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Wirecard: Das lange Warten auf die Jahresbilanz | BR24

© BR / Margit Siller

Mehrmals hat Wirecard seine Jahresbilanz verschoben. Heute will der Dax-Konzern aus Aschheim nun die endgültigen Zahlen für 2019 vorstellen. Das Unternehmen durchlebt turbulente Zeiten, dabei geht es auch um Manipulationsvorwürfe.

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Wirecard: Das lange Warten auf die Jahresbilanz

Mehrmals hat Wirecard seine Jahresbilanz verschoben. Heute will der Dax-Konzern aus Aschheim nun die endgültigen Zahlen für 2019 vorstellen. Das Unternehmen durchlebt turbulente Zeiten, dabei geht es auch um Manipulationsvorwürfe.

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Vor genau einem Jahr auf der Hauptversammlung von Wirecard war die Welt noch fast in Ordnung für die Aktionäre. An die heftigen Kursschwankungen hatten sich die meisten schon gewöhnt. Entscheidend seien die langfristigen Wachstumsperspektiven, sagten damals viele. Das Münchener Messegelände war die perfekte Bühne für den Vorstand, der versprach, die Ungereimtheiten in Asien restlos und zügig aufzuklären. Die Vorwürfe der Financial Times, die Bilanzierungspraxis sei intransparent und möglicherweise manipuliert, seien haltlos.

Wirecard ist in der Vergangenheit rasant gewachsen

Eine gute Stunde dauerte damals die Präsentation von Vorstandschef Markus Braun, der selbst ein dickes Aktienpaket hält. Seit dem Börsengang 2005 sei Wirecard mit zweistelligen Jahresraten gewachsen. "Ich bin optimistisch, dass das auch in den nächsten zehn bis 15 Jahren möglich ist", sagte Markus Braun vergangenes Jahr. "Denn das Thema digitales Bezahlen steht noch immer ganz am Anfang und wir sind permanent dabei, durch neue Dienstleistungen, durch neue Wertschöpfungsschritte, durch neue Produkte, die wir hereinnehmen, unser Spektrum zu erweitern."

Doch inzwischen ist viel passiert, zu viel, wie Kritiker meinen. Sie werfen die Frage auf, ob der Österreicher Markus Braun, ein promovierter Wirtschaftsinformatiker, nun Teil der Lösung ist oder Teil des Problems.

Finanzaufsicht stellt Strafanzeige gegen den Vorstand

Nach Vorwürfen um frisierte Bilanzen und erfundene Umsätze wurde im Herbst 2019 das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG mit einer Sonderprüfung beauftragt. Doch der ursprünglich angepeilte Veröffentlichungstermin war nicht zu halten und als der 74-seitige Bericht endlich fertig war, war das nicht der "Persilschein", den sich Vorstand und Aufsichtsrat erhofft hatten.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) stellte Strafanzeige gegen den gesamten Vorstand, wegen des Verdachts der Marktmanipulation. Nach der Razzia in der Konzernzentrale in Aschheim bei München Anfang Juni wurde der Druck noch größer, auch auf den Aufsichtsrat.

Spekulanten setzen auf fallende Kurse

Immer wieder hatten die großen Fondsgesellschaften bei den Themen Krisenkommunikation und regeltreue Unternehmensführung Verbesserungen gefordert. Von ihnen mag sich jetzt niemand mehr öffentlich äußern. Weitere Anlegerklagen könnten auch für die Fondsgesellschaften heikel werden. Zwar mögen die Geschäftszahlen für viele Kleinaktionäre noch stimmen. Aber große Investoren und Analysten gehen jetzt auf Distanz zu Wirecard, denn der Ruf ist angeschlagen.

Zu allem Überfluss haben sich spekulative Fonds in Stellung gebracht. Sie hoffen auf fallende Kurse. Was die Chefetage und die Kleinaktionäre herbeisehnen ist, dass die langjährigen Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young die Jahresbilanz endlich uneingeschränkt testieren, genau das würde diese Spekulanten viel Geld kosten. Denn vermutlich würde der Aktienkurs nach oben schießen.

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