen Beitrag geändert wurde, weil sie Ärger mit ihrem Vermieter befürchtet. Der habe sie angerufen und gebeten, ihm einen Termin für eine Besichtigung zu nennen.

Nicht immer kann man Begegnungen vermeiden

Als die dann stattgefunden hätte, seien es sechs Besichtigungen hintereinander gewesen, sagt Luise. Gute zwei Stunden lang standen sie und ihre Kinder im Garten, während der Hausbesitzer alle Interessenten nacheinander durchs Haus führte. Die einzelnen Interessenten trafen aber im Garten aufeinander, weil die Termine dicht an dicht stattfanden.

Damit sich möglichst wenige Menschen treffen, plant Maklerin Angelika Lieb aus Weilheim Haus-Besichtigungen zur Corona-Zeit mit einem Extra-Zeitabstand von mindestens fünf Minuten. "Dass man den Kontakt mit den Nachinteressenten ausschließt, das geht nicht immer", bekennt die Maklerin. "Manche kommen halt früher."

Abstandsgebot gilt auch bei Hausbesichtigungen

Derzeit gelte auch bei Hausbesichtigungen die Einhaltung des Mindestabstands und, dass nur Personen aus zwei Hausständen aufeinandertreffen dürften, erklärt Maklerin Lieb. "Wir bitten vor der Innenbesichtigung, sich das Objekt von außen anzuschauen." Außerdem versuche sie vorher schon möglichst viele Details zu besprechen, "damit wir wirklich nur noch mit denen Innenbesichtigungen machen, die dann auch wissen, was sie erwartet". Darüber hinaus bittet die Maklerin darum, dass keine Kinder zur Besichtigung mitgenommen werden.

Doch egal, ob in Corona-Zeiten oder nicht, der aktuelle Mieter müsse Besichtigungen zulassen, erklärt der Fachanwalt für Mietrecht, Florian Kappes. "Da ist man auf gegenseitiges Goodwill angewiesen, was manchmal mehr oder weniger gut funktioniert", sagt Florian Kappes. Der Vermieter könne nicht einseitige Termine festlegen, genauso wenig könne der Mieter sagen, dass er erst in zwei Wochen kann. "Das ist ein fließender Bereich, was ist Schikane vom einen und vom anderen, und was ist noch geschuldet?", erklärt der Anwalt.

Regeln zu Besichtigungen gibt es nicht

Vermieter und Mieter müssten sich einigen, aber es gebe keine genauen Regeln, wie oft Besichtigungen stattfinden dürfen. Im Grunde solange, sagt der Anwalt, bis das Objekt vermietet oder verkauft sei. Gerade, wenn es um den Verkauf eines Hauses gehe und der Mieter befürchte, danach ausziehen zu müssen, gebe es häufiger Probleme. Wenn ein Mieter aber absichtlich Termine verzögere oder im letzten Moment absage, könne der Vermieter wegen Mietausfall auf Schadensersatz klagen.

Mieter hat das Hausrecht

Der Mieter kann aber durchaus darum bitten, dass Termine gesammelt an einem Stück stattfinden oder dass die Besucher die Schuhe ausziehen oder eine Maske aufsetzen. Denn der Mieter hat das Hausrecht solange er in der Wohnung oder im Haus wohnt, sagt Anwalt Florian Kappes. Wenn ein Mieter partout keine Besichtigung wolle, zum Beispiel weil er Risikopatient sei, dann müsse der Vermieter warten, bis die Wohnung oder das Haus leer seien.

Maklerin Angelika Lieb hatte solch einen Fall noch nie, würde dann aber folgendes vorschlagen: "Dann würde ich sie bitten, ob sie eine Verwandte hat, die in der Zeit vielleicht kommen könnte und, dass die uns die Wohnung zeigt", sagt Angelika Lieb. "Ich denke, irgendeine Lösung findet man."

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