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Wirecard-Skandal: EU-Kommission schaltet Finanzaufsicht ein | BR24

© BR/Stefanie Meyer-Negle

Die EU-Kommission will den Skandal um Wirecard nun umfassend prüfen und schaltet dazu die europäische Finanzaufsicht ein. Im Visier der Ermittlungen stehen die Aufsichtsbehörden. Ex Wirecard-Vorstand Jan Marsalek ist nach wie vor untergetaucht.

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Wirecard-Skandal: EU-Kommission schaltet Finanzaufsicht ein

Die EU-Kommission will den Skandal um Wirecard nun umfassend prüfen und schaltet dazu die europäische Finanzaufsicht ein. Im Visier der Ermittlungen stehen die Aufsichtsbehörden. Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek ist nach wie vor untergetaucht.

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Nach der Wirecard-Pleite knöpft sich die EU-Kommission nun die Aufsichtsbehörden vor und hat dazu die Europäische Wertpapier-und Marktaufsichtsbehörde, ESMA, eingeschaltet. Laut einem Schreiben der EU-Kommission an die ESMA, sei nun eine umfassende Beschreibung und Analyse der Ereignisse nötig und eine Prüfung, ob die Reaktion der Aufsichtsbehörden angemessen gewesen sei.

"Wir müssen klären, was schief gelaufen ist," sagte Kommissionsvize Valdis Dombrovskis in einem Interview mit der "Financial Times". "Wir werden die ESMA bitten, zu prüfen, ob es aufsichtsrechtliche Versäumnisse gegeben hat, und wenn ja, eine mögliche Vorgehensweise festlegen."

BaFin in der Kritik

In Deutschland ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, BaFin, zuständig. Kommissionsvize Dombrovskis kündigte an, es werde überprüft, ob die BaFin in der Kontrolle über Wirecard versagt hat. Falls ein Verstoß festgestellt werden sollte, droht der Aufsichtsbehörde ein tiefer Fall. Die BaFin könnte von Brüssel dazu aufgefordert werden, ihre Vorgehensweise zu ändern.

Auch Finanzminister Olaf Scholz kündigte an, die Strukturen der Behörde zu durchleuchten und die aktuelle Arbeitsweise zu überdenken. "Die BaFin muss künftig in der Lage sein, Sonderprüfungen möglichst kurzfristig, schnell und effizient durchführen zu können", sagte der SPD-Politiker am Donnerstagabend in Berlin. Wirecard sei ein Skandal, der seinesgleichen suche. Das müsse ein Weckruf sein. Kritische Fragen seien jetzt an das Wirecard-Management, aber auch die Wirtschaftsprüfer zu richten.

Strafanzeige gegen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY

In der Kritik stehen auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Mehr als ein Jahrzehnt lang hatte EY die Zahlen von Wirecard geprüft und die Bilanzen testiert. Erst bei der Prüfung der 2019er-Bilanz fiel auf, dass Bankbestätigungen zu Treuhandkonten auf den Philippinen gefälscht waren.

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) stellte nun Strafanzeige gegen zwei amtierende und einen ehemaligen Abschlussprüfer von EY. Im Gespräch mit dem BR gab sich der Vorstandsvorsitzende der Schutzgemeinschaft, Daniel Bauer, optimistisch.

"Auf Grundlage dessen, was wir bisher wissen, haben unsere Anwälte eine Chance von 50 Prozent ermittelt. Es wird darauf ankommen, dass man grobe Fahrlässigkeit nachweisen kann. Da reichen die bisher vorliegenden Dokumente zum Teil aus." Daniel Bauer, Vorstandsvorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger

Ehemaliger Wirecard-Vorstand Jan Marsalek untergetaucht

Unterdessen ist der Aufenthaltsort des ehemalige Wirecard-Vorstandes Jan Marsalek nach wie vor unbekannt. Zuletzt soll sich Marsalek auf den Philippinen aufgehalten haben und nun nach China weiter gereist sein. Der philippinische Justizminister Menardo Guevarra teilte am Freitag mit, Marsalek sei am Dienstag auf die Philippinen eingereist und habe das Land am Mittwochmorgen Richtung China wieder verlassen. Wo er sich aber tatsächlich aufhält, ist unbekannt.

Marsalek war bei Wirecard für das operative Tagesgeschäft zuständig. Er war am vergangenen Freitag freigestellt worden, wurde am Montag entlassen und wird laut Medienberichten per Haftbefehl gesucht.

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