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Wirtschaftsfaktor Wein: Winzer erfolgreich mit alten Rebsorten | BR24

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Die südlichsten Weinberge Frankens liegen an einem Ort, der für mittelalterliche Kulissen und ganzjährigen Weihnachtskitsch bekannt ist: Rothenburg ob der Tauber. Alte Rebsorten, die im Mittelalter angebaut wurden, erwachen hier wieder zum Leben.

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Wirtschaftsfaktor Wein: Winzer erfolgreich mit alten Rebsorten

Die südlichsten Weinberge Frankens liegen an einem Ort, der für mittelalterliche Kulissen und ganzjährigen Weihnachtskitsch bekannt ist: Rothenburg ob der Tauber. Alte Rebsorten, die im Mittelalter angebaut wurden, erwachen hier wieder zum Leben.

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Albert Thüraufs Weingut liegt in der südlichsten Weinbergslage Frankens. Der Winzer bewirtschaftet mehrere Weinhänge. Ein kleiner Weinberg liegt gleich hinter der Stadtmauer von Rothenburg ob der Tauber. Die Rebstöcke hat der Wirt und Winzer vor 20 Jahren gepflanzt.

Bis ins Spätmittelalter war das Trinkwasser in den Städten verunreinigt. Die Menschen tranken Dünnbier und, wer es sich leisten konnte, Weinschorle. "Es ging darum, zu überleben, gesund zu bleiben", sagt Thürauf. Heute, wo sauberes Trinkwasser als selbstverständlich gilt und genießbarer Wein relativ erschwinglich ist, verhält es sich anders. Die Qualität des Weins als Genussmittel steht im Vordergrund.

Rebsorten aus dem Mittelalter heute "hochmodern"

Albert Thürauf macht viel von Hand und setzt keine Pflanzenschutzmittel ein. 170 verschiedene Rebsorten präsentiert der Winzer auf einem Lehrpfad. Viele alte Exoten sind darunter. Diese seien heute auf einmal wieder "hochmodern", meint der Winzer.

"Die heißen zum Beispiel Geißdutte, Lämmerschwanz, Hammelhoden. Wir haben hier die alten Landsorten, die man früher aussortiert hat, weil sie eben nicht die Zuckerleistung gebracht haben, und die sind heute hochaktuell. Die bringen bei intensiver Besonnung auch in Jahren wie 2018 dann 2,5 Prozent weniger Alkohol von Natur aus, bei voller Traubenreife. Das ist das absolute Zukunftsmodell. Die Sorten sind nicht von gestern, die sind hochmodern in der jetzigen Zeit." Albert Thürauf, Winzer, Rothenburg ob der Tauber

Als der Klimawandel noch kein Thema war, hielten viele Fachleute den Anbau alter Rebsorten für eine brotlose Spinnerei. Das ändert sich nun von Jahr zu Jahr. "Wir werden vordergründig belächelt und hintenrum beneidet und das freut uns wahnsinnig", sagt Albert Thürauf.

Erfolgreich in der Nische

Das mittelfränkische Taubertal liegt auf rund 400 Meter Höhe. Vor den Toren der Altstadt ist es häufig zu kühl für die Trauben. Die Weinberge beginnen daher ein Stück weiter oben: in kleinen, mikroklimatischen Nischen auf sonnigen, windgeschützten Südhängen. Acht Winzer bestellen knapp 150 Hektar.

Bei Tauberzell liegt das sogenannte Hasennestle. Nach diesem Flurnamen wurde die ganze Lage zwischen Rothenburg und Tauberrettersheim benannt. Hier baut Albert Thürauf auf seinen Muschelkalk-Hängen über 40 Sorten an. Bei etwa einem Dutzend handelt es sich um historische Exemplare. Das war nicht immer so.

"Als diese Lage hier eingerichtet worden ist, da durfte nur Müller-Thurgau-Gruppe gepflanzt werden. Das war ja auch von der Obrigkeit festgelegt, da waren wir auch dran gebunden. Und erst übers Umstocken war es möglich, an andere Rebsorten zu kommen." Albert Thürauf, Winzer, Rothenburg ob der Tauber

Mit dem Anbau spezieller und alter Rebsorten konnte der Winzer eine Marktnische für sich erschließen. Das Familienunternehmen beschäftigt mittlerweile 15 Mitarbeiter.

Offene Weinseminare sind Teil des Geschäftsmodells

Bei Albert Thürauf reift der Wein noch in Holzfässern. Sein Sohn Johannes ist ins Geschäft mit eingestiegen. Der 26-jährige Winzermeister und Weinbautechniker weiß die Erfahrung der Vorgängergeneration zu schätzen.

Zum Angebot gehören auch offene Weinseminare für interessierte Besucher. "Das ist unser Ding, den Leuten auch die Geschichte dazu zu verkaufen", so Albert Thürauf. Das scheint zu klappen. Um die 65.000 Liter Wein bringt die Winzerfamilie Thürauf pro Jahr an die Kunden. Und so verhelfen auch alte Rebsorten dem Frankenwein als Wirtschaftsfaktor zum Erfolg.