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Bayerns Wirtschaft blickt gespannt auf US-Wahl | BR24

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Die Vereinigten Staaten haben gewählt. Was erhofft sich Bayerns Wirtschaft von der US-Präsidentschaftswahl?

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Bayerns Wirtschaft blickt gespannt auf US-Wahl

Viele Unternehmen im Freistaat stehen unter Spannung: Die Präsidentschaftswahl könnte sie stark beeinflussen, denn die USA und der Freistaat hängen eng zusammen. Firmen aus Bayern senden jetzt eine klare Botschaft in Richtung der Vereinigten Staaten.

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Von
  • Johannes Lenz

Die Vereinigten Staaten haben gewählt. Die US-Präsidentschaftswahl entscheidet auch über wichtige Themen der Wirtschaftspolitik: Wie werden die USA und Bayern in Zukunft miteinander handeln? Die möglichen Auswirkungen der US-Wahl auf die transatlantischen Beziehungen beobachten derzeit viele Betriebe mit Sorge und Hoffnung.

USA wichtigster Exportmarkt für Bayern

Denn die USA sind der wichtigste Exportmarkt für Bayerns Wirtschaft: Die Unternehmen im Freistaat haben allein von Januar bis August 2020 Waren im Wert von knapp elf Milliarden Euro in die USA exportiert. Direkt danach folgt China mit einer Milliarde Euro Abstand. Auf dem dritten Platz liegt Österreich mit gut acht Milliarden Euro Handelsvolumen.

Wie eng Bayern mit den USA verknüpft ist, zeigt sich auch an dem Anteil der Exporte im bundesweiten Vergleich: Diese sind im Freistaat laut dem Bayerischen Industrie- und Handelskammertag deutlich höher als in anderen Bundesländern.

Nicht zuletzt spielt der bayerische Tourismus für die transatlantischen Beziehungen eine wichtige Rolle. Schließlich stehen das Oktoberfest und die Alpen oft sinnbildlich in den USA für ganz Deutschland und transportieren dieses Image.

Bayerische Wirtschaft hofft auf stärkere Kooperation

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft erhofft sich eine engere Zusammenarbeit mit den USA nach der kommenden US-Präsidentschaftswahl. "Ganz gleich wie die Wahl ausgeht: Unsere Erwartung ist, dass in den nächsten Jahren die Kooperation wieder mehr im Mittelpunkt steht", sagt Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw).

Denn schließlich hätten auch "unsere amerikanischen Freunde" Interesse daran, nach Deutschland zu importieren. Deshalb erwarte Bertram Brossardt auch von jeder Administration in den USA, dass sie den Ausgleich sucht.

"Die politische Ebene bereitet uns Schwierigkeiten!"

Doch nicht nur Waren und Dienstleistungen wandern über den großen Teich, sondern auch Know-how. Frank Eberle, Geschäftsführer der ALPMA Alpenland Maschinenbau GmbH, ist darauf angewiesen, dass seine hoch qualifizierten Beschäftigten regelmäßig in die USA reisen können, um dort Anlagen zu warten. ALPMA baut Maschinen für die Käserei- und Lebensmittelindustrie. Das Unternehmen macht etwa ein Fünftel seines Umsatzes in den USA.

"Um unsere Anlagen vor Ort in Betrieb nehmen zu können, müssen unsere Mitarbeiter teilweise mehrere Wochen und Monate in den USA arbeiten", erklärt Eberle. "Arbeitsvisa zu bekommen, ist in den letzten vier Jahren aber viel schwieriger geworden." In den USA qualifizierte Elektroniker oder Mechatroniker anzuwerben sei aufgrund der fehlenden dualen Ausbildung in Übersee noch wesentlich schwieriger als in Deutschland.

"Von einer neuen Regierung in den USA würden wir uns wünschen, dass wir wieder mehr Zusammenarbeit haben, eine Öffnung der Handelsbeziehungen – gerade auch was Arbeitsvisa angeht", so Eberle. "Es ist die politische Ebene, die uns Schwierigkeiten bereitet." Mit den Kundinnen und Kunden käme er immer gut aus. Schwierigkeiten gäbe es auf der menschlichen Ebene überhaupt nicht und auch die Unternehmen würden gut zusammenpassen – allein die Politik sei das Problem.

Partnerschaft zwischen USA und Bayern zuletzt brüchig

Die Strategie von Trump lautet explizit "America first". Die Stärke des eigenen Landes habe US-Präsident Donald Trump mitunter gegen Europa und damit auch gegen Deutschland und Bayern ausgespielt, so Manfred Gößl vom Bayerischen Industrie- und Handelskammertag.

"Was wir in den letzten Jahren vermisst haben, war Planungssicherheit, Verlässlichkeit, Partnerschaft", so Gößl. "Diese Elemente, die insbesondere die Zusammenarbeit zwischen Bayern und den USA ausgezeichnet haben, hat die bayerische Wirtschaft schmerzlich vermisst."

Hoffnung auf eine Welt ohne Strafzölle

Die protektionistische Trump-Strategie "America first" hat die bayerische Wirtschaft auch unmittelbar zu spüren bekommen. Stichwort Strafzölle: Zunächst galten diese Zölle nur auf rohen Stahl und Aluminium. Dann auch für alle verarbeiteten Stahl- und Aluminium-Produkte.

Angela Aicher vom Bau- und Stahlunternehmen Max Aicher mit Sitz in Freilassing beobachtet diese Entwicklung mit Sorge. Der bayerische Konzern produziert und recycelt Stahl auf der ganzen Welt und ist gut vernetzt. "Die Verhängung von Sonderzöllen, vermeintlich aus Gründen der nationalen Sicherheit, stellt einen WTO-widrigen Eingriff in den internationalen Handel dar", erklärt Aicher. "Es ist nicht zu erwarten, dass diese Maßnahmen in naher Zukunft eingestellt werden." Sie macht sich wenig Hoffnung, dass ein neuer US-Präsident die Zölle abschaffen könnte.

Deutschland war Trumps Lieblingsgegner

Doch woher rühren die Strafzölle? In vielen Reden hat der US-Präsident immer wieder kritisch den deutlichen Handelsüberschuss Deutschlands herausgestellt. Die Bundesrepublik wäre ein Verursacher des großen Import-Überschusses der Vereinigten Staaten. Also dafür, dass die USA mehr Waren importiert als exportiert. "Deutschland war offensichtlich einer der Lieblingsgegner von Trump, wenn es darum ging, die US-Handelsbilanz auszugleichen", so der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages Gößl.

US-Präsident Trump machte seinem Ärger über die Handelsbeziehungen mit Deutschland des Öfteren auf Twitter Luft:

Die bayerische Wirtschaft hätte sich statt Zölle gemeinsame Strategien von den USA und Europa gewünscht. "Wir haben auch gemerkt, dass es in der Corona-Krise kein Miteinander gab. Man hätte genau in dieser schwierigen Phase ein Zeichen setzen können, zum Beispiel durch das Aussetzen von Zöllen – auf beiden Seiten", so Manfred Gößl vom Industrie- und Handelskammertag.

Er hätte sich eine Betonung der Partnerschaft zwischen den USA und Deutschland durch US-Präsident Trump in der Coronapandemie gewünscht. Und sei es nur via Twitter. "Wir haben immer wieder gemerkt: Es geht nicht um Kooperation, sondern es geht immer um das Gegeneinander und darum, als Stärkster dazustehen."

"America first" - auf Dauer keine Lösung

Doch Manfred Gößl hat eine Hoffnung: Womöglich merke die Bevölkerung in den USA selbst, dass ein "America first"-Ansatz, wenn er sehr eng ausgelegt ist, nicht zum wirtschaftlichen Erfolg führt. Er glaubt an ein Umdenken in den USA. "Meine Hoffnung ist, dass die Bewegung, die den Trump-Ansatz des "America first" ganz nach oben gespült hat, aufgeweicht oder sogar geändert wird. In einen Kooperations-Ansatz, der heißt: Wir im Westen. Wir gemeinsam."

Wettbewerb und Konkurrenz sei am Ende gut. Doch die USA sollte wenigstens nicht gegen Europa und damit auch gegen Bayern arbeiten.

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