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Wohnmobile: Aufpassen beim Gebrauchtkauf

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    Wohnmobile: Warum man beim Gebrauchtkauf aufpassen sollte

    Die Corona-Pandemie hat die Lust auf Wohnmobile angeheizt. Sie bieten ein eigenes Zuhause – ohne fremde Viren. Und beim Campen lässt sich recht gut Abstand halten. Neue Camper kosten aber viel Geld. Hier ein paar Tipps für den Gebrauchtkauf.

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    Von
    • Gabriel Wirth

    Corona hat viele Trends verstärkt, wie zum Beispiel das Interesse am Campen. Durch die zahlreichen Reisebeschränkungen und geschlossenen Hotels boomt die Nachfrage nach Wohnwagen und Wohnmobilen. Der Durchschnittspreis für ein neues Wohnmobil liegt allerdings bei 70.000 Euro.

    Jedes alte Wohnmobil ist natürlich ein Schätzchen

    Für viele Interessierte ist das zu viel Geld. Sie schauen deshalb nach einem gebrauchten Camper. Die Anzeigen dafür lesen sich dann beispielsweise so:

    "Wir verkaufen hier unser sehr geliebtes und fast einzigartiges Wohnmobil. Da dieser für zwei Personen ausgelegt ist und wir unseren Enkelsohn mitnehmen möchten, müssen wir uns schweren Herzens von ihm trennen. Der von uns genannte 'Goldi' hat uns schöne und sichere Zeiten auf Campingplätze in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien geschenkt."
    "Biete hier meinen T4 California Exclusive in einen Super-Zustand an. Es wurde viel gemacht an dem Cali, Bremsen, Standheizung, Zusatzheizung (...). Der Zustand ist gut bis sehr gut, Rost ist Fehlanzeige, Wagen wurde vom Vorbesitzer unten mit Trockeneis gestrahlt und konserviert."
    "Moin, auf Grund anderer "Sommer-Projekte" trennen wir uns von diesem Allrounder: Verkauft wird er mit HU/Gasprüfung und Ölwechsel NEU und Alufelgen mit Winterbereifung! Zahnriemen wurde stets intervallmäßig gewechselt, zuletzt bei 320.000 km + alle Anbauteile."

    Angebot an gebrauchten WoMos ist groß

    Auf den ersten Blick ist das Angebot an gebrauchten Wohnmobilen – in Camperkreisen auch WoMo abgekürzt - riesig, wenn man sich auf den großen Online-Marktplätzen umschaut: Mobile.de und Autoscout24. Zig Tausende gebrauchte Camper suchen hier einen neuen Besitzer. Man merke, dass der Markt boomt, meint der Marketing-Direktor bei Autoscout Jochen Kurz. Viel mehr Menschen suchten seit dem ersten Lockdown im vergangenen Jahr Wohnmobile. Besonders gefragt seien dabei kleine Multivans mit kleiner Küche. Gute Angebote "sind sehr schnell weg", so Kurz. "Die Standzeiten haben sich dramatisch reduziert."

    Gebrauchte Wohnmobile in wenigen Tagen verkauft

    Kurz spricht hier von ein paar Tagen, in denen ein Verkauf bei einem guten Angebot über die Bühne geht. Der Durchschnittspreis für ein Wohnmobil liegt bei Autoscout bei 33.000 Euro - wobei es Fahrzeuge für unter 5.000 gibt und welche für hunderttausend Euro und mehr. Es kommt halt auf die Ausstattung, das Alter, die Laufleistung und vieles mehr an.

    Zum Preis meint der ADAC-Campingexperte Thomas Biersack, dass "ein gescheites" Wohnmobil derzeit wohl nicht unter 25.000 bis 30.000 Euro zu haben sei – anhängig von Größe, Ausstattung und Alter. Das sei aber auch schon die Preisgrößenordnung von günstigen Neufahrzeugen im Bereich der Campingbusse und –Kastenwagen.

    Checkliste hilft bei den Anforderungen

    Deshalb sollte man zunächst einmal die eigenen Bedürfnisse klären, was man eigentlich will und braucht:

    • Wie viele Schlafplätze?
    • Wie viele Sitze?
    • Ist eine Klimaanlage nötig?
    • Wo will man campen, nur auf Campingplätzen oder auch ein paar Tage in freier Natur?
    • Wie schwer darf der Camper sein?
    • Wie alltagstauglich muss er sein?

    Am besten ist es, hier eine kurze Checkliste anzulegen.

    Antizyklische Suche nach Wohnmobil

    Wer auf den Preis achten muss, sollte nicht unbedingt jetzt kaufen, vor den Ferien, meinen Experten wie Jochen Kurz von Autoscout. Besser sei es antizyklisch zu suchen, also nicht im Sommer. Da sei der Wettbewerb um Wohnmobile recht groß – gerade jetzt zum Auftakt der Saison. Besser sei es im Herbst oder Winter.

    Wer allerdings nicht warten will, sollte sich aber zumindest vor Schnellschüssen hüten und nicht selbst unter Druck setzen. Denn es gilt auch hier, wie bei jedem Gebrauchtwagenkauf, genau hinzuschauen. Und das fange bei den Papieren an, meint ADAC-Experte Biersack. "Man sollte auf jeden Fall sicherstellen, dass alle Unterlagen beisammen sind: Betriebserlaubnisse, Erläuterungen zu Elektrik, Heizung etc." Man müsse auch die Elektrik durchchecken, da ja beispielsweise viele Leuchten in einem Wohnmobil verbaut sind. Da gebe es vieles anzuschauen.

    Wohnmobil genau auf Schäden prüfen

    Dazu zählen Rechnungen, Werkstattprotokolle, das Serviceheft, die Bescheinigung der letzten Gasprüfung und so weiter. Angeschaut werden müsse beispielsweise auch, ob der Herd zündet, die Heizung läuft und der Kühlschrank funktioniert.

    Je älter die Fahrzeuge seien, desto höher sei das Mängelrisiko, meint der Münchner Dekra-Gutachter Harald Kellermann. Gerade Wohnmobile hätten häufiger Standschäden, der Rost nage an den Fahrzeugen und die Reifen seien kaputt oder einfach überaltert. Auch Plastikteile würden mit der Zeit porös – was gefährlich werden könne. Auch Rostschäden an den Bremsen seien durch die langen Standzeiten häufiger ein Thema.

    Dichtigkeitsprüfung vom Experten machen lasse

    Einige Dinge kann man selbst recht einfach in Augenschein nehmen: die äußere Optik, ob alle Lichter funktionieren, wie die Türen schließen oder wie gepflegt der Innenraum ist, zum Beispiel die Polster und Möbel.

    Wenn es hier muffelt, könnte das ein Zeichen dafür sein, dass der Aufbau des Wohnmobils undicht ist und Feuchtigkeit reinkommt. Eine Reparatur ist dann meist sehr aufwendig und teuer. Experten raten deshalb auf jeden Fall eine Dichtigkeitsprüfung durchführen zu lassen, vor allem, wenn man zehntausende Euro investiert. Bei so viel Geld lohnt sich eventuell sogar ein Gutachten.

    Meist ältere Sicherheitsausstattung

    Zudem sollte man beim Kauf eines älteren Wohnmobils wissen, dass die Sicherheitsausstattung nicht auf dem neuesten Stand ist. Und man fahre ja doch etliche Tonnen durch die Gegend, so Gutachter Kellermann. "ABS und ESP sind da schon sehr sinnvoll." Auch ein Airbag, den es häufig für den Beifahrer nicht gebe. Denn wenn dann doch mal etwas passiere, sei das schon hilfreich.

    Kellermann begutachtet seit Jahren Wohnmobile. Es sei ein sehr lebendiges Geschäft mit viel Emotionen, erzählt er. Natürlich komme es mal vor, dass Fahrzeuge innen verschimmelt seien oder bei einer Fahrzeugübergabe die Toilette nicht entleert wurde, aber insgesamt zieht er ein positives Fazit: "In der Regel wird ein Wohnmobil geliebt und auch gepflegt. Im Schnitt gesehen sind das schon schöne Fahrzeuge, wenn man auch das Herz dafür hat."

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