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Wirtschaftsweise: Keine Erholung - aber auch keine Rezession | BR24

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Deutschland kann etwas aufatmen: Die Wirtschaftsweisen rechnen nicht mit einer schweren Rezession in der Bundesrepublik.

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Wirtschaftsweise: Keine Erholung - aber auch keine Rezession

Der Aufschwung ist beendet. Die fünf Wirtschaftsweisen gehen dennoch nicht von einer tiefgehenden Rezession für die deutsche Wirtschaft aus und geben vorerst Entwarnung.

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Die Aussichten für die deutsche Konjunktur sind eher mau – zu diesem Ergebnis kommen die fünf Wirtschaftsweisen in ihrem 500 Seiten dicken Gutachten. Dieses lässt keinen Zweifel daran, dass die deutsche Wirtschaft nicht mehr rund läuft.

Zunächst einmal haben die Forscher ihre Wachstumsprognose gesenkt: für das laufende Jahr von 0,8 auf 0,5 Prozent. Eine baldige Erholung sei nicht in Sicht. Es hätte aber auch noch schlimmer kommen können, so die Experten weiter. Immerhin: Von einer breiten und tiefgehenden Rezession gehen sie nicht aus. Für das kommende Jahr erwarten die Wirtschaftsweisen einen Anstieg des Bruttoinlandproduktes um 0,9 Prozent.

Mit ihrer Einschätzung sind sie damit etwas vorsichtiger als Koalition und Bundesregierung. Regelmäßig beurteilen die unabhängigen Wirtschaftsforscher vom sogenannten Sachverständigenrat die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Deutschlands.

Haarscharf an einer Rezession vorbeigeschrammt

Grund für die anhaltend schwache Wirtschaft ist vor allem die Auftragslage in der Industrie. Sie befinde sich bereits in einer Rezession, die Gesamtwirtschaft schramme jedoch haarscharf daran vorbei, schreiben die Forscher in ihrem Gutachten. Dort nennen sie auch drei Risiken für die Konjunktur, die zwar nicht neu sind, aber die Wirtschaft nach wie vor lähmen.

Insbesondere eine Eskalation der Handelskonflikte würde die exportorientierte deutsche Wirtschaft empfindlich treffen. So drohen mehr Firmenpleiten und Kreditausfälle. Auch die Digitalisierung und die Herausforderungen rund um den Klimawandel stellten Staat und Unternehmen auf eine harte Probe. Deshalb seien Investitionen in Bildung, Forschung und Innovationen jetzt besonders wichtig.

Keine Lockerung der Schuldenbremse

Was folgt nun aus den Einschätzungen zur wirtschaftlichen Lage? Hier stellen die Wirtschaftsweisen der Politik ein schlechtes Zeugnis aus. Sie tue aus Sicht der Ökonomen viel dafür, die wirtschaftliche Lage nicht gerade zu verbessern. Dennoch sei ein zusätzliches Konjunkturpaket nicht notwendig, denn die Fiskalpolitik von Union und SPD sei bereits "ausgabenfreudig". Zudem lasse die Schuldenbremse genug Spielraum für öffentliche Investitionen. Diese Auffassung vertritt zumindest die Mehrheit der Experten. Die verfassungsrechtliche Regelung zur Schuldenbremse soll seit einigen Jahren die Verschuldung des Staates begrenzen.

Deutlich erhöhtes Risiko im Immobiliensektor

Ein Aufruf zum Nichtstun sei das aber nicht. So könne die Regierung Steuern senken, um das Wachstum anzukurbeln. Die Wirtschaftsweisen warnen auch vor deutlich erhöhten Risiken im Immobiliensektor und empfehlen, dass Banken und Kreditinstitute ihre Eigenkapitalanforderungen für Immobilienkredite erhöhen.

Niedrigzinspolitik mit erheblichen Risiken

Ungewöhnlich deutlich haben die Forscher die lockere Geldpolitik des ehemaligen Chefs der Europäischen Zentralbank-Chefs Mario Draghi kritisiert.

"Diese Politik bringt erhebliche Nebenwirkungen und Risiken mit sich." Christoph Schmidt, Präsident Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen und Wirtschaftsweiser

Den Forschern zufolge hätte die EZB ihre Anleihenkäufe früher beenden können, ohne den Aufschwung zu gefährden. Die Niedrigzinspolitik könne falsche Anreize setzen, insbesondere für hoch verschuldete Euro-Staaten.

Den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung gibt es seit 1963. Er berät die Politik und setzt sich derzeit aus fünf Wirtschaftsforschern zusammen. Vorsitzender ist der Präsident des Leibniz-Institutes für Wirtschaftsforschung in Essen Christoph Schmidt