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Das Drama um Wirecard ist noch lange nicht zu Ende | BR24

© BR/Margit Siller

Der größte Aktionär von Wirecard, der bisherige Vorstandschef Markus Braun, hat sich vom Großteil seiner Unternehmensanteile getrennt. Ex-Vorstand Marsalek ist möglicherweise auf den Philippinen und der dortige Treuhänder sieht sich als Opfer.

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Das Drama um Wirecard ist noch lange nicht zu Ende

Der größte Aktionär von Wirecard, der bisherige Vorstandschef Markus Braun, hat sich vom Großteil seiner Unternehmensanteile getrennt. Ex-Vorstand Marsalek ist möglicherweise auf den Philippinen und der dortige Treuhänder sieht sich als Opfer.

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Der frühere Vorstandschef von Wirecard, Markus Braun, befindet sich wieder auf freiem Fuß. Nach einer Nacht in Untersuchungshaft hatte er gestern fünf Millionen Euro als Kaution hinterlegt, woraufhin der Haftbefehl gegen ihn außer Vollzug gesetzt wurde und er sich jetzt einmal pro Woche bei der Polizei melden muss.

Ex-Chef Braun war zeitweise Milliardär

Bis vor kurzem war der Österreicher mit gut sieben Prozent größter Aktionär von Wirecard – und damit zeitweise auch Milliardär. Zuletzt war seine Beteiligung aber nur noch 175 Millionen Euro wert, wie die Börsen-Zeitung errechnet hat. In den vergangenen Tagen trennte sich der Österreicher von einem riesigen Anteilspaket.

Wer heute auf die Internetseite des Zahlungsabwicklers schaut, der findet den Namen Markus Braun überhaupt nicht mehr auf der Liste der größten Wirecard-Aktionäre. Das ist jetzt aktuell die US-Beteiligungsgesellschaft Blackrock. Kleinere Aktienpakete zwischen zwei und drei Prozent liegen noch bei den Fondsgesellschaften DWS und Union Investment.

Weiterer Ex-Wirecard-Vorstand möglicherweise auf den Philippinen

Der inzwischen fristlos gekündigte frühere Finanzvorstand Jan Marsalek soll sich angeblich auf den Philippinen befinden. Auch er ist Österreicher, galt als langjähriger Vertrauter Brauns, und er war nicht nur für das operative Tagesgeschäft zuständig, sondern auch für das gesamte Asiengeschäft.

Auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks hat die Staatsanwaltschaft München I mitgeteilt, dass sie sich derzeit nicht zu möglichen weiteren Beschuldigten und geplanten Ermittlungen äußern will. Es bleibt also offen, ob auch gegen Jan Marsalek ein Haftbefehl ergangen ist.

Unterdessen haben die Philippinen Ermittlungen wegen möglicher Geldwäsche eingeleitet. Der Justizminister lässt prüfen, ob sich der 40-jährige Marsalek auf den Philippinen befindet. Die Behörden des Landes ermittelten gegen mehrere Personen, die in den Skandal verwickelt sein könnten, heißt es in Manila.

Treuhänder Mark Torontino sieht sich auch als Opfer

Inzwischen hat sich der philippinische Rechtsanwalt bei dem Nachrichtenportal "Rappler" in Manila gemeldet, der als Treuhänder mehrere Konten für Wirecard bei zwei lokalen Banken eröffnet haben soll. Der Mann heißt Mark Tolentino und war vorübergehend abgetaucht. Der 39-jährige Anwalt sieht sich selbst als Opfer; er werde bedroht, nachdem sein Name in der Affäre aufgetaucht war.

Nach seiner Darstellung will er zwar einige Konten eröffnet haben, aber dort lagen nur vergleichsweise geringe Summen. Auch einen formellen Vertrag habe es nie gegeben, und wer überhaupt seine Auftraggeber waren, bleibt rätselhaft.

Banken von Wirecard halten offenbar erstmal still

Offenbar haben sich die kreditgebenden Banken entschieden, die ausstehenden 1,75 Milliarden Euro vorerst nicht von Wirecard zurückzufordern. Sie wollten zunächst die langfristige Überlebensfähigkeit des Finanzkonzerns prüfen, heißt es in Finanzkreisen.

Ob Firmenkunden von Wirecard dem Konzern nun das Vertrauen entziehen, bleibt offen. Einige prominente Konzerne wie Aldi Süd prüfen dies angeblich noch.

Auf jeden Fall soll verhindert werden, dass Geld von der Wirecard Bank in den Mutterkonzern fließt, um dort Finanzlöcher zu stopfen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider berichtet, überwacht dies ein Sonderbeauftragter.

In der kommenden Woche will sich der Finanzausschuss des Deutschen Bundestages mit dem Fall Wirecard befassen.

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