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Wirtshäuser kämpfen im Lockdown weiter um ihr Überleben | BR24

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Für die Gaststätten steht es jetzt endgültig fest: auch im Dezember wird es vorerst keinen regulären Betrieb geben. Eigentlich ist das ein wichtiger und umsatzstarker Monat für die Branche. Die Wirte kämpfen dabei an vielen Fronten.

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Wirtshäuser kämpfen im Lockdown weiter um ihr Überleben

Für die Gaststätten steht es jetzt endgültig fest: auch im Dezember wird es vorerst keinen regulären Betrieb geben. Eigentlich ist das ein wichtiger und umsatzstarker Monat für die Branche. Die Wirte kämpfen dabei an mehreren Fronten.

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Von
  • Walter Kittel

Die Corona-Krise hat besonders Hotels und Gaststätten hart getroffen. Der zweite Lockdown habe bei vielen Wut, Verzweiflung, Angst und Ratlosigkeit hervorgerufen, so der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Bayern. Denn die Unternehmen hätten zuvor ausgeklügelte Hygienekonzepte realisiert und Mitarbeiter entsprechend geschult.

Auch andere Probleme belasten die Branche, wie zum Beispiel die Abwanderung von Fachkräften, die sich nach neuen Arbeitsplätzen umschauen. Viele Wirte versuchen dennoch mit Kreativität die Schockstarre zu überwinden.

Schweinsbraten "to go" als Notbehelf

So zum Beispiel Christian Kustermann. Er ist Geschäftsführer des Lokals "Alter Wirt" im Münchner Stadtteil Forstenried und versucht es zum Beispiel mit "Schweinsbraten to go". Die Kunden müssen dafür nicht einmal aus dem Auto steigen. Sie bekommen fertig verpackte Papiertüten wie bei einem "drive in" durchs Fenster gereicht.

Die Gaststätte ist eigentlich ein Traditionslokal mit holzvertäfelter Gaststube und Hirschgeweihen an den Wänden. Doch die bayerische Küche käme auch als "drive in" und "take away" ganz gut an, so Kustermann. "Jetzt im zweiten Lockdown ist der Zuspruch ein bisschen verhaltener. Aber es hilft uns wenigstens, ich sage mal, die gröbsten Fixkosten zu decken."

"Take away" sichert wenigstens die Löhne

Vor allem geht es um die Löhne für das Personal. Auch Küchenchef Erik Klein, ist froh, weiterarbeiten zu können. Zu Stoßzeiten gebe es manchmal richtig viel zu tun. Jetzt gerade am späten Nachmittag bereitet er beispielsweise verschiedene Bestellungen vor: zweimal das frische Seelachsfilet mit Kartoffel-Specksalat, eine Portion Käsespätzle – und dann noch drei Wienerschnitzel. Und ein Kaiserschmarrn ohne Rosinen.

Gekocht wird nur abends bis 21 Uhr. Rund ein Viertel des sonst üblichen Umsatzes kann so erwirtschaftet werden, sagt Geschäftsführer Kustermann. Dabei dürfe man nicht vergessen, dass normalerweise im November und Dezember ein Gros des Umsatzes erwirtschaftet werde, vor allem wegen der Weihnachtsfeiern. Veranstaltungen, die in diesem Jahr komplett wegfielen.

Viel Solidarität von den Stammgästen

Die Solidarität seitens der Bevölkerung ist groß. Viele haben in dem Wirtshaus einige ihrer schönsten Stunden verbracht: Hochzeiten, Geburtstage und andere Familienfeste. Sie kämen jetzt nicht nur, weil sie Appetit auf eine gute Mahlzeit hätten, sondern wollten auch helfen, dass die Gaststätte bestehen bleibt, wie einige im Umfeld des Lokals sagen.

Staatliche Novemberhilfe dauert zu lange

Auch die staatlichen Hilfen sind überlebenswichtig. Die Novemberhilfe lasse allerdings schon zu lange auf sich warten, findet Kustermann. Auch viele andere Wirte aus seinem Bekanntenkreis würden das kritisieren. "Wir reden hier über eine Unterstützungshilfe, die fünf Tage vor Ende des Monats überhaupt erst zu beantragen ist. Da geht die Angst um", sagt er.

Der bürokratische Aufwand sei ebenfalls enorm. Man könne weder die Novemberhilfe noch das Überbrückungsgeld II selber beantragen. Das müsse alles über den Steuerberater laufen, weil dabei fundierte Zahlen gefordert seien.

Kampf um den Verbleib von Mitarbeitern

Und das nach einem wirtschaftlich aufreibenden Sommer, in dem Buchführung nicht für alle Wirte immer das Wichtigste gewesen sei. Zurzeit müssten viele vor allem auch um den Verbleib ihrer Mitarbeiter kämpfen.

Nicht wenige seien dabei, in andere Bereiche abzuwandern, würden jetzt für Betriebskantinen in der Industrie oder im öffentlichen Dienst arbeiten. Weil diese mehr Sicherheit bieten könnten. Das sei ein sehr großes Problem, mit dem die Branche momentan konfrontiert sei.

An diesem Abend ist die Welt des Wirtshauses am Stadtrand von München aber noch einigermaßen in Ordnung. Das "drive in"-Geschäft läuft. Der Chef ist zufrieden: 50 bis 60 Gerichte seien es an diesem Tag gewesen. In der heutigen Zeit sei das schon sehr gut. Da gehe es vielen anderen Häusern wesentlich schlechter.

© BR

Der Teil-Lockdown wird mindestens bis zum 20. Dezember verlängert - eine bittere Aussicht vor allem für Gastronomie und Hotellerie im Freistaat. Doch den Kopf in den Sand zu stecken, kommt für die Familie Wittmann nicht in Frage.

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