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Börsenkrimi um Dax-Neuling Wirecard | BR24

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Der Dax-Neuling Wirecard aus Aschheim hat seinen Nettogewinn im abgelaufenen Jahr um 36 Prozent deutlich erhöht. Dennoch: Finanzielle Unregelmäßigkeiten in Singapur und eine Achterbahnfahrt des Aktienkurses trüben die Stimmung.

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Börsenkrimi um Dax-Neuling Wirecard

Der Dax-Neuling Wirecard aus Aschheim hat seinen Nettogewinn im abgelaufenen Jahr um 36 Prozent deutlich erhöht. Dennoch: Finanzielle Unregelmäßigkeiten in Singapur und eine Achterbahnfahrt des Aktienkurses trüben die Stimmung.

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Seit einigen Monaten gehört Wirecard zur ersten Börsenliga. Die Finanzaufsicht BaFin will nicht hinnehmen, dass gegen einen Dax-Konzern wild spekuliert wird und hatte vorübergehend gezielte Wetten gegen diese Aktie verboten. Dieses Leerverkaufverbot ist Ostern ausgelaufen.

Zockerei mit Leerverkäufen

Bei Leerverkäufen leiht sich jemand Aktien eines Unternehmens, zum Beispiel von einer Bank, und verkauft sie. Wenn er die Papiere später an den Verleiher zurückgeben muss und wenn der Aktienkurs in der Zwischenzeit gesunken ist, dann kann er einen schönen Gewinn einstreichen. Wer also vorher weiß, dass eine einflussreiche Finanzzeitung Negatives über Wirecard berichten wird, könnte an solchen Wetten verdienen.

BaFin und Justiz prüfen Fall Wirecard - wenig Aussicht auf Erfolg

Genau diesen Verdacht der Marktmanipulation prüfen BaFin und Justiz. Immer wieder klopfen die Ermittler in solchen Fällen auch bei Norbert Betz an. Er arbeitet seit zwanzig Jahren bei der Bayerischen Börse und leitet dort die Handelsüberwachung. Verurteilt werden nur die wenigsten Angeklagten, wenn es überhaupt zum Prozess kommt:

"Also, an den Daten liegt es nicht. Die liegen eins zu eins vor. Aber man muss natürlich auch dem Leerverkäufer die Absicht nachweisen. Und da sind die Daten vor Gericht meistens nicht schlagend genug. Letztlich kann man nicht in die Köpfe der Leerverkäufer hineinsehen. Und so kommen die häufig auch mit an den Haaren herbeigezogenen Ausreden durch." Norbert Betz, Leiter der Handelsüberwachung der Börse München

Unternehmen wie Wirecard besonders gefährdet

Vor gut zehn Jahren wurde schon einmal gegen Wirecard gewettet. Die beiden Angeklagten saßen vor dem Prozess sogar lange in Untersuchungshaft. Seitdem ist der Zahlungsabwickler stetig gewachsen, mit namhaften Kunden aus aller Welt, die ihre Online-Geschäfte über den Dienstleister aus Aschheim abwickeln. Norbert Betz von der Handelsüberwachung glaubt, dass Geschäftsmodelle, die nicht ohne weiteres zu durchschauen sind, die perfekte Einladung sind für Spekulanten:

"Wer von uns kennt sich denn mit den technischen und technologischen Gegebenheiten des Zahlungsverkehrs aus? Und damit sind natürlich Schmutzkampagnen auch emotional ganz schwer zu entkräften. Deswegen sind gerade diese Unternehmen häufig eben auch Opfer von Leerverkäufern." Norbert Betz, Leiter der Handelsüberwachung der Börse München

Unterstützung von japanischem Technologiekonzern Softbank

Dass Wirecard einst auch Kunden aus der Porno- und Glücksspielbranche hatte, ist der perfekte Nährboden für Gerüchte. Der Vorwurf, Scheingeschäfte in Singapur hätten die Umsätze in Asien aufgebläht, ist deshalb auch nicht einfach zu widerlegen. Zocker kommen und gehen und deshalb diskutieren Börsen und Aufseher immer wieder, wie ihnen beizukommen wäre. Ein Warnschuss für die Zocker könnte aber sein, dass Wirecard jetzt mit dem Technologiekonzern Softbank aus Japan einen potenten Partner an seiner Seite hat.

"Man hat einen Partner, der möglicherweise bei Kursturbulenzen auch mal stützend eingreifen kann und in der Gemengelage zwischen amerikanischen Zahlungsdienstleistern und allen anderen hat man auch hier einen Partner, um auf Augenhöhe mit den großen amerikanischen Playern zu kommen." Norbert Betz, Leiter der Handelsüberwachung der Börse München

Offener Ausgang der Ermittlungen

Norbert Betz war zunächst gegen die Entscheidung der BaFin, in den Handel einzugreifen. Denn Leerverkäufer verhindern Übertreibungen nach oben. Sie sorgen also dafür, dass die Kurse nicht überschießen. Inzwischen findet er es richtig, dass die BaFin so gehandelt hat. Und nicht nur er fragt sich, was es Neues gibt bei den Ermittlungen. Und was die Chefetage aus Aschheim heute zur Aufklärung beitragen kann.