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Wirtschaftsforscher erwarten schwere Rezession wegen Corona | BR24

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Die deutsche Wirtschaft steht nach Ansicht der führenden Forschungsinstitute wegen des Stillstandes durch die Virus-Krise vor einer dramatischen Talfahrt. Aber die Ökonomen machen in ihrem Frühjahrsgutachten auch Hoffnung auf baldige Besserung.

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Wirtschaftsforscher erwarten schwere Rezession wegen Corona

Die deutsche Wirtschaft steht nach Ansicht der führenden Forschungsinstitute wegen des Stillstandes durch die Virus-Krise vor einer dramatischen Talfahrt. Aber die Ökonomen machen in ihrem Frühjahrsgutachten auch Hoffnung auf baldige Besserung.

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Es sind beunruhigende Zahlen. Weil Geschäfte geschlossen sind, die Produktion in der Industrie auf Null steht und das öffentliche Leben so gut wie nicht mehr stattfindet, sehen die Wirtschaftsforschungsinstitute die Wirtschaft unter Schock.

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Wegen des Shutdowns dürfte demnach das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 4,2 Prozent schrumpfen. Besonders drastisch könnte das zweite Quartal ausfallen, sagt der Konjunkturexperte vom Münchner ifo Institut, Timo Wollmershäuser.

"Dies ist der stärkste je seit Beginn der Vierteljahresrechnung im Jahr 1970 gemessene Rückgang in Deutschland und mehr als doppelt so groß wie jener während der Weltfinanzkrise im ersten Quartal 2009." Timo Wollmershäuser, ifo Institut

Steigende Arbeitslosigkeit

In ihrem Frühjahrsgutachten befürchten die Forscher auch Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosenzahlen steigen laut Prognose auf 2,5 Millionen, das wäre knapp eine Viertelmillion mehr als noch im Vorjahr.

Die Arbeitslosenquote werde auf 5,9 Prozent steigen, zuletzt lag sie bei 5,1 Prozent. Die Zahl der Kurzarbeiter werde von zuletzt etwa 100.000 auf 2,4 Millionen schnellen. "Die Rezession hinterlässt deutliche Spuren auf dem Arbeitsmarkt und im Staatshaushalt", sagt Wollmershäuser. Deutschland bringe aber gute Voraussetzungen mit, den wirtschaftlichen Einbruch zu verkraften und mittelfristig wieder das wirtschaftliche Niveau zu erreichen, das sich ohne Krise ergeben hätte.“

Kräftige und schnelle Erholung der Konjunktur

Für das kommende Jahr sagen die Institute eine deutliche Erholung und ein Wachstum von 5,8 Prozent voraus. Die Erholung könnte dem Gutachten zufolge bereits im Herbst oder Winter dieses Jahres einsetzen. Voraussetzung dafür ist aber, dass die Wirtschaft bald wieder hochfährt. Nur dann dürften die Folgen der Krise beherrschbar sein.

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Die deutsche Wirtschaft leidet stark unter der Corona-Krise. Nun haben die deutsche Wirtschaftsforscher versucht, eine erste Prognose abzugeben.

Kein Wachstum ohne baldigen Exit aus Shutdown

Die Ökonomen haben daher auch einen Hinweis an die Entscheidungsträger in der Politik. Die tatsächliche Entwicklung der Wirtschaft könnte spürbar schlechter ausfallen, falls Kontaktsperren deutlich über den 20. April hinaus in Kraft blieben, oder im Laufe des Jahres ein erneuter Lockdown vorhängt werden müsse. Die Schäden solcher Maßnahmen "dürften mit zunehmender Dauer überproportional steigen".

Altmaier will Prognose der Bundesregierung vorlegen

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sieht sich durch die Prognose bestätigt. Vor allem, weil die Studienautoren die Maßnahmen der Politik loben.

"Der weitere konjunkturelle Verlauf wird nun maßgeblich davon abhängen, wann die unumgänglichen Maßnahmen zum Schutz von Leben und Gesundheit wieder zurückgefahren werden können." Peter Altmaier (CDU), Bundeswirtschaftsminister

Die Prognosen seien daher derzeit mit hohen Unsicherheiten verbunden. Ende April wolle er die Frühjahrsprognose der Bundesregierung vorlegen.

FDP und Grüne machen Druck

Der Chef der bayerischen Landesgruppe der FDP, Karsten Klein, sagt dem BR: Eine Debatte über eine Exitstrategie sei jetzt zwingend. "Teil dieser Strategie muss die Definition der Ausstiegskriterien und des Zeitpunkts sein." Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagt: "Dies ist die tiefste Wirtschaftskrise seit dem zweiten Weltkrieg." Er fordert ein "sozial-ökologisches Konjunkturprogramm". Dieses müsse die Wirtschaft nach dem Ende des Lockdowns wieder in Schwung bringen und zugleich ökologische Impulse setzen.

Ostern könnte entscheiden

In den kommenden Tagen müssen Bundesregierung und Landesregierungen entscheiden: Heben sie die Kontaktsperren und den Stillstand weiter Teile des öffentlichen Lebens nach dem 19. April auf - mit dem Risiko, dass die Infektionszahlen wieder steigen? Oder verlängern sie den Shutdown und nehmen in Kauf, dass die Wirtschaft weiter stillsteht?

Teurer Stillstand

Zwischen 150 und 260 Milliarden Euro kostet ein Monat Stillstand von Industrie, Handel und Dienstleistungen nach Berechnungen des ifo Instituts. Dazu kommen hohe gesundheitliche und soziale Kosten durch physische und psychische Erkrankungen sowie Arbeitslosigkeit.

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