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Wohnen im Alter: Wenn die Miete unbezahlbar wird | BR24

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Renovieren und die Kosten auf die Mieter umlegen: So nutzen Eigentümer derzeit niedrige Zinsen. Gerade viele ältere Menschen können sich das nicht mehr leisten, besonders in Städten. Was bleibt: umziehen. Da liegt aber gleich das nächste Problem.

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Wohnen im Alter: Wenn die Miete unbezahlbar wird

Renovieren und die Kosten auf die Mieter umlegen: So nutzen Eigentümer derzeit niedrige Zinsen. Gerade viele ältere Menschen können sich das nicht mehr leisten, besonders in Städten. Was bleibt: umziehen. Da liegt aber gleich das nächste Problem.

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Rentnerin Karin Jünke hatte 70 Jahre lang in einem Haus in München-Schwabing gelebt. Vor vier Jahren musste sie raus. Heute wohnt sie am Stadtrand, in einem für sie völlig fremden Viertel. Sie kann es immer noch nicht fassen.

"Wir sind energetisch rausmodernisiert worden aus Schwabing. Wir haben einen neuen Hausbesitzer bekommen und dann ging es los: neuer Lift, neue Fenster, neue Heizung. Statt 1.150 Miete sollte ich künftig 2.000 Euro zahlen. Dann musst du raus." Karin Jünke, Rentnerin

An die neue Umgebung hat sich die inzwischen 75-Jährige noch immer nicht gewöhnt. "Du bist einfach isoliert in einem Viertel, wo du niemanden kennst", sagt sie.

"Ich habe am Elisabethplatz gewohnt. Da habe ich meinen Metzger 40 Jahre gehabt, meinen Apotheker 55 Jahre. Wenn ich aus dem Haus rausgegangen bin, hat mich von jeder Seite jemand gegrüßt." Karin Jünke, Rentnerin

Forscherinstitut: Druck auf Ältere wird zunehmen

Für Karin Jünke war es schwer, überhaupt eine neue Wohnung zu finden. Denn auf dem angespannten Münchner Wohnungsmarkt tun sich ältere Personen besonders schwer. Und vielen in ihrem Alter geht es ähnlich, wenn der Vermieter wegen Eigenbedarfs kündigt. Das weiß man auch beim Mieterverein München:

"Wenn man älter ist, steht man vor einem größeren Problem, wenn man einen Wohnungswechsel hat, weil die Vermieterinnen und Vermieter ungern an ältere Personen vermieten. Höchstwahrscheinlich haben sie Angst, dass die Miete nicht bezahlt wird. Deswegen ist es meistens eine Tortur, wenn man vielleicht aufgrund einer Eigenbedarfskündigung die Wohnung räumen muss. Da hat man ein größeres Problem." Beatrix Zurek, Mieterverein München e.V.

Eine Entspannung der Lage ist auch laut einer neuen Studie des Eduard Pestel Instituts nicht in Sicht:

"Nach allen Zahlen, die bisher vorliegen, wird das deutlich zunehmen. Weil die Menschen, die demnächst in den Ruhestand gehen, zu einem weit größeren Teil als bisher niedrige Einkommen bezogen haben, sodass sie entsprechend niedrige Renten bekommen und dementsprechend auch nur niedrige Mieten bezahlen können. Das spitzt sich definitiv zu." Matthias Günther, ISP Eduard Pestel Institut für Systemforschung

Seniorengerechtes Wohnen: zu teuer für viele

Dass vielerorts Sanierungsbedarf besteht, ist eindeutig. Strittig ist aber, welche Maßnahmen sinnvoll sind. Seniorengerechte Umbauten und Barrierefreiheit zum Beispiel. Doch das ist oft gar nicht geplant. Stattdessen: ein Aufzug in einem bereits sanierten Gebäude, der im Zwischengeschoss hält - untauglich für Rollator wie Rollstuhl. Oder ein zweiter Balkon pro Wohnung, die zumindest die langjährigen Mieter nicht benötigen.

Für die Eigentümer lohnt sich eine aufwendige Sanierung. Denn die Zinsen sind extrem niedrig. Und Vermieter können einen Teil der Kosten auf die Mieten umlegen. Dann gibt es zwar mehr seniorengerecht sanierte Wohnungen. Doch auch die sind für viele Senioren nicht mehr bezahlbar. Ein Dilemma, das sich künftig noch verstärken wird.