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Ein Mann geht an einem Wirecard-Schriftzug vorbei

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    Wirecard-Aktionäre müssen möglicherweise Dividenden zurückgeben

    Eigentlich hätten Wirecard-Aktionäre gerne ihr verlorenes Geld zurück. Nun könnte es noch schlimmer kommen: Der Insolvenzverwalter will von den Aktionären wohl rund 47 Millionen Euro an Dividenden zurückfordern. Das berichten mehrere Medien.

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    • BR24 Redaktion

    Wirecard-Insolvenzverwalter Michael Jaffe will von den Aktionären des zusammengebrochenen Zahlungsabwicklers rund 47 Millionen Euro an Dividenden zurückfordern. Das geht laut der Nachrichtenagentur Reuters aus dem neuesten Sachstandsbericht des Insolvenzverwalters hervor, den Jaffe laut einem Insider dem Amtsgericht München vorlegte.

    Insolvenzverwalter will Geschäftsjahre für nichtig erklären

    Demnach will er die Geschäftsberichte für die Jahre 2017 und 2018 für nichtig erklären lassen, weil ein großer Teil der Umsätze und Gewinne zumindest in diesen Jahren offenbar nur auf dem Papier existierten. Dann wären auch die Ausschüttungen an die Aktionäre im Nachhinein obsolet. Der Insolvenzverwalter muss im Interesse der Gläubiger unrechtmäßige Zahlungen in den Jahren vor der Insolvenz anfechten.

    Bericht macht wenig Hoffnung auf Schadensersatz

    Auch WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" berichten aus dem 179 Seiten umfassenden Bericht. Demnach haben die Anleger auch wenig Hoffnung auf Schadensersatz. Die Rechtslage, so heißt es in dem Bericht, sei kompliziert, es gebe verschiedene, teils widersprüchliche Gutachten von renommierten Experten und Urteile des Bundesgerichtshofs. Eine "höchstrichterliche Klärung" sei möglicherweise notwendig. Im Klartext bedeutet das, dass Aktionäre womöglich viele Jahre auf Schadenersatz, in dann auch ungewisser Höhe, warten müssen - wenn sie überhaupt welchen bekommen.

    Bundestag gibt grünes Licht für "Wirecard-Gesetz"

    Unterdessen hat der Bundestag das sogenannte "Wirecard-Gesetz" gebilligt. In der abschließenden Beratung stimmten am Donnerstag die Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD dafür. Die FDP votierte dagegen, AfD, Linke und Grüne enthielten sich. Mit dem sogenannten Finanzmarktintegritätsstärkungsgesetz (FISG) sollen die Aufsichtsbehörde BaFin mehr Biss bekommen und die Wirtschaftsprüfer enger an die Leine genommen werden.

    Oberstes Ziel sei es, einen zweiten Finanzskandal wie Wirecard zu verhindern, sagte die SPD-Abgeordnete Cansel Kiziltepe. Der Wirtschaftsprüfer EY habe eine zentrale Rolle in dem Fall gespielt und den Betrug in der Bilanz des Zahlungsabwicklers trotz zahlreicher Warnhinweise nicht aufgedeckt.

    Mehr Eingriffsrechte für BaFin

    Wirtschaftsprüfer sollen nun künftig öfter rotieren - spätestens nach zehn Jahren bei einem Unternehmen, die konkreten Teams vor Ort nach fünf Jahren. CDU-Politiker Matthias Hauer ergänzte, bei der Bilanzkontrolle gebe es einen "echten Neuanfang". Dafür sei künftig allein die BaFin zuständig, mit mehr Eingriffsrechten.

    Die Linke begrüßte dies. Bilanzkontrolle sei eine rein staatliche Aufgabe, so Finanzpolitiker Fabio de Masi. "Wir überlassen ja auch nicht dem ADAC die Alkoholkontrolle." FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar sprach dagegen von einem Gesetz gegen das schlechte Gewissen angesichts des Behördenversagens in dem Skandal. Lisa Paus von den Grünen sagte, das FISG gehe nicht weit genug. "Es hätte wirklich noch bissiger sein können."

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